In Norwegen sagt man „Ha det": Per Skjelbred verlässt Hertha BSC.
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BerlinPer Skjelbred bleibt sich bis zu seinem letzten Tag bei Hertha BSC treu. „Er versucht, mit allen Mitteln fit zu werden, damit er im letzten Spiel dabei sein kann“, berichtete Cheftrainer Bruno Labbadia, „das zeigt seinen Charakter.“ Den 33-jährigen Norweger, seit sieben Jahren unermüdlicher Kämpfer im Mittelfeld, zieht es zum Ende seiner Karriere zurück zu seinem Jugendverein Rosenborg Trondheim. Weil er sich vergangene Woche im Spiel gegen Frankfurt eine Wadenverletzung zuzog, fällt er für das vorletzte Spiel der Saison am Sonnabend gegen Leverkusen (15.30 Uhr) definitiv aus. 

„Das ist sehr schade“, erklärte Manager Michael Preetz. Eine gebührende Verabschiedung sei zwar in Corona-Zeiten und leerer Ostkurve ohnehin nicht möglich, aber als ehemaliger Spieler könne er sich gut in Skjelbreds Lage hineinversetzen: „Gerade nach so einer langen Zeit ist das genau das, was man sich nicht wünscht.“

Zumindest gegen Leverkusen wird Labbadia also ohne Skjelbred auskommen müssen, was die Lage angesichts von weiteren acht verletzten Spielern für den Trainer nicht einfacher macht. Der Blondschopf war für die Berliner in seiner letzten Saison vielleicht wichtiger als in all den Jahren zuvor. Skjelbred stabilisierte Hertha. Nicht erst unter Labbadia. Bereits Jürgen Klinsmann vertraute auf dessen kompromisslose Zweikampfstärke, nachdem das defensive Mittelfeld zu Beginn der Saison unter Trainer Ante Covic mit Marko Grujic, 24, und Vladimír Darida, 29, allzu durchlässig war.

In Zukunft wird Labbadia sowieso neue Lösungen finden müssen. Neben Skjelbred wird auch Liverpool-Leihgabe Grujic den Klub verlassen – zumindest vorerst. Dass der Serbe, der unter Labbadia endlich wieder sein Potenzial abruft und die Dominanz des ersten Jahres ausstrahlt, auch ein drittes Mal ausgeliehen wird, gilt als nicht ausgeschlossen. Mit Lucas Tousart hat Hertha schon einen neuen Mittelfeldspieler im Winter verpflichtet. Der 23-jährige Franzose wurde zwar direkt wieder an Olympique Lyon verliehen, stößt aber nun ab 1. Juli zu Hertha.

Preetz freut sich auf neue Derbys

Hoffnung, bereits am Sonnabend gegen die spielstarken Leverkusener ein schlagkräftiges defensives Mittelfeldduo aufs Feld zu schicken, machen Labbadia die jüngsten Auftritte von Arne Maier. Zuletzt stand der 21-jährige Ludwigsfelder zweimal in der Startelf. „Bei ihm hat sich in der zweiten Halbzeit in Freiburg ein Knoten gelöst“, erklärte Labbadia. Maier konnte auch in seinem dritten Profi-Jahr nicht das zeigen, was eigentlich in ihm steckt. Was wiederum manche Kritiker auf seine Einstellung zurückführten. „Seitdem ich hier bin, hat er kaum ein Training verpasst und arbeitet sehr professionell“, erklärte Labbadia. Mit zunehmender Matchpraxis und entsprechender Fitness werde Maier seine spielerischen Fähigkeiten schon bald zeigen können.

Vehement wehrt sich Labbadia gegen die These, die Luft sei für Hertha zum Saisonendspurt raus. „Wenn man unser Spiel in Freiburg gesehen hat, finde ich das fast despektierlich“, sagte er. Tatsächlich zeigte sein Team beim unglücklichen 1:2 in Freiburg wieder die Tugenden, die Hertha seit seinem Amtsantritt ausmachen. Mit großer Kompaktheit, schnellem Umschaltspiel und hoher Intensität will Labbadia auch Leverkusen das Leben schwermachen. „Die Mannschaft geht an ihre Grenzen. Wir werden bis zum letzten Spieltag alles geben.“

Gelingt es Hertha nicht gegen Leverkusen oder in Mönchengladbach zu punkten, droht der derzeit im Tableau nur wegen des Torverhältnisses schlechter platzierte 1. FC Union wieder vorbeizuziehen. In die Diskussion, ob die Abschlusstabelle oder der direkte Vergleich aus Hin- und Rückspiel (0:1, 4:0 zugunsten Herthas) für die Stadtmeisterschaft entscheidend sei, wollte Preetz nicht einsteigen. „Mit Blick auf das Derby vor einigen Wochen und vor dem Hintergrund, dass sich Union ein weiteres Jahr die Bundesligazugehörigkeit gesichert hat“, sagte der Manager, „freuen wir uns alle, wenn es nächste Saison wieder zu zwei friedlichen Derbys in vollen Stadien kommt.“

Ein Rahmen, den sich auch Labbadia für Skjelbreds Verabschiedung wünscht. „Per ist ein toller Mensch, ein fanatischer Mannschaftsspieler“, sagte er, „manchmal merkt man das erst, wenn man ihn trainieren darf.“