Nachdem sich der Hamburger SV auch gegen Magdeburg eine Blöße gegeben hatte, wurde beim 1. FC Union zu Beginn der Woche der Kampf um Platz zwei ausgerufen. Mit einer ungewohnten Offenheit für die stets auf Zurückhaltung bedachen Eisernen. Aber Geschenke sollte man annehmen, wenn sie gemacht werden. Dahingehend zielführend wäre heute Abend ab 18.30 Uhr gleich mal ein Heimsieg gegen Jahn Regensburg. Mit dem Verdacht, dass im Erfolgsfall wohl doch plötzlich eine Euphorie-Welle durch die rot-weiße Fangemeinde schwappen könnte.

Einher mit all den ausgiebigst diskutierten Was-wäre-wenn-Szenarien geht grundsätzlich die Frage, ob denn diese Mannschaft überhaupt eine Rolle in der höchsten deutschen Spielklasse spielen könnte? Inwieweit diese Mannschaft also verstärkt werden müsste, damit man als 56. Bundesligist in der Geschichte des deutschen Fußballs auch einen konkurrenzfähigen Bundesligist abgeben könnte. Mit diesen Fragen beschäftigt sich Manager Oliver Ruhnert im Hintergrund seit Wochen. Dabei hat sich der Kaderplaner – unabhängig von der Ligazugehörigkeit – bereits auf die Anzahl der beschäftigen Profis festgelegt. „Ich empfinde eine Kadergröße von 26, 27 Spielern als gut“, sagt Ruhnert. Gut und erforderlich. Wenn die drei Torhüter abgezogen werden, dazu womöglich ein, zwei Youngster mitgezählt werden, käme man gerade einmal auf 21 Akteure. Die bräuchte man auch, um entsprechendes Verletzungspech und Sperren kompensieren zu können.

Ruhnert plant für Zweite Liga

Ruhnert plant übrigens – man höre und staune – dieser Tage bei der Personalfahndung nicht zweigleisig. „Wir werden ja, so wie dieses Jahr auch, erst in der Sommerpause Planungssicherheit haben. Und das Anforderungsprofil an die Spieler ist, auch im kommenden Jahr in der Zweiten Liga eine sehr gute Rolle spielen zu können“, so Ruhnert. Also solche Kicker, denen man den Aufstieg zutraut. Und für die es dann nur der Bonus wäre, dass der eventuell früher – also vor ihrer Verpflichtung – eingetreten ist. „Den best case können wir immer händeln. Den anderen Fall gilt es vor allem zu beachten“, so Ruhnerts Schlussfolgerung. Und da gelte es zügig zu handeln. „Diese Kicker sind schnell vergriffen“, weiß der 46-Jährige. Bundesligahinterbänkler gebe es zuhauf.

Übrigens, solche Spieler, die nur auf die Bundesliga schielen, sind bei Ruhnert an der falschen Adresse. „Das macht keinen Sinn. Diejenigen, die in der Bundesliga bei jedem Klub ab Platz zehn spielen könnten, passen eh nicht in unsere Portfolio. Und was habe ich davon, wenn ich fünf, sechs Spieler habe, die mir sagen: In der Ersten Liga komme ich, sonst nicht. Damit kann ich keine Kaderplanung machen“, sagt Ruhnert deutlich.

Geld ist bei Union vorhanden

Gestaltungsspielraum hat der Manager der Eisernen. Sechs Verträge (Marc Torrejon, Eroll Zejnullahu, Fabian Schönheim, Michael Parensen, Felix Kroos, Berkan Taz) laufen aus, bei vier Spielern (Carlos Mané, Suleiman Abdullahi, Manuel Schmiedebach und Robert Zulj) gilt es zu entscheiden, ob das Leih- in ein dauerhaftes Anstellungsverhältnis umgewandelt wird. Stand jetzt wird das bei Abdullahi und Schmiedebach der Fall sein. Manés Verpflichtung für kolportierte fünf Millionen Euro wäre wirtschaftlich wohl nur in der Bundesliga stemmbar. Bei Zulj und Kroos stellt sich die Frage, wer auf Dauer besser zu Urs Fischers Spielweise passt. Stand heute wäre das wohl eher Kroos zuzutrauen. Bei Zulj gälte es zudem zu investieren, Hoffenheim wird ihn kaum ablösefrei ziehen lassen.

Geld – und das ist die gute Nachricht – ist aber vorhanden. Selbst wenn Union den Aufstieg nicht schaffen sollte, am Ende „nur“ Dritter wird, hat das Auswirkungen auf die Finanzen. Die Eisernen lassen in der Fernsehgeldtabelle Darmstadt und Ingolstadt hinter sich. Statt 13,49 Millionen Euro gäbe es dann 16,373 Millionen Euro an Fernsehgelder. Nur die Erstligaabsteiger würden mehr von den Fernsehsendern abgreifen. Union wäre schon mal Top 21. Also nur noch einen Steinwurf weit entfernt von Dirk Zinglers großem Ziel entfernt. Der Präsident der Eisernen will den Klub ja unter den Top 20 in Deutschland etablieren. Auf Dauer wohlgemerkt.

Der Sprung in die Bundesliga würde dann ein weiteres sattes Plus von rund 13 Millionen Euro in die Kassen der Köpenicker spülen. Geld, mit dem auch Ruhnert zum Teil wirtschaften könnte. Mit dem das Portfolio sich erweitern würde.