Jerez de la Frontera - Am Tag nach der Bekanntgabe des Nicolai-Rapp-Transfers schlenderte Innenverteidiger Marvin Friedrich nach der Vormittagseinheit im trauten Gespräch mit Trainer Urs Fischer zum Hotel. Friedrich, 23, wollte offenbar schon mal Erkundigungen einziehen, was die Ankunft des neuen Kollegen für ihn und seinen Abwehrkollegen Florian Hübner, 27, zu bedeuten habe.

Der Coach redete mit ruhigen Worten auf Friedrich ein. Möglicherweise ging das Gespräch ja auch über eine Bestandsaufnahme für die kommenden sechs Monate hinaus. Denn im Sommer droht eine vertraglich vereinbarte Rückholaktion des FC Augsburg. Redebedarf war also bereits vorhanden, ehe Rapp nach beschwerlicher Reise endlich im Trainingslager der Eisernen eintraf. Von Belek, wo er mit seinem bisherigen Arbeitgeber Erzgebirge Aue geübt hatte, ging es via Brüssel und Zürich nach Sevilla. Am Ende des Tages hatte der 22 Jahre alte Abwehrmann 4 836 Kilometer hinter sich gebracht.

Nonverbale Kampfansage

Immerhin erschien der neue Innenverteidiger mit einer nonverbalen Kampfansage in Monte Castillo. Als er um 13.36 Uhr im Mannschaftshotel von Akaki Gogia in der Lobby freundlich begrüßt wurde − die beiden kennen sich seit der Hochzeit vom ehemaligen Dresdner Profi Marcel Franke (heute Darmstadt) − prangte auf der Rückseite seiner roten Trainingsjacke in großen weißen Lettern das Wort „Warrior“ − Krieger.

Das bisherige Abwehrduo geht wohl mit einem Bonus in die zweite Saisonhälfte, führte es doch nach der Herbstrunde unangefochten die angesehene Rangliste des Kicker-Sportmagazins an: Friedrich auf zwei, Hübner auf eins. Der letzte Unioner, der sich derart herausragend präsentiert hatte, war Toni Leistner in der Hinrunde 2016/17.

„Ich gehe mal davon aus, dass wir weiter das Vertrauen bekommen werden“, erklärte Hübner zuversichtlich. Der 27-Jährige freut sich aus mehreren Gründen über den Zuwachs in der Mannschaft. „Wenn die Qualität im Training hoch ist, hilft mir das, noch mehr aus mir rauszuholen. Das hilft auch der ganzen Mannschaft“, sagte Hübner. Zudem sei es bei den Zielen des Klubs gut, immer noch mehr Qualität im Team zu haben. „Es kann ganz schnell mal was passieren“, sagte er, „eine Gelbsperre oder eine Verletzung.“

Der 1,91 m große Abwehrhüne hat sich für die „Restspielzeit“ noch einiges vorgenommen: Ein Tor und zwei Torbeteiligungen sind ihm zu wenig. „Defensiv kann man uns nicht viel vorwerfen. Aber nach vorne geht mit Sicherheit noch mehr. Gerade bei Standards. Die können als Waffe in der Zweiten Liga sehr wichtig sein“, so Hübner. Rapp hat sich in dieser Kategorie bislang nicht hervorgetan: ein Tor und zwei Vorlagen in 60 Zweitligaspielen.