Immerhin beim nächsten Gegner hat der Pokalauftritt des 1. FC Union den wunschgemäßen Effekt erzielt. Er hat Ilia Gruev beeindruckt, und wie. „Bis zehn Minuten vor Schluss war Union auf Augenhöhe“, staunte der Trainer des MSV Duisburg, der sich das Kräftemessen zwischen Zweitligist und Bundesligist aus nächster Nähe im Stadion angesehen hat. „Und das, obwohl sie viel rotiert haben.“

Nun hat sich der gleiche Gedanke auch in den Köpfen der Berliner Spieler festgesetzt. Doch anders als bei den Duisburgern, die durchaus ein bisschen Angst haben sollen vor dem Team von Jens Keller, soll die Erinnerung an das Kräftemessen mit Bayer Leverkusen umgehend aus dem Union-Gedächtnis gelöscht werden. Damit erst gar keine trügerische Selbstzufriedenheit aufkommt. Denn mit einer hymnisch gefeierten Pokalniederlage haben die Unioner schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht.

„Das Augenmerk liegt darauf, dass wir über Leverkusen nicht mehr reden“, erklärte Union-Coach Keller die Maßgabe für die Vorbereitung auf das Spiel beim MSV Duisburg (Sonntag, 13.30 Uhr). Das überrascht, weil ja durchaus viel Positives herauszuziehen war aus dem 1:4. Aber sich auf einer Niederlage ausruhen, sei sie noch so eindrucksvoll, ist für Keller ein Ding der Unmöglichkeit. „Es ist auch eine Form der Enttäuschung. Wenn wir richtig toll gespielt hätten, wären wir weitergekommen“, sagte er.

Schlechtestes Heimteam

Gerade gegen Duisburg kommt es nun darauf an, dass niemand die Aufgabe auf die leichte Schulter nimmt. Der Aufsteiger ist bislang die schlechteste Heimmannschaft, nur zwei Punkte wurden im eigenen Stadion gewonnen. Ein vermeintlich leichtes Spiel, doch ist Überheblichkeit das schlechteste Mittel gegen ein Team, das seinen Zuschauern zu Hause endlich mal etwas bieten will, nachdem zuletzt immerhin schon mal ein Auswärtssieg gelang. Hinzukommt, dass Keller vor einem Jahr erlebt hat, wie sein Team nach dem Pokal-Aus bei Borussia Dortmund aus dem Tritt kam − gerade weil die Spieler sich auf einer Augenhöhe mit einem Bundesligisten glaubten. Genau die sechs Punkte, die dann in der Zweiten Liga gegen Düsseldorf und Kaiserslautern verschenkt wurden, fehlten in der Endabrechnung, um die Chance auf regelmäßigen Bundesligafußball zu haben.

Bei der angestrebten Zufriedenheitsbewältigung kommt Keller das zugute, was sein Gegenüber besonders imponiert hat: die Rotation. Die war dieses Mal noch umfänglicher als im Vorjahr, was wohl zur Folge hat, dass kaum einer der Pokal-Spieler in Duisburg auf dem Rasen stehen wird. Fabian Schönheim, Toni Leistner und Felix Kroos etwa waren gar nicht mitgereist, sondern zur Regeneration zu Hause geblieben, um jetzt völlig Pokal-unbelastet den fünften Sieg in Serie anzupeilen. „Er hat voll trainiert“, berichtete Keller über seinen Kapitän. „Ihm geht es körperlich wieder klar besser.“ Gegen Fürth hatte Kroos nach einer Stunde aufgeben müssen.

Verzichten muss der 46-Jährige auf Kristian Pedersen. Für den kam der Einsatz in Leverkusen nach einem Spiel Pause wegen Oberschenkelproblemen zu früh. Nun ist Keller das Risiko zu groß, dass der Linksverteidiger wie in Leverkusen die Strapazen eines Fußballspiels nicht durchsteht. „Wir konnten ihn in dieser Woche nicht testen, da ist mir das Risiko zu groß“, sagte er. „Wir wollen ihn so vorbereiten, dass er nächste Woche fit ist.“

Union wird also größtenteils zu der Formation zurückkehren, die zuletzt in der Liga erfolgreich war. In Kellers Worten klingt das so: „Die, die vier Siege eingefahren haben, haben sich auch aufgedrängt.“ Erschrecken muss Ilia Gruev diesbezüglich vor allem, dass Akaki Gogia und Marcel Hartel zuletzt die Fusion ihrer Fähigkeiten präsentierten. Getreu des Anime-Vorbilds Dragonball wurde aus ihnen unter Verschmelzung ihrer Nachnamen: Gotel. Es handelt sich um eine furchterregende Tormaschine.