Nico Rosberg hat eine durchwachsene Saison in der Formel-1-Weltmeisterschaft hinter sich. Vor dem letzten Rennen der Saison am Sonntag in Brasilien (17 Uhr/RTL) belegt der Mercedes-Fahrer den siebten Platz in der Gesamtwertung, ein Rang besser als Teamkollege Michael Schumacher.

Herr Rosberg, die Formel-1-Saison 2011 geht am Sonntag mit dem Grand Prix in Sao Paulo zu Ende. Wie bewerten Sie Ihre persönliche Bilanz? Was war gut, was war schlecht?

Für mich war es insgesamt ein gutes Jahr, schlechter als gewünscht waren die Resultate, weil wir uns insgesamt mehr erhofft hatten.

Ein gutes Jahr mit schlechten Resultaten, das müssten Sie bitte erklären.

Aus meiner Sicht war es ein gutes Jahr. Ich kann mich auch an einem guten Rennen von mir erfreuen. Da waren einige dabei. Und es ist immer noch so, dass ich einen tollen Beruf habe. Der bleibt auch schön, wenn man nur Siebter in der WM ist.

Sie werden in Brasilien Ihren 108. Großen Preis fahren, auch diesen ohne realistische Gewinnchance. Wie sehr nervt das Warten auf den ersten Sieg?

Ich denke da weniger drüber nach. Eigentlich überhaupt nicht. Ich freue mich auf die Zukunft und auf die Herausforderung, das Mercedes-Team so mitanzuführen, dass es bald mit dem ersten Sieg klappt.

Mal ganz stumpf gefragt: woran hapert es beim Kampf um diesen ersten Silberpfeil-Sieg?

Wir hatten bis jetzt noch kein siegfähiges Auto.

Dennoch haben Sie Ihren Vertrag mit Mercedes soeben verlängert. Mütter fragen an dieser Stelle gerne schon mal: Gab’s nichts Besseres?

Ist das so, Mütter fragen so was? (lacht). Ich war in einer guten Position, und ich habe mich für Mercedes entschieden, weil ich glaube, dass es das Beste ist in den nächsten Jahren.

Was macht Sie da so sicher? Es sieht nicht danach aus, als würden Red Bull oder McLaren schwächeln.

Man hat im Sommer gesehen, dass Mercedes sich mehr denn je verpflichtet fühlt, das Formel-1-Team nach vorne zu bringen. Man hat eingesehen, dass man mit der bisherigen Struktur nicht gewinnen konnte Mittlerweile haben wir uns mit erstklassigen Technikern wie Bob Bell von Renault, Aldo Costa von Ferrari und Geoff Willis von Red Bull verstärkt. Diese Leute haben schon WM-Titel gewonnen. Und wir haben Ross Brawn. Das wird eine Erfolgsgeschichte, auch wenn es noch ein bisschen dauert. Und noch eine Anmerkung zu Ihrer Mutter-Frage: Wenn ich meinen Traum sehe, mit dem Silberpfeil zum ersten Sieg über die Ziellinie zu fahren, dann gibt es nichts Besseres.

Dass man auf diesen Moment noch eine Weile warten muss, sagt Mercedes schon seit zwei Jahren. Und die Einsicht, dass man personell unbedingt nachrüsten muss, kommt auch ein Jahr zu spät.

Im Nachhinein sagt sich so was immer recht einfach. Die Hoffnung war ja, dass wir mit dem Team in seiner jetzigen Aufstellung würden gewinnen können.

Die Integration neuer Leute mit Führungsanspruch ist ein zeitraubender Prozess.

Wie lange so was dauert, kann man nicht konkretisieren. Es ist aber mit Sicherheit so, dass wir den Rückstand zu Red Bull nicht im Laufe eines Winters aufholen können. Das ist nicht machbar.

Dieser ominöse erste Silberpfeil-Sieg, wer soll ihn holen. Michael oder Sie? Oder wäre das egal?

Egal natürlich nicht. Wie kann mir das egal sein? Den möchte ich holen, auf jeden Fall.

Wie wichtig ist es Ihnen, dass Sie im Qualifying so überdeutlich schneller sind als Schumacher?

Das ist mir nicht so wichtig. Das ist eine schöne Nebensache, mehr nicht. Wichtiger ist es, im Rennen vor ihm ins Ziel zu kommen. Qualifying und Rennen sind ja zwei grundverschiedene Dinge. Im Qualifying geht es darum, das Limit ständig neu auszuloten. Das Auto wird ja immer schneller. Im Rennen geht es nicht um diese eine schnelle Runde, sondern von Anfang an auch darum, Reifen zu schonen und Sprit zu sparen. Das ist ganz was anderes.

Sie haben soeben in Köln Ihr Engagement in einem Wohltätigkeitsprojekt präsentiert. Wie kam es dazu?

Mein persönlicher Sponsor (Thomas Sabo, d. Red.) unterstützt das Projekt, das RTL-Kinderhaus in Nürnberg, schon seit Jahren. Auf seine Anfrage hin habe ich spontan meine Hilfe zugesagt und bin seitdem Projektpate. Ich habe viele Familien kennengelernt, die vom Bau dieser Kinderkrippe profitieren. Das waren sehr anrührende Schicksale.

Wenn Sie eine private Frage an dieser Stelle gestatten: Gibt es Kinder-Pläne?

Nichts Konkretes, aber es wäre schön, eines Tages.

Was ist mit der ominösen Sekunde pro Runde, die Väter im Cockpit verlieren sollen?

Da habe ich keine Angst vor.

Wagen wir einen Ausblick auf die Saison 2012. Wie müsste sie aus Ihrer Sicht laufen?

Wir erzielen Podiumsplätze am laufenden Band (lacht), aus eigener Kraft.

Das Gespräch führte Olaf Bachmann.