Tokio/Berlin - Anna-Maria Wagner schrie ihre ganze Freude heraus und jubelte ihrem Erfolgstrainer Claudiu Pusa zu. 48 Tage nach ihrem WM-Triumph von Budapest hat Deutschlands beste Judoka bei den Olympischen Spielen von Tokio Bronze geholt und damit ihren sagenhaften Höhenflug fortgesetzt. Dass es nicht ganz zum ganz großen Gold-Coup reichte, konnte die 25-Jährige locker verkraften.

„Ich bin superglücklich. Natürlich ist man hergekommen, um Gold zu holen. Aber den letzten Kampf zu gewinnen und die Medaille mit nach Hause zu nehmen, macht mich einfach superfroh“, sagte Wagner bei Eurosport. Der Traum von Gold war im Halbfinale geplatzt, als sie gegen das nur 1,67 m große und damit 15 Zentimeter kleinere Kraftpaket Shori Hamada keinen Zugriff bekam und nach nur 1:23 Minuten vorzeitig verlor.

Weiteres Highlight in einem traumhaften Jahr

Mit Wagners anschließendem erfolgreich Griff nach Bronze setzte sich in der Klasse bis 78 kg eine kleine deutsche Serie der deutschen Frauen fort: Nach 2012 (Kerstin Thiele) und 2016 (Laura Vargas Koch) gab es zum dritten Mal in Folge eine Medaille bei Sommerspielen. Am Mittwoch hatte Eduard Trippel (Rüsselsheim/90 kg) bereits Silber gewonnen.

„Wenn sie hungrig und durstig auf die Matte geht, kann sie weit wie eine Rakete fliegen“, hatte Trainer Pusa gesagt. Und anders als ihre Nationalmannschafts-Kollegin Martyna Trajdos muss Pusa seine Musterschülerin nicht einmal vor dem Kampf als Aufwärmprogramm einvernehmlich ohrfeigen, damit Wagner auf der Matte durchstartet.

Für Wagner fand damit ein traumhaftes Jahr 2021 einen weiteren Höhepunkt, in dem sie den Durchbruch in die absolute Weltklasse schaffte. Die Grand Slams in Tel Aviv und Kasan gewann Wagner, ehe sie Mitte Juni in Budapest mit dem ersten WM-Gold für eine deutsche Judoka seit 28 Jahren ihr Meisterstück ablieferte.

Bislang eine deutsche Olympiasiegerin im Judo

Bislang gab es nur eine deutsche Olympiasiegerin im Judo. 2004 in Athen gewann Yvonne Bönisch, die als Österreichs Nationaltrainerin am Mittwoch Michaela Polleres zu Silber geführt hatte. Sowohl Olympiasieg (1996) als auch WM-Gold (1991 und 1995) hat als einziger deutscher Judoka der Leipziger Udo Quellmalz vorzuweisen.

Für Karl-Richard Frey (Leverkusen) erfüllte sich der Traum von einer Olympia-Medaille dagegen erneut nicht. Der Vizeweltmeister von 2015 unterlag in der Hoffnungsrunde der Klasse bis 100 kg dem früheren WM-Zweiten Nijas Iljassow aus Russland, verpasste das kleine Finale und wurde Siebter. Vor fünf Jahren hatte Frey, dessen Bruder Johannes am Freitag im Schwergewicht antritt, in Rio den Kampf um Platz drei verloren.