Berlin - Wer eine Antwort auf die Frage möchte, ob auch Berlin in den nächsten Jahrzehnten mal wieder Olympiastadt sein kann, muss sich noch etwas gedulden. Frühestens ab September 2013 wird der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) darüber ernsthaft Gespräche führen. Denn dann wird das IOC, das Internationale Olympische Komitee, die Ausrichterstadt 2020 bestimmt haben. Beworben haben sich mehrere europäische Städte, nämlich etwa Madrid, Rom und Istanbul.

Wird eine europäische Stadt Ausrichterin der Spiele, so das gängige Argument, dann lohnt es für eine andere vom selben Kontinent kaum, auf den Zuschlag vier Jahre später hinzuarbeiten.

Mindestens bis dahin wird man also das seit vielen Jahren eingeübte Mantra des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) hören können, dass Berlin für Olympia „bereit“ sei. Die jüngste Variante, am Donnerstag abgefragt in der Senatskanzlei, lautet: „Wir stehen bereit, wenn der deutsche Sport es will.“ Ähnlich sieht das Sportsenator Frank Henkel vom Koalitionspartner CDU, der in Bezug auf Olympia bekanntlich keine Grundskepsis zu überwinden hat – wie die Linke im rot-roten Vorgängersenat. Ein Projekt Olympiabewerbung findet sich aber auch nicht im Koalitionsvertrag von Rot-Schwarz.

Gefürchtete „NOlympia“-Bewegung

In ständig bekundeter Bereitschaft stehen ähnlich wie Berlin in Deutschland auch Hamburg (Sommerspiele) und München (Winterspiele). Nun verlor München bereits den Wettbewerb um den Winter 2018 gegen Pyeongchang in Südkorea, weswegen der DOSB ab September 2013 auch über Münchens Neubewerbung für 2022 entscheiden wird. Wäre die wiederum erfolgreich, dürfte eine deutsche Stadt als Ausrichter für die Sommerspiele nur zwei Jahre später so gut wie ausgeschlossen sein – schließlich steht Olympia für eine weltumspannende Idee und nicht für ein lokales Stelldichein.

Ohnehin ist unklar, wie stark in der Hauptstadt gegebenenfalls eine erneute „NOlympia“-Bewegung würde, die, als es um Berlin 2000 ging, in den 90er-Jahren heftigen Protest zu aktivieren verstand. Der DOSB mag derlei gar nicht und hat daher ausdrücklich zur Bedingung einer Bewerbung gemacht, dass in den betreffenden Städten die „mehrheitliche Zustimmung der Bevölkerung“ gesichert sei. Vielleicht sollte Berlins Kampagne nicht gerade in Kreuzberg starten.