Neuzugang für Hertha BSC?: Dodi Lukebakio ist ein ganz neues Kaliber

Stegersbach - Dodi Lukebakio. Diesen Namen wird Manuel Neuer nicht mehr so schnell vergessen. Dreimal hatte Fortuna Düsseldorfs Angreifer den Torwart des FC Bayern am zwölften Spieltag der vergangenen Saison beim 3:3 in München überwunden. Das gelang während der acht Jahre, die der deutsche Nationaltorhüter mittlerweile das Tor des deutschen Rekordmeisters hütet, keinem Spieler. Nicht dem grandiosen Lionel Messi vom FC Barcelona, nicht dem unwiderstehlichen Cristiano Ronaldo im Trikot von Real Madrid. Lukebakio aber schaffte das Kunststück, brachte die Münchner derart in Verlegenheit, dass anschließend sogar eine heftige Diskussion über die Zukunft von Trainer Niko Kovac entbrannte.

Der belgische U21-Nationalspieler mit kongolesischen Wurzeln, der in der Nachwuchsakademie des RSC Anderlecht ausgebildet wurde, stand spätestens nach diesem Spiel in den Notizbüchern vieler Manager. Am Ende der Spielzeit wurde die Leihgabe des FC Watford nach 14 Toren in 34 Spielen mit zahlreichen großen Klubs in Verbindung gebracht, aus der Premier League oder aus der Bundesliga.

Veränderte Vorzeichen

Dass der pfeilschnelle und mit einem feinen Torinstinkt ausgeprägte Rechtsaußen nun unmittelbar vor einem Wechsel zu Hertha BSC steht, ist eng mit dem Investoren-Deal verknüpft, den die Berliner mit dem Unternehmer Lars Windhorst abschlossen. Schließlich war Lukebakio bis vor kurzem kein Kaliber, das Herthas Manager Michael Preetz ernsthaft ins Auge gefasst hätte. Doch seit dem Ende Juni geschlossenen Geschäft, das den Blau-Weißen mit einem Schlag 125 Millionen Euro für 37,5 Prozent der Anteile an der Hertha BSC Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) in die Klubkasse spülte, haben sich die Vorzeichen gravierend verändert. „Es stimmt, dass wir unseren Blick nun auch woanders hinrichten können“, erklärte Preetz den neuen Spielraum. Durch den Großtransfer mit dem Angreifer, der auch als zentrale Spitze agieren kann, stöße der Hauptstadtklub in eine neue Dimension vor.

Bisher war der 2017 von RB Leipzig verpflichtete Davie Selke der Rekordeinkauf der 127-jährigen Klubgeschichte. Lukebakio kostet nahezu das Dreifache. Die Verhandlungen mit Watford sollen weit fortgeschritten sein, Preetz probiert noch die von den Engländern aufgerufene Ablöseforderung von 25 Millionen Euro etwas zu drücken. Mit guten Chancen, wie auch englische Medien berichteten. Lukebakio soll sich jedenfalls bereits für Hertha entschieden und mit Preetz einen Fünfjahresvertrag ausgehandelt haben. Rechnet man das Gehalt des trotz seiner Körpergröße von 1,87 Metern technisch sehr versierten Angreifers mit ein, kostet Lukebakio bis zu 35 Millionen Euro. Dabei ist noch nicht einmal das Honorar für seine beiden Berater Jeremy Pastel und Mohamed Faiech berücksichtigt.

In Düsseldorf wird man neidisch gen Berlin schauen. Schließlich waren die Fortunen – trotz der sportlich um einen Punkt besseren Saison als die Berliner – im Werben um einen Lukebakio-Verbleib offensichtlich chancenlos. Hertha dagegen verlängerte auch Dank des Geldregens erst die Leihe von Liverpools Marko Grujic um ein weiteres Jahr – und luchst dem Tabellennachbarn nun wohl den treffsichersten Stürmer ab.

Doch Hertha strebt sowieso an, das graue Bundesligamittelmaß zu verlassen. Die neuen Mittel sind dabei, wie so häufig, Chance und Risiko zugleich. Die Lukebakio-Millionen können einerseits angesichts der Entwicklung des Spielers und der Auswüchse auf dem Transfermarkt durch einen Weiterverkauf in ein paar Jahren eine ordentliche Rendite abwerfen. Andererseits kann sich sein Marktwert, der innerhalb eines Jahres von drei auf 18 Millionen Euro in die Höhe schoss, auch schnell wieder halbieren, falls er in Berlin weniger häufig das Tor trifft. Er wolle jedenfalls schon bald bei einer Mannschaft spielen, die mehr Ballbesitz, mehr Toraktionen hat als Fortuna Düsseldorf, hatte Lukebakio bereits im Frühjahr in einem Interview mit der Sportbild verlauten lassen.

Covic kennt kein Pardon

Definitiv erhöht ein Transfer in dieser Größenordnung den Druck auf Ante Covic. Der langjährige Nachwuchs-Coach soll in seiner Debütsaison als Profitrainer die Mannschaft „in Reichweite der internationalen Plätze“ führen, wie Preetz erklärte. Dafür lässt Covic in österreichischen Stegersbach seine Spieler trotz einer Hitzewelle, welche die Alpenrepublik erfasst hat, zweimal am Tag trainieren, Covic hat zudem zwei Testspiele vorgesehen, die den Charakter einer Generalprobe tragen. So kam es gestern Abend im 30 Kilometer von Stegersbach entfernten Hartberg schon mal zu einem Duell mit dem türkischen Spitzenklub Fenerbahce Istanbul, welches Hertha nach schleppendem Beginn durch Tore von Daishawn Redan und Vedad Ibisevic mit 2:1 für sich entschied. Am 31. Juli wiederum geht es in der Gemeinde Ritzing, das eine gute Autostunde vom Teamhotel entfernt ist, gegen den Premier-League-Klub West Ham United.

Ob Dodi Lukebakio sogar schon ins bis zum 1. August andauernde Trainingslager in Österreich zur Mannschaft stößt, ist offen, aber natürlich gewünscht, weil sich nicht nur seine sportliche Integration dadurch beschleunigen ließe. Sicher ist dagegen, dass für Hertha mit Geschäftsgebaren in zweistelliger Millionenhöhe bereits eine neue Zeitrechnung begonnen hat.