Die  Südtribüne hat nicht vergessen, was Neven Subotic im Trikot von Borussia Dortmund geleistet hat.
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DortmundWenigstens eine der rot gewandeten Gestalten hatte nach dem Abpfiff des Ligakicks in Dortmund sichtlich Spaß. Neven Subotic, Abwehrspieler in den Diensten des 1. FC Union und damit am Sonnabend Gast, stand vor der legendären Südtribüne des einstigen Westfalenstadions und ließ sich von der schwarz-gelben Wand feiern. Ach, was heißt da ließ? Er feierte kräftig mit. Immer wieder ruderte der Innenverteidiger der Eisernen mit den Armen, genoss sichtlich die ihm entgegenbrandenden Zuneigungsbeweise.

Das war manch einem der knapp 7 000 mitgereisten Unionfans dann doch ein bisschen zu viel. Immerhin hatten die Köpenicker gerade mit einem 0:5 (0:2) gegen die Borussia die höchste Bundesliganiederlage ihrer Geschichte kassiert. Ein bisschen mehr Zurückhaltung, etwas weniger gute Laune hätten sie da von einem ihrer Fußballgötter schon erwartet.

Subotic lässt sich die Laune nicht verderben

Der 31-Jährige ließ sich die Laune allerdings nicht verderben. „Ich trenne das klar vom Spiel, das war alles andere als schön. Wir hatten absolut gar keine Antwort, weder offensiv noch defensiv“, sagte der serbische ehemalige Nationalspieler. Er genoss das Bad in den Sympathiewogen in vollen Zügen. Zehn Jahre lange hatte er zwischen 2008 und 2018 den Dress der Dortmunder getragen, dabei zwei Meisterschaften und einen Pokalsieg gefeiert sowie 2013 ein Champions-League-Finale bestritten. So etwas streift man nicht einfach ab wie ein gebrauchtes Hemd.

Das ist auch für mich etwas nicht Alltägliches. Hier vor 80 000 vor der Süd zu stehen und diese Wertschätzung zu erfahren, das ist unbeschreiblich.

Neven Subotic

„Die haben ja meinen Namen gerufen. Ich muss auch sagen, was ich in meiner Karriere erlebt habe, das geht nicht nach Abpfiff verloren. Ich bin eben Neven und hab’ hier jahrelang gespielt. Und diese Bindung, die besteht. Wie sie sich dann auslebt, das entscheiden vor allem die Fans, die am Ende des Tages rufen oder nicht. Das ist auch für mich etwas nicht Alltägliches. Hier vor 80 000 vor der Süd zu stehen und diese Wertschätzung zu erfahren, das ist unbeschreiblich“, meinte der in Bosnien geborene Abwehrspieler beinahe entschuldigend.

Immerhin, und das sollt festgehalten werden, gehörte Subotic zu denjenigen Union-Spielern, die in Dortmund ihren Job leidlich verrichteten und versuchten, sich dem Untergang entgegenzustemmen. Wenn auch mit bekanntem Resultat. „Wir hatten uns vorgenommen, den Gegner unter Druck zu stellen. Dortmund hat das nicht angenommen, einfach nicht mitgemacht. Das kann man auch anhand der Anzahl der Zweikämpfe, die wir gewonnen haben, ablesen. Wir sind da einfach nicht reingekommen. Unser Druck hat einfach nicht ausgereicht. Wir können das besser und müssen das eigentlich auch besser machen“, resümierte Subotic   ein Spiel, bei dem ein mit Personen wie Marco Reus, Julian Brandt und Axel Witsel verstärktes Teenagerduo namens Erling Haaland und Jadon Sancho, beide 19 Jahre alt, wie eine Naturgewalt über die Eisernen hereingebrochen war. Am Ende notierte die Anzeigetafel fünf Treffer für die Hausherren. Haaland traf doppelt (18./76.), holte dazu den von Reus verwandelten Elfmeter heraus (68.), des Weiteren trugen sich Sancho (13.) und Witsel (70.) in die Schützenliste beim BVB ein. Zu viel an diesem Tag für die Köpenicker.

Christopher Trimmel warnt vor Panikmache

Bei diesen stellt sich   die Frage, wie sie jetzt mit der Situation umgehen. Mannschaftskapitän Christopher Trimmel gehört zu denjenigen, die sich für die Verfahrensweise „Mund abputzen, abhaken, weitermachen“ aussprechen. Er sieht das Spiel nicht als einen möglichen Knackpunkt an, an dem seine Mannschaft zerbrechen könnte. „Wir wussten doch schon vor der Saison, und das haben wir oft genug betont, dass es auch mal ein paar Spiele geben wird, in denen wir mal ein paar Dinge reinkriegen. Wichtig ist, wie wir wieder rauskommen. Und ich glaube, dass wir das ganz gut einschätzen können und eine Reaktion zeigen werden“, analysierte Trimmel. Die Welt der Eisernen werde dadurch nicht untergehen. „Es gibt halt Mannschaften in der Liga, die sind einfach ’ne Klasse stärker.“

Was nicht heißt, dass er damit die hohe Niederlage in irgendeiner Form schönreden will. Der gebürtige Burgenländer gilt als sachlicher Mensch und fern jeder Panikmache. „Wir wollten uns heute nicht hinten reinstellen. Weil du gegen so eine Mannschaft mit so viel Qualität dir trotzdem irgendwann mal ein paar Tore fängst. Wir wollten mutig sein. Aber wir haben schlecht begonnen, haben fast alle Ballgewinne sofort wieder verloren“, sagte der 32-Jährige. Immerhin wurde nach dem 0:2 der Rest der ersten Hälfte bis zur Pause schadlos überstanden. „In der zweiten Halbzeit haben wir alles probiert, aber man muss sich irgendwann auch einmal eingestehen, dass das wirklich ’ne hervorragende Mannschaft ist.“

Ob ein Anschlusstreffer etwas hätte bewirken können, ist eine Frage hypothetischer Natur. Mit dem Strafstoß nach knapp einer Stunde war jegliche Hoffnung dahin. Und so bleibt eigentlich nur, sich zu schütteln und nach vorn zu schauen. Zumal die ärgste Konkurrenz Union an diesem Spieltag auch nicht enger auf die Pelle gerückt ist.