Marvin Friedrich und Max Kruse steht die Enttäuschung nach dem 1:3 gegen Augsburg ins Gesicht geschrieben. 
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BerlinFußball ist ein einfaches Spiel. Doch manchmal ist das Erlebte dann doch nicht so einfach in Worte zu fassen. Was man sieht, ist nicht das, was hinten rauskommt. Nicht selten gibt es da mehr als eine Wahrheit. Der Kick am Sonnabend in der Alten Försterei zwischen dem 1. FC Union und dem FC Augsburg gehört in diese Kategorie. Was war wirklich wichtig? Wo steckt die Story des Spiels? Wie nun am besten beschreiben? 

Vielleicht fangen wir mit etwas Einfachem an, mit nackten Zahlen. Die weisen für die Eisernen erfreuliche Parameter auf. 13:9 Torschüsse, 56 Prozent Ballbesitz, 8:1 Ecken, mit einer Passquote von 85 Prozent auch da ein leidlicher Wert, etwas besser als der der Gäste (84 Prozent). Auch die Laufleistung 126,04:123,93 sprach für die Hausherren und war bis zu den Sonntagsspielen der Spitzenwert in der Liga. Doch das, was wirklich zählt, wies die Fuggerstädter als das bessere Team aus: Augsburg 3, Union nur 1, stand am Ende auf der Anzeigentafel.

Es war nicht alles schlecht, aber eben noch lange nicht alles gut. „Insgesamt nicht unser Spiel. Liegen 1:0 hinten, kommen dann zum Ausgleich. Haben eigentlich das Momentum auf unserer Seite. Dann darfst du das Spiel so nicht wieder aus der Hand geben. An Tagen wie diesen musst du erst mal so ein 1:1 halten. Um am Ende vielleicht noch einen Lucky Punch zu setzen. Ist natürlich ärgerlich dann“, analysierte Max Kruse, der in der 71. Minute als Einwechsler sein Debüt gegeben hatte, aber auch nicht mehr groß dazu beitragen konnte, dass Union als Sieger vom Platz ging. Denn Marius Bülter konnte kurz nach dessen Betreten des Spielfeldes den 0:1-Hallbzeitrückstand (40. Vargas) zwar noch egalisieren (75.), doch den Lucky Punch landete der FCA durch Michael Gregoritsch (82.) und André Hahn (89.).

Awoniyi als Andersson-Ersatz

„Die letzte Konsequenz, das eigene Tor zu verteidigen, zu schützen, hat in den Aktionen gefehlt“, haderte Trainer Urs Fischer mit den ungewohnten Abwehrschwächen seines Teams. Deren größte Baustelle hatte der Schweizer eigentlich ganz  vorne verordnet, wo Marcus Ingvarsten als klassischer Neuner begonnen hatte. Was auch nicht als die Idealrolle für den Dänen gilt.

Die Ursachen für die Pleite hatte Fischer schnell parat: individuelles Fehlverhalten. „Wenn du dreimal falsch entscheidest oder nicht konsequent genug bist, dann verlierst du eben im Fußball. Das Ergebnis entspricht nicht der Leistung. Für mich wäre das ein Unentschiedenspiel gewesen, aber weil der Gegner so effizient war, verlierst du so ein Spiel, obwohl deine Leistung nicht so schlecht war“, mochte sich Fischer auch am Tag nach der Pleite mit dieser unnötigen Niederlage nicht recht anfreunden.

Was ein bisschen seine Miene aufhellte, war weniger das Wiedersehen mit Rafal Gikiewicz, der vom Publikum mit warmem Applaus und einem kurzen Sprechchor gefeiert wurde, sondern die Aussicht, dass sein Angriff schon bald wieder etwas durchschlagskräftiger ist. Mit der Leihe von Liverpools Taiwo Awoniyi – im Vorjahr in Mainzer Diensten – hat er jedenfalls eine zusätzliche Alternative im Sturmzentrum zur Verfügung, die ihm nach dem Abgang von Sebastian Andersson und angesichts der andauernden Rekonvaleszenz von Anthony Ujah abging.

„Er ist ein robuster, schneller, auch von der Technik her gut ausgebildeter Stürmer. Und er weiß seinen Körper und die Geschwindigkeit einzusetzen“, charakterisierte Fischer seinen Neuen. Wichtiger noch für ihn: „Er steht im Saft, hat am Donnerstag das letzte Mal in England trainiert, heute das erste Mal mit uns. Daher hoffe ich, dass er uns schnellstmöglich zur Verfügung steht.“