Olympia in Sotschi: Menschenrecht auf Skigebiete

Das fröhliche Naturell mit entspanntem Hang zur Pointe hat Michael Vesper wohl manchen Weg geebnet. Den Rest hat der Machtinstinkt erledigt. So ist der promovierte Soziologe bei den Grünen in Nordrhein-Westfalen einst zur großen Nummer aufgestiegen, bis zum stellvertretenden Ministerpräsidenten in den Kabinetten von Johannes Rau, Wolfgang Clement und Peer Steinbrück. Mancher Parteigenosse zweifelte stets, ob Vesper wirklich ein Grüner war oder einfach nur ein schlitzohrig getarnter Bürgerlicher, der eine dreiste Abkürzung auf dem Weg zur Macht gefunden hatte. Offiziell zählte er zu den Realos, als Minister für Bauen und Wohnen.

Nach Herzenslust gerodet und gebaut

Offenkundig wirkt die Politikerbiografie noch immer nach. Seinen für Grüne zuweilen schwer tolerierbaren Sinn fürs Reale packte Vesper nun in einem Interview zu den Olympischen Winterspielen in Sotschi wieder aus: Da es etwas wie ein russisches Menschenrecht auf Nobelskigebiete gebe, müsse in Sotschi nach Herzenslust gerodet und gebaut werden dürfen, erklärte Vesper dem Südwestrundfunk, als wolle er nicht länger Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes bleiben, sondern lieber für noch mehr Geld als die kolportierte Viertelmillioneuro-Gage vom DOSB künftig in Putins Diktatur wieder sein angestammtes NRW-Ressort übernehmen.

„Es ist in Sotschi eben alles neu errichtet worden, und das liegt eben daran, dass Russland als eine der großen und führenden Wintersportnationen der Welt nach dem Zerfall der Sowjetunion über keine eigene Wintersportanlage auf eigenem Staatsgebiet mehr verfügte“, sagte Vesper. Was in anderen Ländern kontinuierlich entstanden sei, hätten die Russen „sozusagen in einem Kraftakt durchgeführt“. Er wisse auch, dass das Demonstrationsrecht nicht nur in Russland häufig mit Füßen getreten werde. Es ist eben in vielen Ländern schlimm. Hauptsache, es gibt genug Beton und der Rubel rollt. Und es wird eine schöne Dienstreise im Februar für den verwelkten Grünen.