Berlin - Die Lobbyarbeit von DOSB-Präsident Thomas Weikert bei den Winterspielen hat seine Zuversicht für eine deutsche Olympia-Bewerbung gestärkt. „Alle sind froh, dass wir international ein Comeback feiern“, sagte der Chef des Deutschen Olympischen Sportbunds nach Gesprächen in Peking. „Es ist realistisch, sich zu bewerben, aber wir müssen unsere Hausaufgaben machen und das Internationale Olympische Komitee überzeugen, dass Deutschland ein guter Standort sein würde.“ In den 50 Jahren seit den Sommerspielen von München gelang das nicht.

Siebenmal sind deutsche Bewerbungen seit 1986 ohne Erfolg geblieben, auch weil die Bürger wie beim Bemühen um die Winterspiele für 2022 mit München und um die Sommerspiele für 2024 mit Hamburg dagegen waren. Der letzte Versuch der Rhein-Ruhr-Initiative für 2032 endete im Zerwürfnis des DOSB mit dem IOC unter Weikert-Vorgänger Alfons Hörmann.

Thomas Bach ermuntert Deutschland zur Bewerbung

Ermutigung für einen weiteren deutschen Versuch gibt es von IOC-Chef Thomas Bach. „Ich würde mich sehr darüber freuen“, sagte er der Funke Mediengruppe. Auch der Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Frank Ullrich, machte sich für eine Bewerbung stark. „Dies würde nicht nur unserem Land guttun, sondern auch den Stellenwert des Sports in unserer Gesellschaft erhöhen“, sagte der SPD-Politiker.

Der frühere Tischtennis-Weltpräsident Weikert, 60, will aber nichts überstürzen und eher nicht ins Rennen um die Winterspiele 2030 gehen, die bald vergeben werden dürften. „Das ist womöglich zu früh, weil wir nicht baden gehen wollen. Ich will es aber nicht ganz ausschließen“, sagte Weikert. Auf der nächsten Sitzung des DOSB-Präsidiums wolle man sich mit Olympia beschäftigen.

Die nächsten Optionen für eine Kandidatur wären die Winterspiele 2034 und der Sommer 2036, nachdem die Spiele 2032 schon früh im Zuge des veränderten IOC-Vergabeverfahrens an Brisbane gegangen waren. „Wir wären prädestiniert für die Winter-Olympiade“, sagte Franz Steinle, Präsident des Deutschen Skiverbandes, auch aus Eigeninteresse. „Es wäre schon wünschenswert, möglichst bald mal wieder Winterspiele in Deutschland zu haben“, betonte er.

Vorschlag zur Kooperation mit Österreich

Zuvor gelte es aber, die Bevölkerung vom Nutzen von Olympischen Spielen für die Infrastruktur und die Entwicklung des Sports zu überzeugen. Entmutigen lassen sollte man sich durch die Absagen der Olympia-Projekte in München und Hamburg nach Bürgervoten nicht.

Vorstellen könnte sich Steinle, einen Co-Ausrichter ins Boot zu nehmen. „Es wäre ein Ansatz zu sagen: Wir machen eine Kooperation zwischen Deutschland und Österreich“, sagte er. „Die Sportstätten liegen ja nicht so weit auseinander, wenn wir als Beispiel Seefeld und Garmisch-Partenkirchen nehmen.“

Eine Kandidatur für 2036 mit Berlin, 100 Jahre nach den Nazi-Spielen, wäre eine andere Herausforderung, „aber man kann das schon anpacken“, meinte Weikert. Bei einer Bewerbung für 2036 sollte man nach Ansicht von Menschenrechtsexpertin Sylvia Schenk das Attentat von palästinensischen Terroristen in München 1972 auf israelische Athleten nicht vergessen. „Das ist eine offene Wunde, die nie richtig bearbeitet wurde“, sagte die frühere Sportfunktionärin. 1936 habe Olympia missbraucht, 1972 habe Olympia ins Herz getroffen.

Karla Borger sieht Bewerbung als Chance

„Wir können nichts wieder gutmachen, haben aber für eine Bewerbung – insbesondere für das Jahr 2036 - eine hohe Verantwortung“, meinte Schenk. Diese gehe weit über sportliche Aspekte hinaus. „Für 2036 wieder nur eine Schmalspur-Bewerbung abzugeben, wie das bei den letzten deutschen Versuchen der Fall war, wäre eine Katastrophe.“

Ob 2030, 2034 oder 2036: Unter dem Eindruck der umstrittenen Winterspiele in Peking wünschen sich die Athleten einen neuen Olympia-Vorstoß. „Ich bin der festen Überzeugung, dass Deutschland es besser machen würde, definitiv“, meinte Karla Borger, die Präsidentin der Vereinigung Athleten Deutschland. „Olympische Spiele können Gutes für das Land bewirken. Ich sehe es als Chance.“

DOSB-Chef Weikert weiß, dass eine Bewerbung gut vorbereitet sein und vieles berücksichtigt werden muss. Die Athleten, die Bürger, die Politik, die Wirtschaft: „Da müssen alle an einem Strang ziehen.“