Berlin - Die schnelle Titel-Euphorie um Erling Haaland und Marco Reus scheint gleich wieder gedämpft. Die Topstars von Borussia Dortmund sind erst mal ernüchtert. Der maue Auftritt und die 1:2-Niederlage beim SC Freiburg erinnerten an die Defizite, die der BVB mit dem neuen Trainer Marco Rose eigentlich abschütteln wollte. Zu oft verspielten die Dortmunder in den vergangenen Jahren gegen vermeintliche Außenseiter die Meisterschaftschancen. Eilig stapfte der diesmal harmlose Haaland nach dem Schlusspfiff im Freiburger Dreisamstadion in die Kabine. Für Manuel Akanji war der überraschende Rückschlag Anlass zur eindringlichen Warnung.

„Wir machen dumme Fehler, zweimal“, schimpfte der Abwehrspieler bei Sky: „Wir können den Gegner nicht zum Toreschießen einladen. Das darf nicht passieren, schon gar nicht, wenn wir den Anspruch Champions League haben.“ Und die Ambitionen, ein ernsthafter Konkurrent für den FC Bayern um die Meisterschaft zu sein. Vier Tage nach der Schlappe im Supercup gegen die Münchner zeigte sich der BVB ohne Stammspieler wie Mats Hummels und Emre Can in der Startelf jedoch erneut nicht in der Gala-Form vom 5:2-Auftaktsieg gegen Eintracht Frankfurt.

Erling Haaland enttäuscht wie schon gegen die Bayern

„Wir haben vorne nicht den Zugriff bekommen. Wir haben uns zu selten durchgespielt, weil wir uns zu wenig bewegt haben“, kritisierte Reus. Der eingewechselte Julian Brandt klagte in der ARD: „Momentan schlagen wir uns nur selbst.“ Auch Haaland, zum Saisonauftakt sofort wieder als norwegische Naturgewalt gefeiert, enttäuschte. Anders als im DFB-Pokal und am ersten Bundesliga-Spieltag trat der 21-Jährige gegen die leidenschaftlich rackernden Freiburger nicht als der herausragende Anführer auf. Dortmunds Lizenzspieler-Chef Sebastian Kehl hatte vor dem Anpfiff zur rasanten Entwicklung Haalands gesagt: „So viel Hunger, so viel Ehrgeiz, da sind auf jeden Fall noch ein paar Schritte möglich, auch in dieser Saison.“

Doch an diesem sommerlichen Fußballnachmittag im Breisgau gelang auch dem umworbenen Topangreifer Haaland – wie schon gegen die Bayern im Supercup – kein Tor. Seine Abschlüsse blieben harmlos. Für den 1:2-Anschlusstreffer sorgte allein ein Eigentor vom Freiburger Yannik Keitel (59.). Schöne Tore, wie sie von Dortmund zu erwarten gewesen wären, schossen die Gastgeber, die als Club nicht mehr so klein sind, wie sie sich gern darstellen.

Der herrliche, direkt verwandelte Freistoß von Vincenzo Grifo setzte den BVB früh unter Druck (6. Minute). Fein spielten Wooyeong Jeong, Lucas Höler und Torschütze Roland Sallai einen Konter aus (53.) – etwa so, wie man es vorher eher von Reus oder Haaland erwartet hätte. Mit Effizienz und geschicktem Verteidigen entzauberten die Badener den BVB zum zweiten Mal nacheinander. Erst im Februar war eine Serie von 19 sieglosen Partien des SC gegen Dortmund zu Ende gegangen.

Dortmund schon mit sieben Gegentoren in drei Spielen

„Das war zwar ein super Freistoß, aber den hätten wir verhindern können“, meckerte Akanji: „Und das zweite Gegentor ist ein Konter nach Ballverlust. Das darf uns nicht passieren. Es kann ja mal sein, dass jemand besser ist als wir. Aber so dürfen wir die Spiele nicht verlieren.“ Es half den Dortmundern nichts, dass mit 70 Prozent Ballbesitz, 19:8-Torschüssen und 10:0-Ecken die Statistiken für sie sprachen und Freiburgs Trainer Christian Streich einräumte, Glück gebraucht zu haben. In den drei Pflicht-Duellen mit Erstligisten in der Saison hat sich der Pokalsieger schon sieben Gegentore geleistet.

„Es ändert sich nichts an unserem Anspruch. Wir haben heute ein Spiel verloren. Unser Anspruch ist, dass wir das nächste Spiel gewinnen“, stellte Trainer Rose klar, dem damit auch kein besserer Saisonstart gelungen ist als seinem Vorgänger Edin Terzic.

Immerhin wertete es der Coach als Schritt in die richtige Richtung, dass die Rückkehrer Hummels, Can und Brandt erste Spielpraxis sammelten. Raphael Guerreiro musste nach nur einem Teamtraining Ende der ersten Hälfte für den angeschlagenen Nico Schulz ran. Schon am Freitag gegen die TSG 1899 Hoffenheim dürfte Rose von Beginn an auf den einen oder anderen zuletzt schmerzlich vermissten Profi setzen. Und er wird darauf hoffen, dass Haaland wieder in Gala-Form spielt.