Die Entscheidung war dem besten Mann des Abends überlassen. Fünf Sekunden waren am vergangenen Mittwochabend in Spiel vier der Finalserie der Basketball Bundesliga noch zu spielen, mit 70:68 führte Alba Berlin gegen den FC Bayern München, als Niels Giffey an die Freiwurflinie herantrat. Zwei Freiwürfe später stand es 72:68 und der Sieg war Alba nicht mehr zu nehmen. Mit den letzten beiden seiner insgesamt 20 Punkte hatte Giffey den Einzug in ein alles entscheidendes Spiel fünf gesichert. Dort wird am Sonnabend (20:30 Uhr, Sport1) der neue Deutsche Meister gekrönt.

Mit Blick auf die Leistung von Niels Giffey waren die beiden finalen Freiwürfe nur das berühmte Tüpfelchen auf dem i. Der Forward avancierte in dieser Partie zu Berlins mit Abstand Bestem. Albas Kapitän übernahm Verantwortung, wenn Verantwortung übernommen werden musste und behielt in den entscheidenden Phasen die Nerven. Ganz nebenbei stellte Giffey auch noch unter Beweis, warum er bei Alba eine Identifikationsfigur ist und wie er diese Rolle ausfüllt.

Hand im Gesicht

Zu beobachten war das in diesem Spiel gleich mehrmals. Im zweiten Viertel etwa, als bei Alba offensiv wenig zusammenlief, übernahm Giffey das Berliner Spiel schlichtweg. Neun Punkte erzielte er in nicht einmal zweieinhalb Minuten und hielt seine Farben vor der Halbzeit im Spiel. Genauso im Schlussabschnitt, in dem Giffey die letzten acht seiner insgesamt 20 Punkt erzielte.

Wann immer Alba mit drei oder vier Punkten im Hintertreffen lag und das Spiel zu entgleiten drohte, war der Forward da. Entweder traf er von der Freiwurflinie, per Korbleger oder auf der Dreierlinie stehend mit einer Münchener Hand im Gesicht. Und während er all dies tat, tat er einiges auch nicht. Weder kritisierte Giffey lauthals seine Mitspieler, noch ließ er sich von der enormen Emotionalität des Spiels anstecken.

Zwar habe er in den letzten Jahren gelernt, „auch mal meine Klappe aufzumachen“, sagt der Kapitän. Dennoch: „Ich muss aber keine großen Reden schwingen oder so.“ Stattdessen artikuliert er sich wohlüberlegt. Lieber versucht er seine Leistungen für sich sprechen zu lassen. Am Mittwoch gelang es eindrucksvoll.

Beeindruckend war Giffeys Bilanz in der Offensive auch, weil sie nicht die Regel ist. Seine 20 Punkten waren mehr, als er in den ersten drei Finalpartien insgesamt erzielt hatte. Vier waren es beim Auftaktsieg, anschließend sechs und sieben in den folgenden zwei Spielen. Giffeys ausbaufähige Punkteausbeute mit einer unzureichend erbrachten Leistung gleichzusetzen, wäre jedoch falsch. „Er hat immer Impulse gesetzt“, sagt etwa Albas Geschäftsführer Marco Baldi: „Durch Rebounds, durch gute Verteidigungsaktionen und durch getroffenen Würfe zu wichtigen Zeitpunkten.“ Giffey trägt die Dinge bei, die sich nicht zwangsläufig aus der Statistik ablesen lassen.

Der Manager schwärmt

Dass er im vierten Finalduell neben den unsichtbaren auch die sichtbaren Dinge tat und seine Mannschaft so in das Entscheidungsspiel geführt hatte, freute Baldi fast mehr als Giffey selbst. Während dieser erklärte, einfach das gemacht zu haben, was seine Mannschaft von ihm brauchte, geriet Baldi gar ein wenig ins Schwärmen: „Niels war oft in Situationen, in denen er einen großen Beitrag geleistet hat, das aber nicht sichtbar war. Heute wurde es sichtbar. Dass wir dort stehen, wo wir stehen, hat viel mit ihm zu tun.“

Ohnehin ist Giffey einer, dessen Wert für Alba Berlin weit über das Sportliche hinausgeht. Der 27-Jährrige hat das Jugendprogramm des Klubs durchlaufen und ist nach vier überaus erfolgreichen Jahren am College bei Alba zum Profi geworden. Für die Fans macht ihn das ohne Zweifel zu einer der, im Basketball mitunter seltenen, Identifikationsfiguren. Giffey wiederum identifiziert sich mit Klub und Stadt. „Als Berliner ist mir das alles viel wert“, sagt er: „Es ist mir wichtig, dass die Dinge bei uns in die Richtung laufen, die ich für richtig halte.“

In welche Richtung die Dinge im definitiv letzten Finalspiel dieser Saison laufen sollen, hat Niels Giffey dabei ebenfalls genau im Sinn. Noch mutiger müsse seine Mannschaft spielen und noch mehr an sich glauben, findet der Kapitän. Im Grunde müssen sich Albas-Akteure also nur an ihrem Kapitän orientieren. Wie das mit dem Glauben und dem Mut geht, hat der schließlich am Mittwoch bereits eindrucksvoll vorgemacht.