Berlin - Die klaren Worte von Nia Künzer an den eigenen Sender fand die Fußball-Bundestrainerin so gelungen wie den Kantersieg. „Dafür feiern wir sie heute“, sagte Martina Voss-Tecklenburg über den bemerkenswerten Appell der TV-Expertin am Rande des 7:0 (4:0) in der WM-Qualifikation gegen Israel. „Spiele der Nationalmannschaft gehören live übertragen, zu einer vernünftigen Uhrzeit“, hatte die Ex-Nationalspielerin Künzer während der Halbzeitanalyse gefordert: „Wir können nicht immer nur darüber reden, dass sich der Frauenfußball weiterentwickeln muss. Dazu gehören ganz viele Akteure, da muss ich auch mal die ARD nennen.“

Die undankbare Anstoßzeit am Nachmittag unter der Woche und die Abend-Übertragung des Israel-Hinspiels nur im Livestream hatten die schon lange schwelende Debatte um fehlende Sichtbarkeit des Frauenfußballs in Deutschland befeuert. Am Dienstagnachmittag schalteten immerhin 1,14 Millionen Zuschauer die ARD-Übertragung ein (Marktanteil 9,0 Prozent), ins Stadion Essen kamen gerade einmal 1814 Fans.

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky erklärte: „Wir befinden uns in regelmäßigem Austausch mit dem DFB über geeignete Anstoßzeiten für Frauen-Länderspiele oder Spiele der Frauen-Bundesliga, um die mediale Aufmerksamkeit für den Frauen-Fußball in Deutschland zu erhöhen.“ Dabei könne nicht „beliebig“ agiert werden, man orientiere sich „an der sportlichen Relevanz sowie an unseren programmlichen Möglichkeiten“.

Künzer argumentiert hingegen: „Es gibt riesige Potenziale, die der Frauenfußball und diese Frauen bieten. Es ist längst an der Zeit, dass man ihnen die Plattform und die Sichtbarkeit gibt.“ Die Weltmeisterin von 2003 sprach den Protagonistinnen aus der Seele. Die sehnen neben besserer Vermarktung durch den Deutschen Fußball-Bund auch abseits der großen Turniere Primetime-Spiele herbei.

Dann könnten mehr Fans live verfolgen, wenn sich das mit Talenten gespickte DFB-Team wie beim vierten Sieg im vierten WM-Qualifikationsspiel in einen Torrausch spielt. Die deutsche Auswahl hat vor den November-Spielen gegen die Türkei und in Portugal Platz eins in Gruppe H gefestigt und blickt nun voller Spannung nach Manchester.

Denn dort findet am Donnerstag (18 Uhr) die Auslosung zur ins Jahr 2022 verschobenen EM in England (6. bis 31. Juli) statt. Deutschland ist mit Titelverteidiger Niederlande und Frankreich in Lostopf 1 gesetzt, die Gastgeberinnen stehen zudem als Kopf der Gruppe A fest.

„Wir alle brennen darauf, dass wir endlich wissen, gegen wen wir spielen und wo“, sagte Voss-Tecklenburg. Sofort danach beginnt die Vorbereitung und Reiseplanung. Der Rekordeuropameister sucht ein Basecamp als „Wohlfühloase, in der wir gut arbeiten können. Wir wollen ja gerne ein bisschen länger in England bleiben“.