Tokio - Sebastian Brendel legte gleich nach der Siegerehrung einen direkten Draht in die Heimat. „Habt ihr es gesehen?“, fragte er per Handy nach Potsdam und schickte durch die Maske einen Kuss an die Familie, während Debütant Tim Hecker stolz und glücklich seine Bronzemedaille präsentierte. An das verpasste Gold verschwendeten sie keine Gedanken. Dafür war das Rennen über die 1000-Meter-Distanz zu eng. „Wir konnten die Erfolgsgeschichte des deutschen Canadier-Zweiers fortschreiben, zwar nicht mit Gold, aber wir sind trotzdem zufrieden“, sagte Brendel.

Für den Frontmann der deutschen Rennkanuten reichte es am Dienstag in Tokio wegen minimalen 0,620 Sekunden Rückstand nicht zum vierten Olympia-Gold, doch das war zu verschmerzen. „Wir haben alles gegeben, ich habe fast gekotzt im Ziel“, meinte Hecker und sagte: „Wir haben das Beste draus gemacht.“

Brendel peilt seinen dritten Olympiasieg im Einer an

Auf dem Sea Forest Waterway in Tokio hatte der als Mitfavorit ins Rennen gegangene 33 Jahre alte Brendel mit seinem neuen Partner Hecker, 23, den Kubanern Sergey Torres Madrigal und Fernando Dayan Jorge Enriquez sowie den chinesischen Weltmeistern Liu Hao und Zhen Pengfei über die 1000-Meter-Distanz knapp den Vortritt lassen müssen. „Die Kubaner fahren seit zehn Jahren zusammen, wir erst seit eineinhalb Jahren“, sagte Brendel auch hinsichtlich der schwierigen Bedingungen mit Wellen und Wind. Zudem sah man die starken Chinesen seit 2019 bei keinem Wettkampf mehr.

Zu knabbern hatte dagegen Olympia-Debütant Jacob Schopf, der als Vierter im Kajak-Einer knapp an einer Medaille vorbeipaddelte. Nach der Hälfte des Rennes lag der Potsdamer auf Rang sieben, kam immer weiter heran, doch es reichte nicht ganz für seine erste Medaille. 0,076 Sekunden fehlten dem 22-Jährigen beim Olympiasieg des Ungarn Balint Kopasz auf den Bronze-Rang. Er hat im Zweier mit Max Hoff noch eine Chance.

Teamkollege Scheibner will Hattrick verhindern

So auch der Potsdamer Brendel, der vor einer historischen Mission steht: Im Einer will er drei Olympiasiege am Stück feiern. „Wir werden ein bissel mit Wasser im Zimmer anstoßen und uns dann auf den Einer konzentrieren“, kündigte er an. „Schon im Vorlauf werden es hitzige Läufe“, sagte er. „Doch die Medaille gibt mir Selbstvertrauen und Auftrieb.“

Im Canadier-Einer geht der zehnfache Weltmeister als Top-Favorit an den Start, am Freitag geht es mit den Vorläufen los, die Medaillen werden am Sonnabend vergeben. Den Hattrick könnte ausgerechnet ein Nationalmannschaftskollege verderben. Denn der Berliner Conrad Scheibner gilt als Mitfavorit. „Ich gebe mein Allerbestes und hoffe, dass ich die Wachablösung vollziehen kann und ein Fahrer der neuen Generation werde“, sagte der 25 Jahre alte Athlet vom Sportclub Berlin-Grünau. Er hat dabei keinen Druck.