Berlin - Er ist der Chef. Fraktionschef der Partei die Linke im Stadtrat von Iserlohn, das auch. Etwas mehr im Hintergrund wirkt Oliver Ruhnert als Sportchef beim 1. FC Union. Hauptberuflich macht er das, Geschäftsführer Sport lautet der offizielle Titel. Wenn also der Berliner Fußball-Bundesligist an diesem Mittwoch im Halbfinale bei RB Leipzig antritt, ist das zum Gutteil auch sein Erfolg. Denn der Erfolg hat viele Väter, zumindest bei den Unionern ist das keine Floskel.

Deshalb muss beim Führungspersonal nicht jeder alles machen. Zum Beispiel sich ständig vor laufender Kamera äußern, das ist ein Teil des Jobs von Chefcoach Urs Fischer und seinen Profis. Ruhnert muss nicht grundsätzlich, nicht politisch werden, das fällt eher ins Ressort von Präsident Dirk Zingler. Ein Sportchef agiert gern geschützt vor allzu neugierigen Blicken, denn zu viel Öffentlichkeit ist bei der Verpflichtung von Spielern schlecht fürs Geschäft. Das beherrscht der 50-jährige Sauerländer sehr gut. Fehlgriffe unterliefen Ruhnert beim 1. FC Union bisher nicht, auch wenn nicht jeder Transfer so einschlug wie der von Stürmer Taiwo Awoniyi oder von Verteidiger Robin Knoche, beides unter günstigen Bedingungen verpflichtete arrivierte Kräfte.

Als er im August 2017 bei den Köpenickern den Posten des Chefscouts übernahm, begleitete ihn vor allem der Ruf, ein Auge für Talente zu haben, auch weil er seit 2011 die ergiebige Nachwuchsabteilung des FC Schalke 04 verantwortete. Ruhnert selbst geriet als Jugendlicher ins Blickfeld von Paul Schomann, Nationaltrainer der U15, auch der U16, der U17, Mentor des späteren Unioners Michael Parensen. Doch Karriere machte Ruhnert selbst als Förderer fußballerischer Begabungen. Seit 2018 ist er Sportchef des 1. FC Union. Wenn es perfekt läuft für die Eisernen, wird er am 21. Mai sportlicher Leiter eines DFB-Pokalsiegers sein.

An jenem Sonnabend findet im Berliner Olympiastadion das Cup-Finale statt. Die nationale Saison klingt damit aus. Oliver Ruhnert geht die Arbeit dann erst richtig los, möglichst ohne Aufsehen. Damit auch die nächste Saison erfolgreich verläuft.