Berlin Die Skandinavier sind berühmt für ihre spannenden Krimis. Nun steht die Corona-Posse in Norwegens Fußballverband NFF diesen spannenden Geschichten in nichts nach. Und nach Herthas Ersatz-Torhüter Rune Jarstein ist mittlerweile auch Union-Verteidiger Julian Ryerson mittendrin im Chaos. Der Verteidiger der Eisernen, bisher 13-mal für Norwegens U21-Nationalmannschaft aktiv, wurde erstmals von seinem Heimatland in den Not-Kader der A-Nationalmannschaft für das Nations-League-Spiel am Mittwoch in Wien gegen Österreich berufen.

Zeitgleich folgte auf die Verwirrung um einen Corona-Fall und ein Reiseverbot der norwegischen Nationalmannschaft am Montag das nächste Kapitel des Corona-Krimis, das für mächtig Irritationen bei den Clubmannschaften der Spieler sorgte: Sollten sich die mittlerweile zu ihren Arbeitgebern zurückgekehrten Nationalspieler nicht an die angeordnete Isolation halten, droht der in Oslo zuständige Amtsarzt Tore W. Steen im „Dagbladet“ mit einer Geld- oder sogar Gefängnisstrafe von bis zu zwei Jahren.

Die Posse erreicht höchste Kreise

NFF-Chefin Lise Klaveness gestand zwar, dass ein Nichteinhalten für die Spieler kaum Folgen haben dürfte, da die Zuständigkeiten der norwegischen Behörden und der Geltungsbereich des norwegischen Regelwerks aufhörten, wenn die Spieler das Land verlassen würden. Gleichzeitig aber bekräftigte sie, die Spieler hätten vor ihrer Abreise versichert, „dass sie sich an die Regeln halten. Und wir haben die Wichtigkeit, dass sie dies tun, noch einmal unterstrichen.“

Die Posse erreicht mittlerweile höchste Kreise. Norwegens Regierungschefin Erna Solberg stellte klar, mit Fußballern „nicht weniger streng“ umgehen zu wollen: „Es ist unsere ganz grundsätzliche Strategie, Menschen in Quarantäne zu schicken, wenn sie in der Nähe eines Infizierten waren. Viele andere Länder um uns herum tun dies nicht, und das ist einer der Gründe dafür, dass die Zahl der Fälle bei uns kleiner ist.“

Dagegen verweist Hertha BSC auf Nachfrage der Berliner Zeitung auf die in Berlin geltenden Corona-Regeln. So müsse Rune Jarstein nach den Vorkommnissen in Norwegen zwei negative Covid-Tests vorweisen, um wieder ins blau-weiße Mannschaftstraining einzusteigen. Ähnlich sieht es Herthas kommender Gegner Borussia Dortmund. Der BVB bangt vor dem Sonnabendspiel um den Einsatz von Stürmer Erling Haaland. Herthas Jarstein wurde bereits am Montagmorgen getestet. Sollte der 36-Jährige gegen den BVB nicht zur Verfügung stehen, stünde Nils Körber (24) als Ersatz parat. „Es ist spannend und hat uns bereits das gesamte Wochenende auf Trab gehalten“, gestand Herthas Cheftrainer Bruno Labbadia und erklärte: „Die Situation ist speziell, sodass wir derzeit noch keine rechtsverbindliche Aussage treffen können.“

Sicher ist derzeit nur, dass weder Haaland, Jarstein noch Leipzigs Alexander Sörloth zum Aufgebot der Norweger für das Spiel in Österreich gehören, bei dem es für die Skandinavier noch um den Gruppensieg und damit um eine verbesserte Ausgangslage für die Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Katar 2022 geht.

Ryerson ist schon nach Norwegen gereist

Unions Julian Ryerson, der bisher viermal in sieben Spielen für die Köpenicker zum Einsatz kam, ist dagegen mittlerweile in seine Heimat gereist. „Wir wollten Julian diese Chance gerne ermöglichen“, teilte Union mit und ergänzte: „Wir hätten es lieber gesehen, wenn Julian direkt nach Wien statt zunächst nach Oslo geflogen wäre.“ Der Plan der Norweger sieht anders aus: Alle neu berufenen Spieler sollen am Flughafen in einem Hotel getestet und isoliert werden, bevor es am Dienstag mit einem Charterflug nach Wien geht. Dort trifft Ryerson auf Union-Kapitän Christopher Trimmel. Vorausgesetzt, der Corona-Krimi liefert keine weitere Wendung.