Tom Brady spielte eine ungewohnt schlampige Saison als Quarterback der New England Patriots.
Foto: Maddie Meyer/AFP

BerlinNatürlich drehte sich alles um die Zukunft von Tom Brady nach dem nicht völlig überraschenden frühen Ausscheiden der New England Patriots im Kampf um die Meisterschaft in der National Football League (NFL). Mit 13:20 hatte der Titelverteidiger im eigenen Stadion gegen die Tennessee Titans verloren, vor Beginn war der 42-jährige Quarterback von den Zuschauern mit „Brady, Brady“-Chören gefeiert worden. Nach dem enttäuschenden Ende ließ Brady keinen Zweifel daran, dass es von ihm aus gerne weitergehen kann in New England, wo er seit 2001 der unumschränkte Herrscher auf dem Spielfeld ist und die Patriots zu sechs Super-Bowl-Siegen führte. „Ich liebe es, Football zu spielen, und ich liebe es, für dieses Team zu spielen“, sagte er. Ein Karriereende nannte er „ziemlich unwahrscheinlich“.

Etwas später stufte er die Aussage auf „hoffentlich unwahrscheinlich“ herunter, womit er erkennen ließ, dass er nicht so sicher ist, ob die Patriots ihrerseits mit ihm weitermachen wollen. Gleichzeitig übte er so ein bisschen Druck auf Teambesitzer Robert Kraft und Coach Bill Belichick aus. Kraft hatte eine vorzeitige Vertragsverlängerung vor Saisonbeginn abgelehnt, weshalb Bradys Kontrakt nun ausläuft und er theoretisch auch zu einem anderen Team wechseln könnte. Was er offensichtlich nicht wünscht, gleichwohl ist er Realist genug, um es in Betracht zu ziehen. „Ich weiß nicht, wie die Zukunft aussehen wird“, erklärte er, „deswegen werde ich auch keine Voraussagen treffen.“

Brady ist nicht mehr der dominante Quarterback

Ganz eindeutig ist Brady nicht mehr der dominante Quarterback von einst, obwohl er gegen die Titans klar besser spielte als in den vergangenen Partien. Das größte Problem der Patriots war, dass die Defense Tennessees Derrick Henry nicht stoppen konnte, der 182 Yards Raumgewinn erlief, der höchste Wert eines Running Backs in den 41 Play-off-Partien, die Brady und Belichick seit 2001 gemeinsam bestritten. Brady wiederum fehlten zuverlässige Anspielstationen, mehrfach ließen Receiver gute Pässe von ihm fallen, aber es fehlte auch, durchaus ein Alarmzeichen, das Vertrauen der Coaches.

Als die Patriots im zweiten Viertel nur ein Yard von einem Touchdown entfernt waren, bekam der Quarterback keine Gelegenheit, die Sache zu regeln. Offensive Coordinator Josh McDaniels ordnete drei Laufspiele an, doch jedes Mal wurde Running Back Sony Michel gestoppt. New England musste sich mit einem Field Goal zum 13:7 begnügen, es waren die letzte Punkte des Teams in diesem Match.

Das Denkmal droht zu stürzen

Noch vor der Halbzeit erlief Derrick Henry den Touchdown zu Tennessees 14:13-Führung, welche die Titans nach der Pause relativ ungefährdet verwalteten. Symptomatisch für die Götterdämmerung bei den Patriots war die Schlussphase der Partie, traditionell die Zeit der Tom-Brady-Wunder. Diesmal wurde sein ambitionierter Pass abgefangen, und die Titans nutzten die Interception zum Touchdown. Kurz darauf hatten die Patriots, in vier der letzten fünf Super Bowls vertreten, erstmals seit dem Januar 2010 wieder in der Wild-Card-Runde verloren. Damals unterlagen sie den Baltimore Ravens, die kommende Woche im Viertelfinale der nächste Gegner der Tennessee Titans sind.

Abgesehen davon, dass die Medien Tom Brady mit fortschreitendem Alter immer mal wieder für ausgebrannt und erledigt erklärt hatten, um dann mitansehen zu müssen, wie er mit einem Hab-ich es-euch-mal wieder-gezeigt-Lächeln die nächste Trophäe stemmte, gab es auch bei den Patriots hin und wieder Überlegungen für einen Wechsel auf der Quarterback-Position. Vor allem im Jahr 2017, als mit Jimmy Garoppolo ein hochtalentierter Backup im Kader stand und Brady zeitweise schwächelte. Damals soll Coach Belichick zum Tausch tendiert haben, was er später stets bestritt. Während der Saison wurde Garoppolo dann an die San Francisco 49ers abgegeben, angeblich auch auf Druck von Brady, was dieser später stets bestritt.

Seitdem ist er jedoch wieder die unangefochtene Nummer eins, und sollten die Patriots tatsächlich den Umbruch wagen wollen, müssten sie erst mal auf dem umkämpften Quarterback-Markt einen Kandidaten finden, der zwar kaum den Brady der glanzvollen Zeiten, aber wenigstens den der gerade beendeten Saison ersetzen kann. Tom Brady, so viel ist klar, will auch mit 43 Jahren bei den Patriots spielen, und die Fans wollen ihn spielen sehen. Es liegt nun bei Robert Kraft und Bill Belichick, ob sie den unpopulären Denkmalssturz wagen oder noch einmal auf ein letztes Wunder hoffen.