Peking - Bundeskanzler Olaf Scholz läutete den Endspurt der deutschen Mannschaft bei den Paralympischen Winterspielen ein. In einer mitternächtlichen Videoschaltung sendete der SPD-Politiker warme Worte nach Peking, das Quintett des deutschen Teams um Goldmedaillengewinnerin Anna-Lena Forster lauschte seinen Worten – und könnte vielleicht eine gewisse Extraportion Motivation für die Jagd nach den letzten Medaillen erhalten haben.

„Wir feiern hier eigentlich jeden Tag eine Medaillenparty, Herr Bundeskanzler“, sagte Para-Snowboarder Matthias Keller. Im lockeren Plausch mit Scholz sprachen die Athletinnen und Athleten über sportliche Themen, den bislang sehr feinfühligen Umgang der Delegation mit dem Team der Ukraine, aber auch über die Eindrücke vor Ort. Und über die immer schwieriger werdenden Bedingungen, die eine Topplatzierung an den verbleibenden Wettkampftagen zu einer Herkulesaufgabe machen.

Einsatz von kiloweise Salz zur Präparierung

Am Donnerstag zeigte das Thermometer in Yanqing 18 Grad an. Die Sonne verwandelte den chinesischen Kunstschnee in eine matschige Masse. Der Riesenslalom der Männer war um eineinhalb Stunden vorverlegt worden, um den warmen Temperaturen zu entkommen. Nur durch den Einsatz von kiloweise Salz blieb die Piste hart. Gut für die Umwelt ist diese Art der Präparierung sicher nicht.

„Das sind fast Frühlingsverhältnisse“, sagte Skifahrer Leander Kress nach seinem 22. Platz. Am Morgen sei der Schnee noch relativ hart gewesen, „im zweiten Lauf war es weicher, darauf habe ich mich eingestellt“, sagte der 21-Jährige.

Auch in Zhangjiakou beschäftigt das Tauwetter die Athletinnen und Athleten. „Es ist einfach sehr langsam. Vom Schatten in die Sonne macht man einfach eine Vollbremsung“, klagte Biathlon-Bronzemedaillengewinnerin Anja Wicker. Marco Maier, der im Langlauf-Sprint trotz seiner mächtigen Statur zur Silbermedaille gelaufen war, sei im tiefen Schnee eingesunken, sagte er.

Vorgezogene Wettkämpfe für Anna-Lena Forster

Der plötzliche Frühlingseinbruch wirbelt das Programm der Schlusstage durcheinander. Die Wettkämpfe in Forsters Paradedisziplin Slalom werden auf Sonnabend vorgezogen. Der Riesenslalom der Frauen findet am Freitag statt. Die Monoskifahrerin ist in beiden Rennen die klare Favoritin – und könnte nach ihrem Triumph in der Super-Kombination für weitere deutsche Goldmedaillen sorgen.

Auch die überraschend auftrumpfenden Nordischen haben große Medaillenchancen. Die erst 15 Jahre alte Linn Kazmaier und die 18-jährige Leonie Walter sowie die Routiniers Martin Fleig und Anja Wicker gehen am Freitag im Biathlon und an den letzten beiden Tagen im Skilanglauf nach ihren Podestplatzierungen mit Rückenwind in die Loipe.

Nach 49 von 78 Entscheidungen liegt das im Umbruch befindliche Team D mit zwei Gold-, sieben Silber- und vier Bronzemedaillen im Soll. Das gute Ergebnis von Pyeongchang, als Deutschland insgesamt 19 Mal in die Medaillenränge kam, könnte geknackt werden. Allerdings nur, wenn bis Sonntag an den olympischen Sportstätten in China noch überall Schnee liegen sollte.