Oliva - Akkurater Haarschnitt, modisch kurz mit Scheitel. Ein gewinnendes Lächeln. Dazu ein Gardemaß von 1,90 Meter, was bei Abwehrspielern aber auch nicht gerade ungewöhnlich ist. Das ist der erste Eindruck von Lars Dietz, den der 1. FC Union gerade von Borussia Dortmunds zweiter Mannschaft nach Köpenick gelotst hat. Der Verteidiger, am Sonntag im Trainingslager im spanischen Oliva Nova 21 Jahre jung geworden, könnte fast für einen der drei mitgereisten A-Junioren gehalten werden.

Union-Trainer André Hofschneider hat diesen jungen Mann, der als Ersatz für Atsuto Uchida und Back-up auf nahezu allen Defensivpositionen, aber besonders für Rechtsverteidiger Christopher Trimmel verpflichtet wurde, allerdings mit einigen Vorschusslorbeeren bedacht.

„Er hat mich beeindruckt aufgrund seiner kritischen und ehrlichen Art, sich selbst einzuschätzen. Das ist in der heutigen Zeit nicht ganz so normal“, sagte Hofschneider über das gegenseitige Kennenlernen. Eine der Schwächen − Fußballer würden es verbrämt als ausbaufähige Eigenschaften bezeichnen − sei sein Offensivkopfballspiel, verriet Dietz. „Da müsste ich mit meinen 1,90 schon ein bisschen besser treffen“, gibt der Abiturient mit der Durchschnittsnote 2,7 offen zu.

Ordentliche Rendite

Aber Dietz wurde von den Eisernen ja nicht als Offensivwaffe verpflichtet, sondern als Abwehrrecke mit Wachstumsfantasien. In der Wirtschaft würde man ihn wohl als eine Art Start-up bezeichnen. Dass der börsennotierte Klub aus Dortmund sein Eigengewächs nach elf Jahren Ausbildung freiwillig ziehen ließ, hat wohl damit zu tun, dass die Schwelle zum Profikader beim BVB − stets der Champions League oder dem ein oder anderen Titel zugeneigt − einfach etwas größer ist als bei anderen deutschen Profiklubs.

Union jedenfalls hofft auf eine ordentliche Rendite dank des Transfers. „Lars ist ein unglaublich variabler Spieler, der sowohl rechts hinten als auch in der Dreier- und Viererkette sowie auf beiden Innenverteidigerpositionen spielen kann“, lobt Hofschneider. „Er ist auch im defensiven Mittelfeld zu Hause. Das macht die Fantasie groß, dass man da jemanden hat, den man weiterentwickeln kann.“

Berlin hat sich als Entwicklungsstandort bewährt. Über die Größe seiner neuen Heimat musste der junge Mann aber schon staunen. Die Wege seien zwar gar nicht so weit, aber sie würden einfach dauern, hat er festgestellt. Überhaupt startete er ein völlig neues Kapitel als Fußballer.

Ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk

„Der Abschied fiel mir nicht ganz leicht. Ich habe ja meinen ganze Ausbildung in Dortmund gehabt, da werde ich immer hinschauen, egal wo ich bin. Aber wir hatten ja schon im Oktober erste Gespräche. Da konnte ich mich langsam darauf einstellen“, sagte Dietz, der weder verwandt noch verschwägert mit der ehemaligen Duisburger Ruhrpott-Legende Bernhard Dietz ist.

„Der Vertrag war so etwas wie mein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk“, ergänzte der aus der Gegend von Soest stammende Defensivspezialist, der in den ersten Übungseinheiten in Spanien vorwiegend hinten rechts eingesetzt worden ist.

Der Sprung zu Union ist für ihn der nächste Schritt in seiner Entwicklung. „Ich habe zwar öfter bei den Profis mittrainiert, auch Freundschaftsspiele gemacht. Aber da ist es nicht so einfach, den Schritt nach oben zu machen. Ich freue mich daher jetzt auf die Zukunft“, meinte der Blondschopf, der Union schon vor seinem Transfer hautnah erlebt hat. „Ich war beim Pokalspiel gegen den BVB im Stadion. Das 1:1 bis zum Elfmeterschießen war schon beeindruckend. Auch die Fans“, erinnert er sich an den Auftritt der Eisernen im Oktober 2016.

Dietz bevorzugt die Innenverteidigerposition

Nun ist er selber ein Eiserner. Und will in Berlin zu einer festen Größe werden. „Erst mal muss man sich natürlich ein bisschen zurechtfinden“, weiß Dietz. „Aber ich bin hier, um zu spielen, und hoffe, dass ich in der Rückrunde einige Zeit spielen kann und nicht erst ab Sommer. Ob Kurzeinsätze oder über die lange Distanz muss sich zeigen.“

Helfen sollte dem jungen Westfalen dabei seine Polyvalenz, wie der frühere Hertha-Trainer Lucien Favre es einst ausdrückte. „In der Rückrunde bei Dortmunds Amateuren habe ich zwar viel auf der Sechserposition gespielt. Aber eigentlich spiele ich lieber als Innenverteidiger“, sagt Dietz.

Apropos Innenverteidiger: Fabian Schönheim ist oft angeschlagen, Marc Torrejon nicht mehr der Jüngste, der Verbleib von Toni Leistner über diese Saison hinaus nicht geklärt. Da könnte sich spätestens ab Sommer ein Betätigungsfeld für Dietz auftun.