Dortmund - Er hatte da eine leise Vorahnung. „Das war schon mehr als ein Augenzwinkern“, sagte Niklas Stark vor fünf Tagen nach dem 3:1-Erfolg in der Bundesliga mit Hertha BSC gegen Fortuna Düsseldorf. Die starken Signale, die er von Bundestrainer Joachim Löw erhalten hatte, haben sich im Laufe des gestrigen Tages bestätigt: Niklas Stark wird im Test gegen Argentinien in Dortmund zu seinem Debüt für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft kommen.

„Seine Stunde schlägt auf jeden Fall“, kündigte Löw auf der Pressekonferenz an. „Das hatte sich schon länger angekündigt, weil Niklas stabile und sehr solide Leistungen in Berlin auf der Position gezeigt hat.“ Der 24 Jahre alte Innenverteidiger imponiere mit seiner selbstbewussten Art und Weise und werde auch deshalb von Beginn an spielen. Damit wird Stark gegen Argentinien der 102. Debütant unter Löw sein. Und das ist nach langer Wartezeit durchaus verdient.

Seit März war Stark dreimal vom Bundestrainer zu Lehrgängen eingeladen worden, saß allerdings in allen sechs Länderspielen nur auf der Bank. So lange hatte in der Löw-Ära seit 2006 noch kein Neuling auf seine Chance warten müssen. Das lange Warten macht sich nun aber bezahlt.

Freilich profitiert Herthas Abwehrchef auch von den vielen Ausfällen in der DFB-Abwehr. Doch sein Premieren-Einsatz ist kein Geschenks Löws, sondern eine Anerkennung für die starken Leistungen im Verein. Stark, immerhin U17-Europameister von 2014 und U21-Europameister von 2017, nahm in den letzten Monaten eine positive Entwicklung.

2015 wechselte der gebürtige Bayer, seinerzeit ein schlankes Bürchschen, vom 1. FC Nürnberg an die Spree. Mittlerweile ist er zu einer festen Größe bei den Blau-Weißen avanciert und machte 103 Bundesligaspiele für eben diese. Stark ist kein Lautsprecher, aber ein durchaus kommunikativer Teamspieler.

Hertha-Trainer Ante Covic machte ihn zum Vizekapitän

Sein Wort hat auch in der Kabine Gewicht. Auch deshalb ernannte ihn sein Vereinstrainer, Ante Covic, vor der Saison zum Vizekapitän. Dass Stark auch Mut zur klärenden Auseinandersetzung hat, zeigt folgendes Beispiel: Ende Januar gab der 1,90 Meter große (mittlerweile) Modellathlet dem Berliner Kurier ein Interview, indem er über seinen großen Traum, das DFB-Team, sprach. Daraus entstand die Zeile: „Die Nationalmannschaft ist mein Ziel!“ Das gefiel dem durchaus zielsicheren Profi allerdings nicht. Die Überschrift sei zu forsch, zu fordernd. Stark wollte sich lieber mit Taten, statt Worten aufdrängen. Das hat er nun getan.