Niederlage gegen Hannover 96: Hertha setzt seinen Abwärtstrend fort

Berlin - Als sich Fans und Vorstand vor ein paar Tagen zum Gespräch trafen, Hertha im Dialog, heißt diese regelmäßige Veranstaltung, da gab es allerhand sinnvolle und einige sinnfreie Vorschläge. Verständlich etwa der Einwand einer Herthanerin, die es beim Heimspiel gegen den Hamburger SV für nahezu unzumutbar hielt, aus einem Becher mit einem bestimmten Spielerkonterfei trinken zu müssen. Ihre Frage: Kann man den Lasogga nicht endlich mal entfernen?

Weniger verständlich dafür die Forderung eines Herthaners, schon im Voraus ein Bayerntrikotverbot in der Ostkurve auszusprechen. Begründung: Andere Vereine machen das auch mit ihren Gästefans. Anmerkung: Muss man Intoleranz mit Intoleranz bekämpfen? Der Vorstand will beide Anregungen prüfen lassen.

Am interessantesten, vor allem im Hinblick auf das Heimspiel von Hertha BSC gegen Hannover 96, war aber der Fanvorschlag, der Verein möge bitte einen Zweikampftrainer einstellen und diesen vier Stunden auf die Mannschaft loslassen – und zwar täglich! Antwort von Sportvorstand Michael Preetz, sinngemäß: Nein danke, für die Zweikampfschule in Berlin sind Jos Luhukay und seine Assistenten verantwortlich. Nun, nach dem Freitagabendspiel, das Hertha 0:2 (0:1) verlor, muss man bilanzieren: In den Zweikämpfen zeigte sich die Mannschaft kaum verbessert, und einen plötzlichen Ideenschub in der Offensive gab es auch nicht zu sehen.

Wie eine schüchterne Auswärtsmannschaft

Die erste Hälfte der ersten Halbzeit verbrachten die Berliner wieder damit, wenig falsch zu machen. Sie übertrugen Hannover die Verantwortung für das Spielgeschehen, pressten erst auf Höhe des Mittelkreises, sie versuchten erst gar nicht, aus der Abwehr heraus gezielte Pässe zu spielen – sie schlugen die Bälle eher so mal auf Verdacht nach vorn. Wie eine schüchterne Auswärtsmannschaft wartete Hertha nur auf Ballverluste, auf Konter, und das gegen einen Verein wie Hannover, der seit Jahren Punkte gerne außer Haus liefert und in dieser Saison erst ein Tor in fremden Stadien erzielt hatte. Dass dieses eine Tor mit einem Sieg in Dortmund belohnt worden war, wird allgemein als Zufall betrachtet.

Zwei Chancen hatte sich Hertha trotzdem, ähm, erspielt. Erst schoss Valentin Stocker eine Kopfballvorlage in Rückenlage ans Außennetz. Dann chippte Genki Haraguchi hübsch in den Lauf von Salomon Kalou, der aber nur mit einer besseren Ballannahme in eine bessere Position gekommen wäre, so aber den Ball nicht richtig treffen konnte. Danach wieder das alte Spiel: Hannover mit mehr Ballbesitz, mehr gewonnenen Zweikämpfen, doppelt so viel angekommenen Pässen und mit ein paar Kombinationen mehr als Hertha. Es war aber ein Eckball, den Jimmy Briand zum 0:1 über die Linie drückte.

Berliner Problemzone

Eine Minute vor der Halbzeit war das, und Marvin Plattenhardt senkte anschließend zu Recht den Kopf gen Rasen. Der Linksverteidiger war einfach zu spät gekommen und zeigte damit eine andere Berliner Problemzone auf: Es war nämlich bereits das achte Gegentor nach einer Standardsituation in dieser Saison – am Freitagabend war das der Ligarekord. Es folgte der (leise) Schiedsrichterpfiff und dann einige (laute) von den Rängen. Die zweite Halbzeit begannen die Fans dann immerhin mit: „Wir wollen euch kämpfen sehen!“ Wenig später folgte: „Kämpfen und siegen!“ Beides wurde nicht erfüllt.

Nach einer Stunde, Hannover hatte gerade ein Abseitstor erzielt, wechselte Luhukay seinen an diesem Abend spielerisch verhinderten Spielmacher Stocker aus und Ronny ein. Das war zuletzt immer das Zeichen, das etwas besser werden soll, wurde es aber nicht. Eher schlimmer, und am schlimmsten für Plattenhardt, der einen Ball an der Mittellinie verlor. Einen Pass und einen Haken später stand es 0:2 (75.) durch Hiroshi Kiyotake und Plattenhardt bohrte seinen Blick noch tiefer in den Boden als zuvor. Beim Fantalk mit dem Vorstand hatte sich ein Fan übrigens nach diesem neuen Linksverteidiger erkundigt, der nie spielt. Wohl deswegen.