Wieviel Druck verträgt eine Fußball-Mannschaft? Mit welchen Worten richtet man sich als Präsident eines Klubs an die Fans, an die Mitarbeiter und vor allen Dingen an die kickende Belegschaft, wenn der Traum vom Aufstieg in die Bundesliga greifbar nahe ist?

Dirk Zingler, Oberhaupt der Union-Familie, hatte sich im Vorwort des Stadionheftes zur Heimpartie gegen den SSV Jahn Regensburg jedenfalls für die offensive Variante entschieden. Die „Tür nach oben“ sei tatsächlich offen, war da zu lesen. Und weiter: „Nicht sperrangelweit, um im Bild zu bleiben, aber einen Spalt. Nun liegt es an uns, alles zu versuchen, um durch diese Tür hindurchzugehen und erstmals in die Bundesliga aufzusteigen.“

Und so viel lässt sich nach diesem Freitagabend, nach diesem 2:2 der Eisernen gegen die formstarken Oberpfälzer sagen: Diese Mannschaft des 1. FC Union scheint mit Druck nur bedingt umgehen zu können. Ja, sie ist offensichtlich etwas gehemmt, wenn es gilt, im rechten Moment mit Entschlossenheit die Aufregung aus dem Feld zu schlagen. So wurde für den Moment schon mal das Ziel verfehlt, zumindest bis Montagabend, wenn der 1. FC Köln, der Tabellenerste, zum Spitzenspiel den Tabellenzweiten Hamburger SV empfängt, Tabellenplatz zwei zu übernehmen.

Abwarten ist kein Option

An der Aufstellung von Urs Fischer war abzulesen, dass ein Abwarten dieses Mal keine Option für die Eisernen darstellte. Nach vorne sollte es gehen, mit Sebastian Andersson als Stoßstürmer, mit Marcel Hartel und Suleiman Abduallahi, die anstelle von Akaki Gogia und Joshua Mees ins Team gerückt waren und vom Schweizer Fußballlehrer offensichtlich sehr viele Freiheiten mit auf den Weg bekommen hatten. Dahinter agierten Grischa Prömel und Felix Kroos im offensiven Mittelfeld, während Manuel Schmiedebach die Einzel-Sechs gab.

Und der Schwung, den die Unioner aus dieser taktisch furchtlosen Ausrichtung gleich zu Beginn entfachten, führte doch tatsächlich auch gleich zum Ziel. Nämlich in der 12. Minute, als Ken Reichel nach einer geschwinden Seitenverlagerung eine flache Flanke auf Andersson schlug, der mit seinem langgestreckten Bein die Führung erzielte.

Durch einen Handelfmeter geschockt

Doch dann trat im Gegenzug Harm Osmers in Erscheinung. Der Schiedsrichter aus Hannover, der nach einem Schuss von Sargis Adamyan und Florian Hübners Abwehrversuch auf den Punkt zeigte. Ein Handspiel wollte Osmers entdeckt haben, wobei sich in der Nachbetrachtung einmal mehr die gern mal strittige Frage nach der Absicht stellte. Adamyan blieb von den wütenden Protesten der Unioner unberührt, verwandelte in der 16. Minute sicher zum Ausgleich.

Plötzlich war alles anders. Die Regensburger bestimmten das Geschehen, während die Unioner sich allzu viele Fehler leisteten, um das Selbstvertrauen wiederzugewinnen. Mehrmals musste Rafael Gikiewicz den Retter geben, bei Benedikt Sallers wuchtigem Linksschuß in der 43. Minute, vor allen Dingen aber in der 57. Minute, als er im Eins-gegen-Eins gegen Hamadi Al Ghaddioui mit einem Reflex den Ball zur Ecke abwehrte. Aber nur eine Minute später tauchte ebendieser Al Ghaddioui erneut vor ihm auf.

Zum Personalwechsel gezwungen

Der gebürtige Marokkaner mit deutschem Pass hatte Marvin Friedrich mit einer kurzen Drehung überspielt, schoss diesmal mit seinem linken Fuß. Nicht allzu platziert, aber mit so viel Wucht, dass der Ball durch die Beine von Gikiewicz den Weg ins Tor fand.

Fischer sah sich in Anbetracht der Überforderung seiner Schützlinge zum Personalwechsel gezwungen, brachte Robert Zulj für Schmiedebach und Mees für Hartel. Mit viel Wut, aber ohne einem konkreten Plan rannten die Köpenicker nun an, um zumindest ein Remis zu retten. Doch irgendwie verloren sich all ihr Bemühen zunächst zwischen den Regensburger Abwehrbeinen. Und wenn mal Zulj oder auch Prömel die Option Distanzschuss wählten, war Jahn-Keeper André Weis zur Stelle.

Mees hat die Chance zum 3:2

Was da gern mal aus der Not hilft? Klar, eine Standardsituation und ein Joker mit den Qualitäten eines Sebastian Polter. Für Kroos war der Stürmer gekommen, wuchtete sich elf Minuten nach seiner Einwechslung in einen Eckstoß von Christopher Trimmel und traf zum Ausgleich (83.). Polter jubelte nicht, wollte keine Spielzeit verschwenden, möglichst schnell die nächste Angriffswelle mittragen, die Entscheidung herbeiführen. Die Chance zum Sieg vergab allerdings Mees, der mit seinem Kopfball in der 90. Minute an Weis scheiterte.

"Natürlich sind wir nicht ganz zufrieden", sagte Union-Kapitän Trimmel, "wir wollten mal wieder ein Heimspiel gewinnen. Aber irgendwie stimmt momentan die Abstimmung zwischen Abwehr und Angriff nicht so ganz."