Berlin - Wenn die Mannschaft von Hertha BSC am Sonnabend gegen den VfL Wolfsburg auf den Rasen des Olympiastadions läuft, gibt es ein Ritual: aufstehen, Schals in die Luft und die Hymne „Nur nach Hause geh’n wir nicht“ singen. Das geht nun schon seit 25 Jahren so und wird den Fans in der Ostkurve nie langweilig. Als sie die Hymne zum ersten Mal sangen, natürlich mit gemeinsam mit Frank Zander, waren viele noch vorsichtig und überhaupt nicht textsicher.

Rauswerferlied für Kneipen

Am 31. März 1993, im Halbfinale des DFB-Pokals gegen den Chemnitzer FC, feuerten 56 514 Zuschauer die Hertha-Amateure an, die sogenannten Bubis. Die führten nach 45 Minuten durch Tore von Carsten Ramelow und Sven Meyer und einem Gegentreffer durch Steffen Heidrich mit 2:1 – das blieb auch das Endergebnis.

In der Pause trat der Berliner Entertainer Frank Zander ans Mikrofon und sang zum ersten Mal live im Stadion seine Version von „Nur nach Hause geh’n wir nicht“. Zander war vom Verein gebeten worden, für das Pokalspiel, das damals die Stadt elektrisierte, etwas Stimmungsvolles zu komponieren. Über Nacht schuf er zusammen mit Hanno Bruhn einen neuen Text zum Song, den der Kultsänger ursprünglich als Rauswerferlied für Kneipen gedacht hatte.

Gänsehaut pur

„Das war ein Wagnis“, erinnert sich der 76-jährige Zander, „das hätte auch in die Hose gehen können. Aber die Fans spürten, dass der Song von Herzen kam. Als ich die ersten Takte gesungen hatte, hielten die Fans in der Ostkurve alle ihre Schals nach oben und machten beim Refrain mit. Das war Gänsehaut pur – und ich hatte gewonnen.“

Sven Meyer, Libero der Bubis, erinnert sich: „Wir waren ja in der Kabine, hörten beim Hinauslaufen nur noch den Rest des Liedes und die tolle Stimmung unter den Fans. Wir waren aber zu aufgeregt, um alles mitzukriegen.“ Jörg Thomas, damals der Amateurchef, später Vizepräsident, sagt: „Ich bekomme immer noch Gänsehaut bei dieser Hymne. Ich assoziiere sie immer mit unseren großartigen Pokalauftritten vor 25 Jahren. Sie wird uns Herthaner ein Leben lang begleiten.“

Eine der beliebtesten Hymnen der Liga

Später entwickelte sich der Song („Sailing“), den der in Schottland geborene Gavin Sutherland 1972 komponierte und der 1975 unter Rod Stewart zum Welthit aufstieg, tatsächlich zur offiziellen Vereinshymne. Zander sagt: „Lieder kann man viele schreiben, aber Hymnen entstehen nur, wenn die Massen mitmachen.“ Längst zählt „Nur nach Hause…“ zu den beliebtesten Hymnen der Liga. In Umfragen liegt sie immer unter den Top drei, meist zusammen mit „Hamburg, meine Perle“ (HSV/Lotto King Karl) und „Mer stonn zo dir FC Kölle“ (1. FC Köln/Die Höhner).

Übrigens, Frank Zander nichts an den Aufführungsrechten bekommen, da der Musikverlag Universal Music Publishing zwar die von Zander neu komponierte Strophe und den neuen Text von ihm und Hanno Bruhn genehmigt, aber eine finanzielle Beteiligung nicht zugelassen hatte. Sämtliche Gelder gehen direkt zum Original-Verlag und zum Originalautor Gavin Sutherland.

Zander sagt: „Das ist schade, aber die lange Zuneigung der Hertha-Fans ist mir wichtiger. Ich staune immer, dass diese Hymne bei mir und den Anhängern auch nach 25 Jahren noch Gänsehaut erzeugt. Schön, dass die Hymne auch an neue Generationen weitergetragen wird.“

Hier der Text zur Hertha-Hymne:

„Freunde, was gibt es Schöneres als hier im Stadion
unserer Herthamannschaft die Däumchen zu drücken,
und sie von den Rängen zu unterstützen auf dem Weg nach oben.

Nur nach Hause, nur nach Hause, nur nach Hause, geh´n wir nicht.
Nur nach Hause, nur nach Hause, nur nach Hause, geh´n wir nicht.

Alle warten voller Spannung auf das absolute Spiel,
denn die Jungens von der Hertha haben alle nur ein Ziel.
Heute wollen sie gewinnen für das blau-weiße Trikot
sowieso und sowieso.

Nur nach Hause, nur nach Hause, nur nach Hause, geh´n wir nicht.
Nur nach Hause, nur nach Hause, nur nach Hause, geh´n wir nicht.

All die Fans brüll´n sich den Hals raus und der Stürmer der stürmt vor.
Alle jubeln, wenn der Ball rollt, voll hinein ins Gegnertor
und am Abend dann am Tresen, werden wir zum Libero
sowieso und sowieso.

Nur nach Hause, nur nach Hause, nur nach Hause, geh´n wir nicht.
Nur nach Hause, nur nach Hause, nur nach Hause, geh´n wir nicht.
Nur nach Hause, nur nach Hause, nur nach Hause, geh´n wir nicht.
Nur nach Hause, nur nach Hause, nur nach Hause, geh´n wir nicht.

Denn nur nach Hause geh´n wir nicht.“