Mainz - Im gewohnten Trainings-Outfit kehrte Pal Dardai an den Ort zurück, an dem für ihn alles begann. 1337 Tage nach seiner Beförderung zum Cheftrainer von Hertha BSC gastierte der Ungar in weißen Turnschuhen, Jogginghose und Kapuzenpullover also wieder mit Hertha BSC beim FSV Mainz 05. Dort, wo seine Karriere als Bundesliga-Trainer an einem kalten Februar-Tag im Jahr 2015 startete und wo er mit seinen Blau-Weißen seinerzeit einen 2:0-Erfolg holte. Diesmal sollte Dardai aber nicht jubeln. Nach einem schwachen Fußballspiel kam er mit Hertha nicht über ein 0:0-Unentschieden hinaus.

Im Vergleich zum sensationellen 2:0-Erfolg gegen die Bayern veränderte Dardai sein Team auf gleich zwei Positionen. Für Maximilian Mittelstädt verteidigte Marvin Plattenhardt, der nach der Ausladung von der Nationalmannschaft durch Bundestrainer Jogi Löw auf der linken Seite ein fehlerloses, aber zugleich unauffälliges Spiel machte. Stammkeeper Rune Jarstein meldete sich nach auskurierter Oberschenkelprellung wieder fit und nahm den Platz zwischen den Pfosten anstelle von seinem Vertreter Thomas Kraft ein.

Vom Anpfiff weg kämpfte Hertha gegen einen kuriosen Liga-Fluch: von den letzten elf Mannschaften, die im Oberhaus den Rekordmeister bezwingen konnten, gewann nur ein einziges Team sein darauffolgendes Spiel.

„Die Kunst ist nicht, nach zehn Jahren einmal Bayern zu schlagen. Die Kunst ist jetzt, dort nach Mainz hinzugehen und mit drei Punkten nach Hause zu kommen“, sagte Dardai noch zwei Tage zuvor auf der obligatorischen Pressekonferenz.

Und Manager Michael Preetz pflichtete seinem Coach bei: „Bayern war ein Festtag, am Samstag ist Alltag. Und die Punkte, die am Ende den Unterschied ausmachen, holst du im Alltag.“

Was die Verantwortlichen des mit 13 Punkten aus sechs Spielen erfolgreich gestarteten Erstligisten damit zum Ausdruck bringen wollte: Bayern war die Kür, ein freilich nicht eingeplanter Bonuserfolg. Ein Dreier gegen Mainz allerdings ist fast schon Pflicht.

„Wir spielen auf Sieg“, meinte Dardai. Doch davon war in der mit 22.405 Zuschauern dürftig gefüllten Arena in Rheinhessen wenig zu sehen. Im Vergleich zum 2:0 gegen Bayern, als Hertha offensiv ein regelrechtes Feuerwerk abbrannte, igelten sich die Blau-Weißen ein, agierten ungewohnt zaghaft. 

Die bessere Chance im ersten Durchgang hatte sogar Mainz: Jean-Philippe Gbamin, für den die Nullfünfer im Sommer noch ein 40-Millionen-Angebot aus England abgelehnt hatten, tauchte völlig frei vor dem Hertha-Gehäuse auf. Den Schuss des agilen Offensivspielers ins rechte Eck fischte Jarstein allerdings mit einem starken Fußreflex.

Wo war die Hertha, die saisonübergreifend in den letzten zwölf Bundesliga-Spielen immer traf? Eine Serie, die den Blau-Weißen zuletzt übrigens vor 40 Jahren in der Saison 1978/79 gelang.

Torschrei erstickt

Vedad Ibisevic, der eigentlich so verlässliche Torjäger in Diensten von Hertha, wollte diesen Lauf unbedingt halten. In der 26. Minute schraubte er seinen athletischen Körper deshalb nach toller Flanke von Valentino Lazaro in die Höhe und köpfte den Ball allerdings an den rechten Pfosten.

Den 1500 mitgereisten Hertha-Fans, die den Gästeblock vor Abpfiff in ein blau-weißes Fahnenmeer verwandelten, blieb der Torschrei im Halse stecken. Dardai, etwa 40 Meter von dieser Aktion entfernt, sprang auf, schlug die Hände vors Gesicht - zum Verzweifeln!

Im zweiten Durchgang liefen die Berliner dann ohne Niklas Stark auf. Der Verteidiger verletzte sich gegen Ende des ersten Durchgangs nach einem Zusammenprall am rechten Fuß. Wenige Sekunden vor der Pause musste Stark, stark humpelnd, sogar noch einen Sprint anziehen, um den Ball auf links aus der Gefahrenzone zu klären. Für ihn ging es danach nicht mehr weiter. Fabian Lustenberger kam.

Dardai energischer als das Team

Nach dem Seitenwechsel blieb die Partie durchwachsen. Mainz hatte wesentlich mehr Spielanteile und Torschüsse. Gefährlich wurde es aber kaum. Der für Ibisevic eingewechselte Davie Selke hatte in der 64. Minute nach einer Plattenhardt-Flanke nochmal eine durchaus gute Kopfballgelegenheit. Dardai, der am Spielfeldrand über 90 Minuten teils engagierter zu Werke ging als seine Schützlinge, immer wieder mit den Armen fuchtelten, ruderte, dirigierte, zog sich verzweifelt die Kapuze ins Gesicht.

Mit 0:0 trennt sich Hertha von Mainz. Der Bayern-Fluch trifft auch die Blau-Weißen.