Hertha BSC darf unter bestimmten Voraussetzungen auf Unterstützung aus dem Abgeordnetenhaus für seine Pläne eines Stadion-Neubaus hoffen. In einer Umfrage unter den sechs Fraktionen sprach sich lediglich die FDP schon jetzt explizit gegen einen Auszug aus dem Olympiastadion aus. Die übrigen Fraktionen legten sich vor einem Treffen des Sportausschusses am 18. Mai noch nicht fest.

Am Montag hatten der Fußball-Bundesligist und die Senatsverwaltung für Inneres und Sport gemeinsam mitgeteilt, dass sowohl ein neues Stadion als auch der Umbau des Olympiastadion als „technisch realisierbar“ erachtet werden. Damit sieht es gut aus für den von dem Verein gewünschten Neubau. Der Club hatte aktualisierte Pläne für den Neubau präsentiert. Innen- und Sportsenator Andreas Geisel will beide Varianten am 18. Mai im Sportausschuss des Abgeordnetenhauses präsentieren.

Philipp Bertram, Sprecher für Sport der Linksfraktion sprach von einem „vollkommen offenen Prozess“. Es gebe vor allem noch zahlreiche Fragen – unter anderem zu den Auswirkungen für den Haushalt. „Ich bin mir noch nicht sicher, ob alle Folgen abgewogen wurden“, sagte Bertram.

AfD favorisiert einen Umbau

Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek betonte, dass ein Neubau nur funktioniere, „wenn es ein finanziell tragfähiges Nachnutzungskonzept für das Olympiastadion gibt“. Entscheidend sei, was die Entscheidung für den Landeshaushalt bedeute. „Wir haben kein Interesse, dass das zu Lasten der schwarzen Null geht.“ Der Club hatte erklärt, einen Neubau selbst finanzieren zu wollen. SPD-Fraktionschef Raed Saleh erklärte, dass innerhalb seiner Partei Beratungen zu dem Thema noch ausstehen.

Die CDU-Fraktion will sich nach Angaben ihres sportpolitischen Sprechers Stephan Standfuß kommende Woche auf eine gemeinsame Position festlegen. „Persönlich würde ich das neue Stadion bevorzugen, weil es mehr den Anforderungen an eine moderne Arena entspricht“, sagte er.

Die AfD wird die Anhörung im Sportausschuss abwarten, favorisiert derzeit aber einen Umbau, wie ihr sportpolitischer Sprecher Frank Scheermesser mitteilte.

Senat hatte Umbau prüfen lassen

Ein Nein zu den Hertha-Plänen kommt derzeit lediglich von der kleinsten Fraktion im Abgeordnetenhaus. Ein Neubau sei „weder denkmalverträglich noch im Sinne der jetzigen Nutzer möglich“, sagte Stefan Förster, sportpolitischer Sprecher der FDP. Auch für einen Umbau gebe es keine Begründung, „da diese Spielstätte für erstklassigen Fußball geeignet ist und alle Auflagen erfüllt.“

In der politischen Frage, ob das Olympiastadion umgebaut oder eine landeseigene Fläche im Olympiapark für einen Neubau übertragen werde, habe das Abgeordnetenhaus das letzte Wort, bestätigte ein Sprecher der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport. Allerdings könne es hier voraussichtlich nur einen gemeinsamen Weg mit dem Verein geben.

Der Mietvertrag von Hertha im Olympiastadion läuft in sieben Jahren aus. Der Club und der Senat verhandeln seit Juli 2017 über eine Lösung, nachdem Hertha verkündet hatte, bis 2025 in einer neuen Arena seine Heimspiele austragen zu wollen. Der Senat hatte einen Umbau des Olympiastadions prüfen lassen, der unter anderem eine Absenkung des Spielfelds vorsieht.