Es war ein anstrengender Abend für die deutsche Nationalmannschaft, ein Abend, an dem sie von der ungarischen Nationalmannschaft wiederholt in Bedrängnis und in allerlei Verlegenheiten gebracht wurde. Und letztlich müsste sich die Elf von Bundestrainer Hansi Flick am Sonnabendabend in Budapest mit einem 1:1 (1:1) begnügen.

Mit einem Remis, das für das Fortkommen in der Gruppe 3 der Nations-League-Liga A doch eher als Rückschlag gewertet werden muss. Das im Gegensatz zu dem 1:1 gegen England vom vergangenen Dienstag nicht beglückte, sondern eher bedrückte. Ja, viermal in Serie hat eine Auswahl des DFB noch nie Unentschieden gespielt. Wie ernüchternd und enttäuschend. Hat die Nationalmannschaft unter Flick gar das Siegen verlernt?

Die im Jahr 2019 eröffnete Puskas Arena ist auf den ersten Blick eine wunderbare Arena, ein Schmuckkästchen, wie Lothar Matthäus, der deutsche Rekordnationalspieler und ehemalige Trainer der ungarischen Nationalmannschaft, zu sagen pflegt. Sie ist aber auch ein Ort, an dem sich schon wiederholt Skandalöses ereignet hat. Dunkelhäutige Spieler wurden hier beschimpft, rechtsradikales Gedankengut zur Schau gestellt und so fort.

Am Sonnabend allerdings ging das alles weitgehend gesittet zu. 64.200 Zuschauer schwiegen, als die deutsche Nationalhymne erklang. Und das ist ja schon mal was. 64.200 Zuschauer sangen mit, als die ungarische ertönte. Woraus sich bei einer Gesamtzuschauerzahl von 65.000 ableiten lässt, dass 800 Fans der deutschen Auswahl zugegen waren.

Die Stimmung im weiten Rund war also nicht feindselig, aber für die Akteure offenbar so anregend, dass beide Teams von Beginn mit offenem Visier zu Werke gingen. Da gab es kein Abtasten, kein Querquer, sondern sogleich allerlei Steilpässe. Ja, für einen neutralen Beobachter war das erst mal richtig gut anzusehen, während es für die Trainer der beiden Mannschaften wohl doch etwas zu wild hin und her ging.

Neuer lässt den Ball nach vorne prallen

In der sechsten Minute beispielsweise brachte Ungarns Abwehrchef Willi Orban gleich mal mit einem langen Ball die deutsche Abwehrreihe ins Schwanken, Attila Fiola durfte flanken, Roland Sallai köpfen. Und da Nationalkeeper Manuel Neuer Sallais Kopfball nur nach vorne abwehren konnte, ergab sich für Zsolt Nagy die Chance zum Nachschuss. Und diesen Nachschuss jagte Nagy zum 1:0 für den Gastgeber unter die Querlatte.

Die deutsche Auswahl, bei der Niklas Süle (für Antonio Rüdiger), Leon Goretzka (für Ilkay Gündogan) und Timo Werner (für Thomas Müller) von Beginn an ran durften, hatte aber sogleich eine Antwort parat. In einem vergleichbaren Muster zum 0:1 schlug Innenverteidiger Nico Schlotterbeck in der 9. Minute den Ball lang hinter die Abwehrreihe der Ungarn, was Jonas Hofmann sogleich als eine Art Marschbefehl deutete. Der Mönchengladbacher ging in den Vollsprint über, kam vor Ungarns Keeper Peter Gulasci, der überstürzt seinen Strafraum verlassen hatte, an den Ball und spazierte schließlich zum Ausgleich.

Raum und Schlotterbeck wackeln

Auch in der Folge war das alles sehr kurzweilig, aber nicht unbedingt das, was sich Flick erhofft hatte. Irgendwie hatte man trotz der Dominanz seiner Mannschaft nämlich immer das Gefühl, dass da gleich etwas passieren könnte. Weil David Raum und Nico Schlotterbeck auf der linken Seite doch den einen oder anderen Zweikampf verloren, weil sich Joshua Kimmich und Leon Goretzka im zentralen Mittelfeld zu selten aus dem Druck der Gegenspieler lösen konnten.

Es gab zwar die eine oder andere Gelegenheit, um zum 2:1 zu kommen, die beste Gelegenheit zur Führung hatten bis zur Pause allerdings die Ungarn. In Gestalt des aufgedrehten Fiola, dem Neuer in der 44. Minute mit einer lehrbuchmäßigen Fußabwehr allerdings den Torjubel verwehrte.

In der zweiten Hälfte war die deutsche Mannschaft um eine bessere Struktur in ihrem Spiel bemüht. Etwas ruhiger sollte es in Ballbesitz zugehen, ohne zu statisch zu werden. Doch letztendlich sah das alles so unfertig aus wie in Hälfte eins. Zu statisch war das, was sie im Aufbauspiel zu Wege brachte. Zu berechenbar war das, was sie in der Offensive versuchte.

Manch einer trug einfach nicht genug Spannung in sich, um sich in Bestform präsentieren zu können. Siehe Joshua Kimmich, siehe Kai Havertz, wobei der in der 72. Minute einen ganz feinen Pass auf Hofmann spielte. Doch Hofmann war frei vor Gulacsi zu uneigennützig, wollte, was ein Fehler war, mit einem Querpass dem Kollegen Werner das 2:1 schenken. Doch ein Ungar spritzte dazwischen.

Neuer rettet das Remis

Auf der Gegenseite kam nur drei Minuten später Martin Adam frei zum Kopfball, der Torschützenkönig der ungarischen Liga, sein Kopfstoß aus gerade mal sechs Metern war allerdings nur ein Kopfstößchen. Neuer pflückte das Ding mühelos weg.

In der Schlussphase geriet der Weltklassetorhüter gar unter Dauerbeschuss. Durch Daniel Gazdag (81.), dessen Schuss Neuer über die Querlatte lenken konnte. Aber auch durch Adam, der aber zu nervös war, um in der 83. Minute den Siegtreffer für sein Team zu erzielen.