Neven Subotic hat sich gut in Köpenick eingelebt.
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Berlin-KöpenickEigentlich will Neven Subotic das alles gar nicht mehr. Dieses Fußball-Business, das er als „großen Zirkus“ bezeichnet. Die mediale Aufmerksamkeit, das hysterische Geschäft, die horrenden Transfersummen. „Darauf hatte ich noch nie so wirklich Bock“, sagt der 30 Jahre alte Verteidiger des 1. FC Union, immerhin seit 13 Jahren als Profi aktiv, um dann noch mal deutlicher zu werden: „Das hasse ich!“ Der Fußball entwickle sich für ihn mehr und mehr zu einem Zirkus, in dem die Werte verloren gingen.

Aber irgendwie liebt er dann doch, was er tagtäglich tut. Subotic, der mit seiner in Dortmund ansässigen Stiftung Brunnen in Äthiopien bauen lässt und damit hilfsbedürftigen Menschen Zugang zu sauberem Wasser verschafft („Ich sehe es als Pflicht, mein Glück mit anderen zu teilen“), der mit der S-Bahn aus Friedrichshain, wo er wohnt, zur Arbeit nach Köpenick fährt, der auf materielle Dinge keinen großen Wert legt, sieht den Job des Fußballers als „absoluten Bonus“. Er sagt: „Jeden zweiten Samstag ein Heimspiel zu haben und den Menschen, denen das so viel bedeutet, etwas zurückzuggeben, das ist doch toll. Es gibt kaum einen Beruf, den man ausübt und in dem man so belohnt wird.“ Damit meint Subotic keineswegs die fürstliche Entlohnung, sondern vielmehr die Zuneigung der Fans. Subotic sieht den Sport als kulturellen Aspekt („Das ist großartig“). Dort stehe er aber im Konflikt mit der Wirtschaftlichkeit, mit der Hatz nach mehr, mit dem Drang zum großen Geld.

Unions starker Zusammenhalt

Seit Juli steht der gebürtige Bosnier, der im Kleinkindalter als Kriegsflüchtling nach Deutschland kam und später in den USA aufwuchs, beim 1. FC Union unter Vertrag. Den Schritt aus Frankreich von AS St. Etienne, wo er zuletzt gespielt hatte, nach Köpenick, war aus seiner Sicht richtig. „Ich bin hierhergekommen, um harten Fußball zu spielen und an der Herausforderung auch als Person zu wachsen.“ Anders als in Dortmund oder Köln sei die Erwartungshaltung in Köpenick eine andere. Das Umfeld sei wesentlich ruhiger. „Die Fans stehen immer hinter uns. Das ist eine große Stärke und kann uns helfen, erfolgreich durch die Saison zu kommen.“ Und weiter: „Wir sind gefühlt über der Erwartungshaltung der Fans. Auch wenn es gerade gut aussieht, wissen wir, dass es noch ein langer Weg ist. Für uns bleibt es aber dabei: Der Klassenerhalt wäre wie eine Meisterschaft!“

Auf acht Ligaeinsätze kommt der frühere serbische Nationalspieler in der laufenden Saison und ist längst eine Stütze in der rot-weißen Innenverteidigung. Er, der zwei Deutsche Meisterschaften und den DFB-Pokal mit dem BVB gewann und 2013 im Champions-League-Finale in Wembley gegen den FC Bayern stand, sagt: „Wir sind auf einem sehr guten Weg und mittlerweile angekommen in der Bundesliga. Wir haben an Stabilität gewonnen und werden von den Gegnern wahrgenommen. Auf dem Platz fühlen wir uns als Mannschaft in der 1. Liga komplett zu Hause.“

Das war nicht unbedingt zu erwarten, schließlich gingen die Eisernen als großer Außenseiter in die Saison. Spieler wie Marius Bülter, Robert Andrich oder Christopher Lenz kannten das Oberhaus nur vom Hörensagen. Auch Subotic gesteht: „Ich kannte viele meiner jetzigen Kollegen nicht, weil ich nicht so viel Zweite Liga geschaut habe. Ich muss aber sagen: Ich bin positiv überrascht von der Mentalität und Qualität. Wir haben eine coole Mannschaft. Ich glaube übrigens, dass keiner von uns seinen Zenit erreicht hat. Wir spielen schon sehr gut, haben aber noch Potenzial nach oben. Da geht noch mehr.“

Tolle Arbeitsmoral

Über Bülter, der vor 18 Monaten noch in der Regionalliga gespielt hat, sagt Subotic: „Das Spiel gegen Dortmund war ein Schlüsselspiel für ihn. Es hat ihm gezeigt: Hey, das sind auch nur Fußballer. Ich kann hier mithalten. Dank seiner Tore haben wir eine der besten Mannschaften Europas geschlagen.“ Auch vom dänischen Angreifer Marcus Ingvartsen schwärmt er: „Den kannte ich gar nicht. Wenn er weiter so hart arbeitet, dann hat er eine krasse Zukunft vor sich. Ich sehe ihn immer im Kraftraum. Seine Arbeitsmoral ist toll.“ Und über Andrich: „Er ist hier angekommen und hat, wie alle anderen auch, vom ersten Moment Topleistungen im Training gezeigt. Seine Finesse am Ball und die Gier im Zweikampf sind toll.“

Sie und die anderen Bundesliga-Neulinge im Team fragen Subotic übrigens oft nach Robert Lewandowski. Mit dem 31 Jahre alten Stürmer des FC Bayern München feierte Subotic in Dortmund gemeinsame Erfolge, „die uns noch 30 Jahre lang verbinden werden“. Subotic verrät: „Die Jungs fragen mich oft nach Robert Lewandowski, wollen wissen, wie er arbeitet. An seinem Beispiel kann man den Jungs schön zeigen, was nötig ist, um das absolute Topniveau zu erreichen. Er ist für alle interessant. Es geht darum, dass die Jungs verstehen, was richtig große Profis tagtäglich machen, um da zu sein, wo sie jetzt sind.“ Der Kontrakt von Neven Subotic bei den Eisernen läuft noch bis Sommer 2021. Ob der Routinier darüber hinaus noch professionell Fußballspielen wird, das weiß er nicht. Klar ist aber: „Ich werde auch nach der aktiven Karriere kicken. Das macht mich schon irgendwie glücklich.“ Das ganze Drumherum ist dabei eher zweitrangig.