Will bei Hertha Verantwortung übernehmen, aber darf Niklas Stark das?
Foto: Ottmar Winter

BerlinWären Hertha-Fans zugelassen gewesen, sie hätten sich bestimmt die Augen gerieben. Zum Abschluss der Vormittagseinheit bildete ein Sextett unter Anleitung von Athletiktrainer Günter Kern die Laufgruppe eins, die zwar den gleichen Umfang wie alle anderen abspulten, dafür aber mit höherer Intensität. Unter die gewohnt laufstarken Spieler wie Vladimir Darida, Peter Pekarik und Santiago Ascacibar mischten sich auch Arne Maier, Kris Piatek und Niklas Stark. Der einmalige Nationalspieler hat sich viel vorgenommen für die kommende Spielzeit, arbeitete bereits im Sommer im Urlaub intensiv an seiner Fitness. Doch obwohl er in sein sechstes Jahr als Herthaner geht, ist es für Stark ein Aufbruch ins Ungewisse.

Das liegt vor allem an der vergangenen Saison. „Wir hatten vier Jahre einen Trainer. Dann in einem Jahr vier Trainer“, fasst Stark die turbulente blau-weiße Saison zusammen. Der Tiefpunkt für ihn war die Degradierung unter dem ehemaligen Trainer Jürgen Klinsmann, just nachdem er nach teils kuriosen Verletzungen im November endlich sein DFB-Debüt gefeiert hatte. Sogar ein Winter-Wechsel stand im Raum.

Starks Problem unter Labbadia

Dass sich noch diesen Sommer die Wege trennen, auch das schließt der Franke nicht komplett aus. „Wenn ein Angebot kommen sollte, kann ich darüber nachdenken“, sagt Stark.

Starks Problem ist halt unter Trainer Bruno Labbadia, der kurz vor Ostern übernahm, noch immer das gleiche: Die direkten Konkurrenten in der Innenverteidigung, Dedryck Boyata, 29, und Jordan Torunarigha, 23, haben weiter die Nase vorn. „Ich kann nicht sagen, warum er so ein Jahr hinter sich hatte. Aber die anderen beiden haben es genutzt“, erklärte Labbadia erst zu Wochenbeginn. Dafür lobt Herthas Cheftrainer Starks Vielseitigkeit: „Niklas’ Vorteil ist, dass er auf zwei Positionen spielen kann.“ Was für Trainer ein Segen ist, ist für Spieler häufig ein Fluch. Stark sieht es anders. Ihm gefällt auch die Position im defensiven Mittelfeld. Und sowieso: „Ich will einfach nur spielen.“

Für die Saison, die mit der ersten Pokalrunde in Braunschweig in drei Wochen beginnt, traut der 25-Jährige Hertha einiges zu. Nicht nur, weil sich durch die Corona-Pandemie und den Einstieg von Investor Lars Windhorst so etwas wie die ultimative Chance bietet. „Das wäre auch ohne die Krise so. Der Investor glaubt an uns. Er kann Spieler holen, die eine hohe Qualität haben. Das motiviert uns, nächste Saison anzugreifen“, sagt Stark.

Um das wahr werden zu lassen, sucht Labbadia nach zahlreichen Abgängen etablierter Spieler eine neue Hierarchie in der Mannschaft und eine neue Achse auf dem Feld. „Es ist meine Art, Führungsspieler zu sein“, sagt Stark. Für die Bewerbung als neuer blau-weißer Kapitän will er aber lieber Taten denn Worte sprechen lassen.