Berlin - „Schneller, höher, stärker“, lautet das Motto der Olympischen Charta. Ein neues Adjektiv ist bei den Spielen in Tokio hinzugekommen: „Gemeinsam“.

Gemeinsam haben die olympischen Verbände dann nach der rassistischen Kameltreiber-Äußerung des deutschen Rad-Sportdirektors Patrick Moster am Mittwoch erst mal nichts getan: keine schriftliche Stellungnahme des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR). Keine schriftliche Erklärung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), keine des Internationalen Olympischen Komitees.

Radrennfahrer Rick Zabel schämt sich für Äußerungen

Persönliche Konsequenzen zu ziehen, hielt Moster auch nicht für notwendig. Stattdessen schien DOSB-Präsident Alfons Hörmann die eher lapidare Entschuldigung von Moster zu akzeptieren, der behauptete, ihm täten die Kameltreiber-Rufe als Anfeuerung für Nikias Arndt, der hinter Fahrern aus Algerien und Eritrea herfuhr leid und er stehe für die Werte des Sports.

Aber Modernität in der olympischen Welt bedeutet nicht nur, frische Sportarten wie Skateboarden oder Wellenreiten ins Programm zu holen. Sondern auch: gestriges Gedankengut zu verbannen, Rassismus konsequent abzustrafen.

Dass sich Radrennfahrer wie Arndt und Maximilian Schachmann vor Ort oder gar Rick Zabel in Berlin deutlich klarer von Mosters Äußerung abgrenzten und sich nicht nur für ihren Sportdirektor, sondern auch die Untätigkeit von BDR und DOSB schämten, zeigt einerseits, wie weit die Welt der Athleten und Funktionäre auseinanderklafft. Andererseits haben die Athleten mit ihrem Mut zur Mündigkeit das Wort „gemeinsam“ lebendig gemacht.  

So kam am Donnerstag DOSB-Präsident Hörmann nicht umhin, Moster noch vor den Bahnwettbewerben aus dem Olympiateam abzuberufen, ihn heim in die Pfalz zu schicken. 24 Stunden zu spät - und mit dem schalen Geschmack, nicht aus Überzeugung, sondern auf Druck der Öffentlichkeit und der eigenen Athleten gehandelt zu haben.