Niederlage in Wolfsburg: Union verliert 0:1 durch Weghorst-Treffer

Wolfsburg - Ein unabdingbarer Faktor bei dem Versuch, als Bundesligaaufsteiger nach einer paar empfindlichen Niederlagen eine Trendwende herbeizuführen, ist ein Torwart in herausragender Form. Ein Schlussmann, der frühe Gegentore verhindert, da so ein frühes Gegentor bei einem Bundesligaaufsteiger doch schnell mal arge Zweifel an der eigenen Konkurrenzfähigkeit hervorruft.

Diesen Sonntagnachmittag hatte der 1. FC Union in Gestalt von Rafal Gikiewicz so einen formstarken Könner zwischen den Pfosten. In der siebten Spielminute war der Pole beispielsweise mit einer famosen Fußabwehr zur Stelle, als Wolfsburgs Wout Weghorst plötzlich frei vor ihm auftauchte und ihn mit einem gar nicht so unplatzierten Torschuss herausforderte. Und tatsächlich legten die Eisernen im Anschluss an diese Großtat einen guten Auftritt hin, waren auf Augenhöhe, erspielten sich Torchancen, doch am Ende reichte es für die Elf von Urs Fischer beim Gastspiel am Mittellandkanal erneut nicht zu einem Punktgewinn, geschweige denn zu einem Sieg.

Ja, das 0:1 ist für Union die vierte Niederlage in Serie, lässt die Eisernen in der Tabelle auf Platz 16 stürzen. Und doch ist nach dieser ansprechenden Leistung der Begriff „Krise“ nicht angebracht. „Die Mannschaft hat es toll gemacht, aber am Schluss fehlt das Resultat. Unnötig. Und du musst halt auch mal einen reinhauen. Da fehlt die letzte Konsequenz“, sagte Fischer.

Neven Subotic fehlen nur Zentimeter

Der Schweizer hatte seine Mannschaft in der taktischen Anordnung eines 3-4-3-Systems aufs Feld geschickt. Wobei Christopher Lenz und Christopher Trimmel offensichtlich den Auftrag erhalten hatten, in der Rückwärtsbewegung möglichst schnell die Dreierkette Schlotterbeck-Subotic-Friedrich in eine Fünferkette zu verwandeln. Das sah zunächst alles ein wenig konfus und ein wenig nach Orientierungslauf aus, siehe die bereits erwähnte Chance von Weghorst, siehe weitere Möglichkeiten für den VfL-Stürmer in der 19. und 22. Minute, doch allmählich stabilisierte sich das Spiel der Unioner.

Und nicht nur das: Trotz einer eher unterdurchschnittlichen Passquote (53 Prozent) erarbeiteten sich die Köpenicker ein Gleichgewicht und durch gelungene Aktionen auch ein viel besseres Gefühl. Robert Andrich passte perfekt in den Lauf von Sheraldo Becker, der allerdings aus spitzem Winkel viel zu überhastet abschloss (15.). Marius Bülter setzte sich im Wolfsburger Strafraum gekonnt in Szene, offenbarte dann aber seine Eindimensionalität in Sachen Torschuss. Und bei einer Ecke in der 35. Minute fehlten Neven Subotic nur Zentimeter, um das 1:0 für sein Team zu erzielen.

Es gab für die mitgereisten Union-Fans also allerlei gute Gründe, um auf ein glückliches Ende hoffen zu dürfen. Auch der Videoreferee in Köln  schien es ja gut mit dem Aufsteiger zu meinen. Denn nachdem Marvin Friedrich im Ringkampf mit Weghorst in Spielminute 54 einen unerlaubten Klammergriff zum Einsatz gebracht und Hauptschiedsrichter Bastian Dankert bereits auf Strafstoß entschieden hatte, meldete sich der Videoreferee mit dem Einwand, dass der Ball Weghorst zuvor an den Ellbogen gegangen war.

Klasse von der Bank

Was an diesem Nachmittag den Unterschied zwischen dem Werksklub und dem Selfmadeklub aus dem Osten der Hauptstadt ausmachte? Tja, wohl letztlich die Klasse, die im zweiten Spielabschnitt da wie dort von der Bank ins Spiel kam. Was nicht als böses Urteil gegen die Einwechselspieler des 1. FC Union, also Marcus Ingvartsen (72. für Becker) und Anthony Ujah (77. für Christian Gentner), betrachtet werden darf.

Nein, mit Brekalo hatte Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner aber einen Offensivmann in der Hinterhand, der mit seinen Tempoläufen das Unberechenbare verkörpert. Der kroatische Nationalspieler steckte in der 69. Minute nach einem kurzen Dribbling gekonnt zu Weghorst durch, der im Rücken der Union-Abwehr dieses Mal Gikiewicz keine Chance zur Abwehr ließ. Die Entscheidung war das, weil Andrich in der Schlussminute mit seinem wuchtigen Schuss das Wolfsburger Tor knapp verpasste.