Auf die Kanuten ist aber auch in puncto Gold immer Verlass. Auf dem Dorney Lake war es Olympia-Neuling Brendel, der gleich am ersten Finaltag alle Zweifel daran beseitigte. Der 24-jährige Potsdamer schüttelte nach dem Zieleinlauf zunächst völlig entgeistert den Kopf, realisierte nur langsam seine Leistung und reckte dann vor 30.000 Zuschauern die geballte Faust in Luft.
„Das ist Wahnsinn. Ich bin gut weggekommen, nach 200 Metern habe ich dann gemerkt, dass das heute was werden kann. Am Ende habe ich dann noch einen oben drauf gelegt und gesehen, dass die anderen nicht mithalten können“, sagte der Europameister. Sein großes Vorbild Andreas Dittmer war vor zwölf Jahren in Sydney zuletzt auf der 1000-Meter-Strecke zum Sieg gepaddelt.

Anders als bei der WM im Jahr zuvor, als er nach einem Paddelbruch im Vorlauf ausgeschieden war, ließ Brendel das Material diesmal nicht im Stich: „Das Paddel hat gehalten. Der Hersteller hat mir versichert, dass das Ding diesmal nicht brechen wird.“ Mit kraftvollen Stößen brachte er am Ende fast eine Bootslänge zwischen sich und Athen-Olympiasieger David Cal aus Spanien.

Freude mit Verzögerung

Die deutschen Frauen fanden nach der ersten Enttäuschung ihr Lachen schnell zurück. „Es ging nicht mehr. Wir wollten Gold, jetzt haben wir Silber“, sagte die Potsdamerin Wagner-Augustin. Sie riss vor ihrem Sohn Emil, den sie eigentlich einen Tag nach dem ersten Geburtstag mit Gold beschenken wollte, die Arme hoch und rief ihm immer wieder zu: „Du musst dich freuen!“
Seit Atlanta 1996 hatte der Viererkajak der Frauen nach 500 Metern immer ganz oben auf dem Treppchen gestanden. In Eton Dorney waren die Ungarinnen 0,471 Sekunden schneller als Wagner-Augustin, Carolin Leonhardt (Mannheim), Franziska Weber (Potsdam) und Tina Dietze (Leipzig). „Es ist halt kein Gold“, meinte Leonhardt. Ihr ebenfalls „silberner“ Freund, Kugelstoßer David Storl, spendete schnell Trost.

Angesichts von vier Medaillen in vier Rennen freute sich auch Cheftrainer Reiner Kießler. „Ein schöner Tag für den deutschen Kanusport“, sagte er. Am Donnerstag hat er in den nächsten vier Rennen drei weitere „heiße Eisen“ im Feuer. Lediglich im Einerkajak war Wagner-Augustin überraschend ausgeschieden.
Auch Martin Hollstein (Neubrandenburg) und Andreas Ihle (Magdeburg) konnten ihre Goldfahrt von Peking nicht wiederholen. Die Konkurrenz, so Bundestrainer Jochen Zühlke, habe seit 2008 eben nicht geschlafen. „Unsere Jungs waren optimal vorbereitet - und die anderen spielen nicht im Sandkasten“, meinte er.

Starter Start der Konkurrenz

„Am Ende war es ein bisschen schade, aber es war dennoch das beste Rennen der Saison - wir haben Bronze gewonnen“, sagte Ihle. Die Ungarn hatten einen fulminanten Start hingelegt, nach etwas zähem Beginn holte das deutsche Duo aber auf, konnte die siegreichen Ungarn sowie Portugal nach 1000 Metern aber nicht übertrumpfen

Max Hoff aus Essen hatte sich in Peking mit dem fünften Platz begnügen müssen, diesmal klettert der Weltmeister von 2009 und 2010 nach dem Kilometer auf das Podest. „Das war ein hartes Stück Arbeit. Die beiden vor mir haben eine grandiose Leistung abgeliefert, deswegen bin ich mit Platz drei super zufrieden“, sagte der 29-Jährige. Nach schwachem Start rollte Hoff das Feld von hinten auf, schloss am Ende sogar noch dicht auf den siegreichen Norweger Eirik Veras Larsen und Adam van Koewerden auf Platz zwei auf.