Im Dezember 2019 traf Karim Rekik im Hinspiel bei Bayer Leverkusen zum 1:0-Siegtreffer. Ob Hertha diesmal wieder überrascht, wird sich am Sonnabend zeigen. 
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BerlinAls Herthas Präsident Werner Gegenbauer bei der Mitgliederversammlung im November feststellte, dass „genug Geld in der Kasse ist, aber zu wenig Punkte auf dem Konto sind“, konnte wirklich noch keiner ahnen, wie diese verkorkste Saison enden würde. Zwei Wochen später war Ante Covic beurlaubt, es kam Trainer Jürgen Klinsmann, der dann auf peinliche Weise den Klub im Februar wieder verließ. Es folgte sein ziemlich erfolgloser Assistent Alexander Nouri auf dem Posten und dann Corona. In der Zwangspause der Bundesliga reagierte Manager Michael Preetz und holte Bruno Labbadia in der Doppelfunktion als Retter und als Cheftrainer für die Zukunft.

Herthas Millionen-Investor Lars Windhorst, der bereits 224 Millionen Euro in den Klub pumpte und bereit ist, nochmal 150 Millionen locker zu machen, prägte den Begriff „Big-City-Club“ und will damit ausdrücken, wo er in Zukunft den Hauptstadtverein sehen will – in der Champions League. Die blau-weiße Gegenwart sieht anders aus. Herthas Rolle in den letzten beiden Spielen ist: Königsmacher, statt selbst ein König in der Champions League zu sein.

Der Spielplan ist eine sehnsüchtige Erinnerung daran, wo die Blau-Weißen in den nächsten Jahren hin wollen. Morgen ein Heimspiel gegen Leverkusen, nächsten Sonnabend dann zum Saisonabschluss die Auswärtspartie gegen Gladbach. Ausgerechnet die beiden Klubs, die den Königsklassen-Platz vier unter sich ausmachen. Hertha entscheidet darüber, wer von beiden nächste Saison gegen die großen Klubs Europas spielen wird.

„Prinzipiell wäre ich gerne in der Situation der beiden Mannschaften“, sagt Trainer Bruno Labbadia. Der Coach ist danach schnell wieder beim grauen Hier und Jetzt. „Die Konstellation ist so, aber das ist für uns nicht wichtig. Wichtig ist für uns, dass wir die beiden Spiele gut gestalten. Alles andere ist für die anderen Teams wichtig.“

Nach zehn Punkten in vier Spielen, die den sicheren Klassenerhalt bedeuteten, folgten jetzt drei Niederlagen. Labbadia wehrt sich aber gegen den Eindruck, die Spieler ließen es jetzt lockerer angehen: „So eine Einschätzung finde ich schon etwas despektierlich. Das Spiel in Freiburg (1:2) war ein Fight auf hohem Niveau. Ich habe nichts von Luft raus gesehen. Die Spieler geben weiterhin Vollgas.“

Seine bisher sieben Partien mit Hertha beurteilt Labbadia so: „Ich sehe eine Entwicklung. Die Mannschaft tritt wieder viel geschlossener auf, auch spielerisch sind wir besser geworden.“ Die Tendenz soll sich fortsetzen, auch mit dem niederländischen U21-Nationalspieler Deyovaisio Zeefuik, der nach Berlin kommen möchte - laut Kicker entweder in diesem Sommer oder ablösefrei 2021. Die Verhandlungen über die Ablöse für den 22 Jahre alten Rechtsverteidiger vom FC Groningen stocken jedoch. Die Visionen von Über-Über-Über-morgen brauchen noch etwas Zeit.