Wenn eine Gruppe von 21 Menschen in grün-gelb-blauen Jacken, orangefarbenen Hosen mit Blüten darauf und Fähnchen in der Hand auf einer Bühne steht, dann ist das keine Demonstration für den Weltfrieden, die Neugründung der Regenbogen-Partei oder die Rückkehr der Gummibärenbande.

Es entsteht zunächst allerdings schon der Eindruck, man habe einen Zaubertrank über den Durst getrunken, wenn man sich die schrillen Outfits jener Athleten anschaut, die am Dienstag die Kleidung der deutschen Sportler für die Winterspiele in Sotschi präsentiert haben.

Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), findet: „Da hat man Lust, ein paar Medaillen zu holen.“ Genau. Medaillen oder einen Obstsalat. Vielleicht wollen die Designer auch einfach ein wenig Farbe in den tristen, russischen Winter bringen. Im Netz jedenfalls wird die Kleidung mit jeder Menge Hohn quittiert – der Tenor: Deutschland tritt zu den Spielen mit Knetmännchen an.

Unklar war zunächst, ob der Verband mit der Wahl seiner Outfits protestieren möchte. Gegen Homophobie in Russland zum Beispiel, wie es einige Sportler vor wenigen Monaten schon bei der Leichtathletik-WM in Moskau getan haben.

Dem ist nicht so, wie der Kölner Stadt-Anzeiger erfuhr. DOSB-Pressesprecher Christian Klaue sagte, dass die Idee für die Kleidung bereits vor einem Jahr entstanden sei: „Das ist kein Protest, sondern Mode!“ Und über Mode lässt sich bekanntlich streiten.

An das Outfit der männlichen Athleten mit ihrer Kombination aus einer dreifarbigen Jacke und einer weißen Hose kann man sich wohl gewöhnen. Bei den Frauen und ihren Blümchen-Hosen dürfte das schwerer fallen. Ganz anders übrigens bei den Sportlern mit Behinderung, die ihre Kleidung für die Paralympischen Spiele präsentiert haben: Ein rotes Oberteil mit schwarzem Kragen und eine schwarze Hose. Schlicht und schön. Manchmal ist weniger mehr.

Einen Vorteil allerdings haben die Olympia-Teilnehmer mit Sicherheit: Sie können im Schnee nicht verloren gehen.