Diese Niederlage war brutal. Zum zweiten Mal in Folge wurde die Olympiabewerbung von Doha, Hauptstadt des winzigen aber steinreichen Emirats Katar, vom Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) für zu schwach befunden. „Enttäuscht und geschockt“ sei man, erklärte Bewerbungschefin Noora Al-Mannai am Rande des IOC-Gipfels in Quebec City (Kanada). Das IOC habe „zu 1000 Prozent eine politische Entscheidung getroffen“. Recht hat die Dame. Wenngleich niemand den Kataris explizit sagte, dass weder Olympia in der Steinwüste noch ein von Korruptionsvorwürfen überschattetes Olympia erwünscht sind. Um beides geht es.

Wie vor vier Jahren, als es um die Sommerspiele 2016 ging, sortierte die IOC-Führung Doha in der Vorrunde aus. 2008 schob das IOC den vorgeschlagenen Termin im nicht ganz so heißen Oktober als Grund vor. Diesmal wurde er grundsätzlich akzeptiert, jedoch mit dem Hinweis garniert, für TV-Anstalten seien Spiele schwer zu vermarkten, wenn zugleich die großen Profiligen in Europa und den USA liefen.

Bestnoten für Tokio

Neben Doha, für das in Quebec nur drei von zwölf IOC-Exekutivmitgliedern votierten, wurde auch Aserbaidschans Hauptstadt Baku verabschiedet. Die Sommerspiele 2020 werden in Tokio (zwölf Stimmen) oder Istanbul (elf) stattfinden. Die von finanziellen Problemen begleitete Bewerbung Madrids (zwölf Stimmen) gilt als chancenlos. Das Budget der Spanier wurde bereits um die Hälfte gekürzt. Das letzte Wort hat die IOC-Vollversammlung im September 2013 in Buenos Aires. Dann wird auch der Nachfolger des IOC-Präsidenten Jacques Rogge gewählt.

Tokio erhielt im IOC-Prüfbericht Bestnoten. Die IOC-Arbeitsgruppe empfahl auch Istanbul für die Finalrunde. Doch Rogge hat jüngst klargemacht, dass die türkische Metropole nicht gleichzeitig Sommerspiele und die Fußball-Europameisterschaft stemmen kann. Für die EM 2020 ist die Türkei nach zuletzt zwei Wahlniederlagen klarer Favorit gegen Georgien und Wales/Schottland.

Das Aus für Doha darf als Kulturbruch verstanden werden. Es dient der Korruptionsbekämpfung. IOC-Präsident Rogge wollte Schlagzeilen verhindern, wie sie der Fußball-Weltverband (Fifa) machte, als er die WM 2022 nach Katar vergab. Etliche IOC-Mitglieder raunten Reportern zu: Wenn Doha zur Kandidatenstadt bestimmt worden wäre, hätte Katars Hauptstadt im September 2013 auch gewonnen. Geld für den Stimmenkauf auf allen Ebenen, meist getarnt als Entwicklungshilfe, ist Dank gewaltiger Gas- und auch Öl-Vorräte reichlich vorhanden.

Platini gab den Wahlhelfer für Doha

Doha positioniert sich als Sporthauptstadt des Planeten und greift damit den Status der IOC-Metropole Lausanne an. Das konnte Rogge nicht gefallen. Andererseits aber hat Katar zahlreiche olympische Weltverbände alimentiert, richtet Weltmeisterschaften in der Hallenleichtathletik, im Schwimmen und im Handball aus. Zuletzt haben die Kataris die IOC-Führung mit einem perfiden Manöver verärgert: Einer ihrer Parteigänger, Uefa-Präsident Michel Platini, versuchte, der Türkei die Fußball-EM 2020 zuzuschanzen und wollte die erst für Januar 2014 geplant Entscheidung vorziehen – um das IOC auszutricksen. Der Grund: Doha sah Istanbul als größte Bedrohung eines eigenen Erfolgs an.

Der türkische Ministerpräsident Erdogan hatte im März beim Uefa-Kongress gesagt, sein Land bewerbe sich für beide Großveranstaltungen, doch werde die EM-Bewerbung aufgegeben, falls Istanbul den Olympia-Zuschlag erhalte. Platini agierte als Wahlhelfer für Doha und wollte den Zeitplan ändern, um Istanbuls Olympiabewerbung zu hintertreiben. Platinis Sohn Laurent, ein Anwalt, verdient fürstlich beim Katar Sport Investment Fonds, hinter dem die katarischen Regierung steht.

In der IOC-Administration war man verärgert über Platinis Avancen, was ihm IOC-Vizepräsident Thomas Bach am vorigen Samstag in München darlegte. Eingefädelt hatte das Treffen der DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Bach, Favorit auf die Rogge-Nachfolge, wird sich mit der Frage befassen müssen, ob die arabische Welt wegen klimatischer Gegebenheiten je für Sommerspiele in Betracht kommt. Ein spannendes Thema. Einige seiner Stimmen holt Bach stets in dieser Region, in der er auch Geschäfte macht. Seit sechs Jahren ist er Chef der arabisch-deutschen Wirtschaftskammer.