Neuzugang Marvin Friedrich muss sich im Spiel gegen Bielefeld gleich beweisen

Niklas Stark, Davie Selke, Julian Brandt oder Joshua Kimmich. Das sind vertraute Namen. Gesehen, bestaunt und bewundert in unzähligen Bundesligaspielen. Und dann ist da noch Marvin Friedrich.

Mit all diesen prominenten Akteuren verbindet die jüngste Neuerwerbung des 1. FC Union ein gemeinsames Ereignis. 2014 gehörte Friedrich zu dem Kader, der sich in Ungarn den U19-Europameistertitel sicherte. Es ist also ein verheißungsvoller Jahrgang.

Was die Großen von den noch Kleinen aber trennt, ist der Karriereverlauf. Friedrich debütierte im September 2014 für den FC Schalke 04 zwar auch in der Bundesliga – unter einem in Köpenick nicht ganz unbekannten Jens Keller –, aber über sieben Kurzeinsätze und einmal Champions-League-Atmosphäre-Schnuppern kam er nicht hinaus. Was auch am Trainerwechsel zu Roberto di Matteo lag.

Verpflichtet bis 2021

„Jeder geht seinen Weg anders, bei manchen klappt es besser, bei manchen dauert es länger“, blickt Friedrich ohne Groll auf die Karrierewege der U19-Teamgefährten. Der zweite Anlauf beim FC Augsburg war auch nicht ganz glücklich. Verletzungspech. Ein Beckenschiefstand, der mittlerweile dank einer Einlage und Spezialübungen als behoben gilt. Aber sich hinzog. Abschiebung in die Zweite.

„Nur in der Reserve wollte ich nicht spielen, das habe ich eigentlich nur gemacht, um Spielpraxis zu sammeln. Deshalb bin ich froh, dass es mit Union geklappt hat“, sagt der Abwehrspezialist, der in der Jugend auch mal ein Jahr Außenverteidiger auf Schalke gespielt hat.

Nun also Union bis 2021. Verpflichtet wurde Friedrich am Sonntag nach dem 0:1 gegen Nürnberg, nach dem siebten sieglosen Spiel der Köpenicker in Serie. Und auf einmal gilt für Montag Abend auf der Bielefelder Alm (20.30 Uhr) – er kam, er sah, er soll siegen. „Wenn er sich beim Aussteigen aus dem Bus nicht verletzt, spielt er“, legte sich André Hofschneider fest, dass Friedrich für den gesperrten Toni Leistner in die Startelf rücken wird.

Gardemaß und Kopfballstärke

Die Begründung des Trainers ist einfach: „Er bringt uns nach dem Ausfall von Toni ein paar Zentimeter im Kopfballspiel.“ Hofschneider hofft auf Friedrich, den Großen, und lobt dessen „Ruhe am Ball“ sowie „eine gewisse Gelassenheit“. Friedrich, sei ein „gestandener Spieler“, aber auch „in einem Alter, in dem man noch nach vorn schauen kann“.

Nur 22 Lenze und trotzdem nennt ihn Hofschneider nicht jung? „Ich weiß, wie er das meint. Die jungen Zeiten sind vorbei. Mit 22 ist man mittlerweile ein bisschen erfahrener“, so Friedrich, der diese Aussage als Anspruch und Motivation gleichermaßen versteht.

Gardemaß bringt er mit. Kopfballstärke sei vorhanden, aber defensiv besser als offensiv. „Wenn mir der Ball gut auf den Schädel fällt, mache ich auch mal eine Bude“, witzelte der Blondschopf und charakterisiert sich so: „Ich bin ein spielerischer Innenverteidiger, der versucht, Situationen spielerisch zu lösen. Körperlich könnte ich noch zulegen.“ In der Tat erscheint er trotz seiner 1,90 m nicht als Koloss.

Verpflichtung im zweiten Anlauf

Von noch einem Punkt verspricht sich Hofschneider etwas. „Er hat die Unruhe der letzten Wochen hier nicht mitgemacht. Daher kann ich ihn unbelastet ins kalte Wasser werfen“, meinte Unions Chefcoach. Ironischerweise hat Friedrich aber auch nicht übermäßig Euphorie vermittelnde Kicks hinter sich.

Keins seiner letzten neun Spiele mit Augsburgs U23 in der Regionalliga Bayern endete siegreich. Ein Fakt, der ihm nicht mal bewusst war, weil er ja mit den Profis dauerhaft trainiert hatte und gedanklich auf deren Ergebnisse gepolt war.

Was nicht heißt, dass er nicht weiß, dass Union kriselt. „Ich schaue ja viel Fußball im Fernsehen“, sagt Friedrich, der auch mehr will, als nur einmalig als Ersatz ins Team zu rücken. Davon zeugt ja auch die lange Laufzeit seines Vertrages, die nur einen Schönheitsfehler aufweist. Die Augsburger haben eine Rückkaufoption.

Es war übrigens eine Verpflichtung im zweiten Anlauf. Schon im Sommer hatte Friedrich auf dem Einkaufszettel der Eisernen gestanden. „Da ist es aber gar nicht groß zu Gesprächen gekommen. Ich wollte mich in Augsburg durchbeißen“, sagt er. Die Ursprungsidee ist nachvollziehbar – aber nun Vergangenheit. Union sei für ihn genau das Richtige, um Spielpraxis zu sammeln und sich weiter zu entwickeln. Und wie seine EM-Kollegen von einst eines Tages auch wieder im Fußballoberhaus anklopfen kann.