Hamburg/Bremen - Flutlicht, immerhin 21.000 Fans im Stadion und jede Menge Brisanz auf dem Rasen – das Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV elektrisiert nicht nur die Zweite Liga. Im ersten Duell der beiden abgestürzten Traditionsklubs seit dreieinhalb Jahren gilt für beide Klubs mehr denn je: Verlieren verboten.

„Das wird ein sehr emotionales Spiel. Für die Mannschaft, den Verein, das gesamte Umfeld. So ein Derby hat etwas sehr Elementares. Der Fußball lebt davon. Ich freue mich darauf, da solche Spiele immer einen besonderen Kitzel haben“, sagte Werder-Trainer Markus Anfang vor der Partie am Samstagabend (20.30 Uhr, Sky und Sport1). Und sein Gegenüber Tim Walter meinte: „Dass die Stimmung etwas heißer wird, ist normal und auch schön. Da freuen wir uns drauf.“

Der größere Druck liegt beim Hamburger SV

Der größere Druck liegt sicher beim HSV. Wobei sich dort nach drei knapp verpassten Aufstiegen eigentlich niemand mehr traut, die Rückkehr in die Erste Liga als Ziel auszurufen. Dabei liegt der Gehaltsetat der Profi-Mannschaft bei 22 Millionen Euro und damit noch über dem des SV Werder.

Während sich Werder nach dem Abstieg und einem turbulenten Start aber zuletzt gefangen hat, stolpern die Hamburger bisher etwas durch ihre mittlerweile schon vierte Zweitliga-Saison. Die Walter-Elf liegt mit neun Punkten aus sechs Spielen nur auf Rang neun, zudem ging bereits das Stadtduell beim FC St. Pauli verloren. Noch eine Derby-Niederlage und die Stimmung beim Anhang dürfte ziemlich angespannt werden. „Wir wissen um die Brisanz und die Bedeutung des Spiels für die Fans. Wir sind gespannt und würden am liebsten direkt loslegen“, sagte Walter. „Für fast alle Jungs in unserem Kader geht es darum, eigene Erfahrungen zu sammeln. Es hilft, das Ganze selbst zu erleben, um sich persönlich zu entwickeln. Wir werden niemanden nach Erfahrungen von früher fragen.“

Bremer Polizei in Alarmbereitschaft

Und während Anfang und Walter ihre Teams auf das Spiel des Jahres einschwören, herrscht bei der Polizei Alarmbereitschaft. Die Behörden in Bremen rechnen mit der Anreise von Hamburger Problemfans, mehrere Hundertschaften werden das Hochrisikospiel absichern. Die Mehrkosten für den Polizeieinsatz wird die Stadt erneut der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und damit Werder in Rechnung stellen. „Ein entsprechender Gebührenbescheid in sechsstelliger Höhe wird verschickt werden“, sagte Rose Gerdts-Schiffler, die Sprecherin der Bremer Innenbehörde.

Bremen gegen den HSV klingt eigentlich nach der ganz großen Bühne: Mehr Tradition geht eigentlich nicht, das Duell steckt voller Geschichten und Emotionen, ein Hauch Glanz in den Niederungen der Zweiten Liga. „Wir leben davon, dass wir solche Spiele haben, und ich freue mich, das jetzt mitzuerleben“, sagte Anfang.

Einsätze von Toprak und Weiser ungewiss

Werder Bremen bangt noch um den Einsatz von Kapitän Ömer Toprak (32) und Angreifer Mitchell Weiser (27).  „Wir haben uns natürlich alle gewünscht, dass es in der Bundesliga stattfindet. Ich fiebere dem entgegen, aber es gibt am Ende nur die normale Punktzahl.“

Der HSV sei eine Mannschaft, die sehr intensiv spielt. „Sie haben viele Positionswechsel mit fußballerischen Lösungen und sind in Teilen schon über ein paar Jahre eine gestandene Zweitligamannschaft, die den Aufstieg vor Augen hat“, analysierte Anfang.

Die zwei Siege zuletzt mit sechs erzielten Toren gegen die beiden Aufsteiger Rostock und Ingolstadt geben Werder allerdings einiges an Selbstvertrauen, es seien wohltuende Erfolgserlebnisse gewesen, sagte der Bremer Coach. „Das wollen wir mitnehmen.“ Dennoch werde das Derby gegen den HSV „eine große Herausforderung“.