Berlin - Mit nicht vergebenen Medaillen hatte alles begonnen. Nebulös klang der Verzicht auf die einen Tag nach dem Wettkampf stattfindende Zeremonie – rechtliche Gründe hatten zu einer Verschiebung geführt. Noch immer wurden die Medaillen an die Athleten Russlands, der USA und aus Japan für den Eiskunstlauf-Teamwettbewerb nicht überreicht. Die rechtlichen Gründe dafür sind mittlerweile bekannt: Im Körper der 15-jährigen Russin Kamila Walijewa wurde die verbotene Substanz Trimetazidin am 25. Dezember 2021 festgestellt. Das sagt zumindest die A-Probe.

Des Dopings überführt ist die Team-Olympiasiegerin aber mitnichten. Unverständlicherweise wurde dieses Ergebnis erst am 7. Februar übermittelt, ob die B-Probe ebenfalls positiv ist, weiß noch niemand. Und da Walijewa noch nicht das 16. Lebensjahr vollendet hat, gilt sie als eine zu schützende Person im Sinne des Anti-Doping-Codes. Auf Grundlage dessen hat der Internationale Sportgerichtshof Cas nun in einem Eilverfahren entschieden, dass die 15-Jährige auch im Einzel-Wettbewerb starten darf. Das IOC hatte diesen Start verhindern wollen und zeigt sich nun nach außen empört über diesen Entscheid.

Intern aber dürfte man dankbar dafür sein, dass der Schwarze Peter in diesem Fall mal wem anders zugeschoben wird, man sich keinen Diskussionen um das eigene Versagen im Kampf gegen Doping und die Zulassung russischer Athleten konfrontiert sieht. Es ist nun mal nicht damit getan, das Präsentieren der russischen Flagge und das Abspielen der Nationalhymne bei Siegerehrungen nicht zuzulassen, um das systematische Doping in den Griff zu bekommen. Schon gar nicht, wenn zum aktuellen Team des Russischen Olympischen Komitees Teamärzte zählen, die bereits wegen Dopingpraktiken gesperrt waren. Nicht das Urteil des Cas, sondern diese Zustände gilt es zu hinterfragen.