Neven Subotic stellt die Weichen auf Sieg für den 1. FC Union.
Foto: Oliver Behrendt

Berlin-KöpenickMartin Schmidt hatte seinen Humor nicht verloren. Trotz der Niederlage seiner Augsburger an der Alten Försterei. Im gespielten Unmut wandte er sich nach dem 0:2 (0:0) gegen den 1. FC Union in der Pressekonferenz an seinen Landsmann Urs Fischer, mahnte vergeblich Solidarität unter Eidgenossen an. „Ich habe daheim noch ’nen Punkt gegeben. Ich dachte schon, dass da was zurückkommt“, haderte er scherzhaft ein wenig mit seinem Kollegen in eisernen Diensten.

Diesem Wunsch hatte der 53-Jährige natürlich nicht nachkommen können. Zu wichtig waren für die Köpenicker angesichts der bevorstehenden Aufgaben diese drei Zähler gegen die bayerischen Schwaben gewesen. Die Bedeutung dieser Partie am nun zweiten Rückrundenspieltag fasste Neven Subotic trefflich zusammen. „Wir haben heute unseren Fokus sicher nicht auf positiven Abenteuerfußball gelegt. Das Spiel war noch mal ein bisschen wichtiger, weil der Gegner eher in unserer Ecke ist. Das sind solche Schlüsselspiele, die ein bisschen mehr wert sind“, sagte der 31-Jährige. Und ergänzte: „Heute war wichtig, dass wir selbst aus einem super ekligen Spiel, in dem wir uns eigentlich nicht wohlfühlten – weil das ja fast kein Fußball mehr war – drei Punkte mitnehmen können.“

Subotic stellt die Weichen auf Sieg

Subotic war es auch, der mit dem 1:0 kurz nach Wiederanpfiff (47.) die Weichen auf Sieg gestellt hatte, wie auch Schmidt   einräumte. „Die Ecke kurz nach der Pause hat uns da etwas den Stift gezogen. Wir wurden verunsichert. Wir wussten, wenn wir hier in Rückstand gehen, dann ist das nicht gut. Dann wird die Übung noch schwerer. Uns fehlte etwas die letzte Überzeugung, die Gier, das Spiel mit aller Gewalt gewinnen zu wollen. Deshalb hatten wir das Unentschieden auch nicht verdient.“

Erwähnen können hätte er auch noch, dass die Eisernen es verstanden, zum richtigen Zeitpunkt nachzulegen.   Der bis dahin eher blass gebliebene Marcus Ingvartsen markierte mit seinem vierten Saisontreffer schon den 2:0-Endstand (61.).

Zumindest das war auch schön herausgespielt. Was Fischer zu seinem Leidwesen nicht genug berücksichtigt sieht derzeit, weil Union immer nur auf die langen Bälle und den Kampf reduziert wird. „Was ist mit den ersten beiden Treffern von Dortmund gegen Köln? Das waren zwei 60-m-Pässe“, verwies er darauf, dass schön sei, was erfolgreich ist und eben nicht nur das, was Fußballästheten immer sehen mögen. „Was ist an Zweikämpfen und Duellen negativ? Das gehört doch auch dazu. Wer sagt denn, dass es immer Ballzirkulation sein muss? Tiki-Taka war am Ende doch auch etwas langweilig“, so Fischers Credo.

Subotic hatte zuletzt 2015 getroffen

Union müsse sich auf das besinnen, was sie können. Und da hätten die Köpenicker „über 90 Minuten“ gegen Augsburg ihr wahres „Gesicht gezeigt“. Weshalb der Schweizer Fußballlehrer von einer „tollen Leistung“ seiner Mannschaft sprach nach einem Kick, in dem vor allem eben auch Mentalität gefragt war nach zuletzt drei Niederlagen in Serie.

Ähnlich würde das wohl Subotic sehen, der in der Bundesliga zuletzt im Mai 2015 für Dortmund bei einem 2:0 gegen Hertha BSC getroffen hatte. „Trimmel spielt die Ecke überragend rein. Und ich habe Glück gehabt, dass der Ball so verlängert wird. Für mich ein Highlight. Es war kein besonders schönes Tor, aber ein besonders wichtiges“, so der Mann des Tages, der von Fischer auch entsprechend gewürdigt wurde, weil er nach beiden Treffern sofort dazu übergegangen war, dem Team wieder Organisation zu vermitteln und nicht in womöglich gefährliche Euphorie zu verfallen. „Da zeigt er sich als Leader. Gerade da braucht es einen, der vorangehen kann“, lobte Fischer den Innenverteidiger.