Nein, sauer sei der Apfel nicht, verriet Sebastian Polter. Der Apfel war in diesem Fall das 0:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern, und das Ergebnis versüßte dem Angreifer des 1. FC Union den Sonntagnachmittag, obwohl er ohne Torchance geblieben war – für einen Stürmer eigentlich eine Tatsache, die sauer aufstößt. Doch das torlose Remis war ganz nach seinem Geschmack, da es Unions Lernfähigkeit bewies und eine hoffnungsvolle Perspektive für die Zukunft aufzeigt. „Wenn man die Null halten kann, steht man in der Tabelle weiter oben“, sagte Polter.

Das zu null zu halten, das war Union in dieser Spielzeit zuvor lediglich zwei Mal gelungen – jeweils gegen Karlsruhe –, während der Gast aus der Pfalz schon zum zehnten Mal ohne Gegentreffer blieb. Das ist auch ein Grund, weshalb Kaiserslautern gute Aufstiegschancen hat, die Eisernen aber zehn Spieltage vor dem Saisonende bereits die nächste Spielzeit im Blick haben. Dass Union bis dahin die Abwehrfehler abstellt hat oberste Priorität.

Coach Norbert Düwel hatte angekündigt, dass er „irgendwas“ verändern wolle. Und ja, dass diese Veränderung die Defensive betreffen würde, war erwartbar. Hatte vor diesem Spieltag doch lediglich Abstiegskandidat St. Pauli mehr Tore kassiert. Dass aber Daniel Haas, der mit seinen Paraden gegen Leipzig eine höhere Niederlage verhindert hatte, seinen Platz für Mohamed Amsif würde räumen müssen, überraschte. „Das war eine Reaktion auf die Gesamtsituation“, erklärte Düwel. „Es gibt Positionen, deren Aufgabe ist es, Tore zu verhindern.“ Also mussten Keeper Haas und Innenverteidiger Toni Leistner auf die Bank.

Nichts für Feinschmecker

Die Wechsel zeigten Wirkung, weil sich die elf Fußballer ausnahmsweise keine Schnitzer erlaubten und weil diejenigen, deren primäre Aufgabe es ist, Tore zu erzielen, fleißig mitverteidigten. Die meisten Zweikämpfe gewann Polter, Spielmacher Björn Jopek folgte teamintern auf Rang drei. „Wir wollten Kaiserslautern nicht ins Spiel kommen lassen“, sagte der ebenfalls zweikampfstarke Michael Parensen. Wenn für die eine Mannschaft die Gegentorlosigkeit das oberste Gebot ist, und sich die andere Mannschaft das Mindestziel gesteckt hat, im Aufstiegsrennen einen Punkt aus Berlin mitzunehmen, folgt daraus zwangsläufig eine Partie, die für Offensivfeinschmecker nur wenige Appetithappen bereithält. Union überließ dem Drittplatzierten den Ball und das Terrain bis zur Mittellinie. In der eigenen Hälfte stellten die Berliner alle Anspielstationen zu und zwangen die Lauterer zu langen Pässen. Amsif durfte eine ruhige erste Halbzeit verleben, obwohl seine Mitspieler nur selten für Entlastung sorgten. Zwei Mal ermöglichte Polter Björn Jopek eine Halbchance, der Ballbesitz von Union lag bei einem Drittel.

Neuer Einsatz für Amsif

Amsif ließ sich unterdessen von Beginn an viel Zeit bei den Abschlägen, als ginge es darum, einen Sieg über die Zeit zu retten. Und genau das war dieses 0:0. „Wir haben in dieser Trainingswoche den Fokus auf die Defensive gelegt“, sagte Düwel. Erst in der Schlussviertelstunde musste Amsif, seine Fangfähigkeiten unter Beweis stellen. „Natürlich ist es unser Ziel“, sprach Düwel weiter, „dass wir die Spiele gewinnen. Aber der Gegner hat eine unglaubliche Qualität. Den können wir im Moment noch nicht einfach überrennen“.

Was noch nicht ist, soll in ein paar Monaten werden, wenn die Langzeitverletzten wieder zur Verfügung stehen und ein paar Zugänge den Kader im Sommer verstärken. Gegen Kaiserslautern fehlte nicht nur der Wille, sondern auch der Spielwitz, um den von Düwel erhofften „Lucky Punch“ zu setzen.

Angesichts der Ereignisarmut, hatten die Union-Fans nach einer halben Stunde begonnen, Markus Karl auszupfeifen. Der hatte sich zu seiner Zeit bei Union gut mit den Ultras verstanden, den Verein aber Anfang 2013 in der Winterpause in Richtung Kaiserslautern verlassen. Dort erhoffte er sich bessere Aufstiegschancen. Nun könnte es tatsächlich so weit sein. „Das war die beste Mannschaft, gegen die wir zuletzt gespielt haben“, lobte Düwel den Gegner. Umso mehr hatten ihm aber auch die eigenen Spieler gefallen, das Unentschieden schmeckte. Zufriedenes Abklatschen. Endlich zu null. Deshalb werde Amsif auch gegen Darmstadt im Tor stehen, kündigte der Trainer an. Fehlen wird allerdings Kapitän Damir Kreilach nach seiner fünften Gelben Karte.