Bis zu Andreas Herzog ist es quasi nur noch eine winzige Kleinigkeit. Es sind es ja nur schlappe 98 Spiele, die Unions Kapitän Christopher Trimmel von Österreichs Rekordinternationalem (103 Einsätze) trennen. Sollte ein Kinderspiel sein, das noch aufzuholen, wenn man nach neueinhalb Jahren Abstinenz im patriotischen Dienst mit 32 Jahren auf dem Buckel auf einmal wieder in der nationalen Sache unterwegs ist.

Eine Bemerkung, bei der der Rechtsverteidiger der Eisernen dann doch lachen muss. Dafür würden wohl weitere neuneinhalb Jahre in Österreichs Auswahl auch nicht mehr reichen. „Ich bin aber“, erklärte der gebürtige Burgenländer mit breitem Grinsen, „mit Sicherheit Österreichs Rekord-auf-Abruf-Nationalspieler.“

In der Tat war der bekennende Tattoo-Liebhaber nie aus dem Blickfeld der Nationaltrainer in der Alpenrepublik verschwunden. „Marcel Koller hatte mich immer mit auf dem Zettel. Und Franco Foda eigentlich auch bei jedem Länderspiel“, erinnert sich Trimmel.
Klappte halt nur nie. Mit dem Aufstieg wurde jetzt genauer hingeguckt. Weil Trimmel nun Woche für Woche beweisen kann, dass er sich auch auf diesem Niveau produzieren kann.
Nun hat es geklappt, weil Gladbachs Stefan Lainer passen musste. 3 506 Tage lagen zwischen seinem Länderspieleinsatz Nummer drei und vier beim 3:1 gegen Israel, trainiert übrigens von einem gewissen Andreas Herzog.

Kuriose Einberufung

Dass Nummer fünf dann auch noch gleich hinterher folgte beim 1:0 in der Slowakei, war sicherlich ein Bonbon für seine mehr als passable halbe Stunde gegen Israel, als Trimmel für den angeschlagenen Stefan Posch aushelfen musste. 

Schon die Berufung an sich hatte etwas Kurioses. Trimmel erhielt auf der Rückfahrt aus Wolfsburg die Einberufung. Groß umplanen musste er auch nicht, weil er angesichts von drei freien Tagen bei Union ohnehin einen Wien-Trip gebucht hatte. Statt Kaffeehäusern mit Verlängertem und Schlagobers stand dann eben schweißtreibende Arbeit auf dem Platz dem Programm.
Dort wurde er von Foda auch gleich launig gefragt, was er denn die letzten neuneinhalb Jahre so gemacht hätte. „Na, mich weiterentwickelt“, zeigte sich Trimmel ebenso schlagfertig wie realistisch. Denn bei Rapid war er noch als Offensivkraft unterwegs, bei Union dagegen hinten in der Abwehr.

Trikot als Souvenir

Das Trikot vom jetzigen Ausflug hat er übrigens mit nach Berlin gebracht. Auch das von seinem ersten Länderspiel – ein 0:2 gegen Kamerun im August 2009 – ist noch in seinem Besitz. „Das ist aber zu Hause in Wien“, meinte Trimmel.
Die Aussicht auf weitere Einsätze, womöglich verbunden mit einer Teilnahme bei der EM 2020, ist nicht unrealistisch. Die Österreicher sind so gut wie qualifiziert. „Natürlich muss man jetzt abwarten und realistisch sein. Es haben ja diesmal auch einige gefehlt. Ich habe immer betont, dass die Jungs auf meiner Position auf Topniveau spielen. Man muss sehen, wie der Kader zusammengestellt wird, wenn alle fit sind. Aber falls ich im November noch mal berufen werden, erhoffe ich mir schon etwas für kommenden Sommer“, so Trimmel.