Berlin/Tokio - Bei Sarah Köhler kullerten nach ihrem größten Erfolg und dem Ende der 13 Jahre langen Olympia-Tristesse der deutschen Beckenschwimmer die Freudentränen. Die Weltmeisterschaftszweite hat über 1500 Meter Freistil die Bronzemedaille gewonnen und damit die erste deutsche Becken-Medaille seit dem Doppelgold von Britta Steffen 2008. In deutscher Rekordzeit musste sich die Verlobte von Florian Wellbrock nur den Amerikanerinnen Katie Ledecky und Erica Sullivan geschlagen geben. „Ich wollte unbedingt diese Medaille und habe versucht, den Schmerz zu ignorieren“, sagte die 27-Jährige.

Köhler warf Kusshände zu den Teamkollegen auf der Tribüne, wo die 15:42,91 Minuten lautstark bejubelt wurden. „Ab 900 etwa tat es richtig weh, irgendwann ist es ein Kampf gegen den inneren Schweinehund“, berichtete Köhler am Mittwoch im ZDF. Sie grüßte Britta Steffen, die in der Heimat mitgefiebert hatte. „Ich bin stolz wie eine ältere Schwester auf ihre jüngere. Sie hat das fantastisch gemeistert“, hatte Steffen wissen lassen.

Sarah Köhler weint in den Armen des Bundestrainers

Der Sieg ging an Ledecky, die in 15:37,34 Minuten zu ihrem sechsten Olympiasieg schwamm. Silber sicherte sich ihre US-Teamkollegin Sullivan – und dann kam Köhler, die rund sechs Sekunden unter ihrer deutschen Bestmarke blieb. „Ich weiß gerade selber nicht genau, was ich sagen soll. Ich habe die Chance einfach genutzt“, sagte Köhler. Bei der Siegerehrung küsste sie ihre Medaille, dann setzte sie wieder ihre Maske auf. Wenig später weinte sie auch in den Armen von Bundestrainer Bernd Berkhahn.

Nach dem starken Vorlauf von Florian Wellbrock über 800 Meter Freistil hofft der Deutsche Schwimm-Verband am Donnerstag auf die nächste Medaille. Steffen war zuvor die letzte deutsche Beckenschwimmerin bei einer olympischen Siegerehrung. Dort hin schaffte es Deutschlands Freistil-Staffel über 4 x 200 Meter nicht, aber die Herren war auch nach Rang sieben beim Sieg von Großbritannien zufrieden.

Am Tag vor dem Auftritt ihres Verlobten zeigte Köhler einen herausragenden Auftritt. Die Athletensprecherin steigerte sich im Vergleich zu ihren Vorleistungen klar. Wie Wellbrock zählt auch Köhler zur Trainingsgruppe von Bundestrainer Berkhahn in Magdeburg, wohin sie im Sommer 2018 gewechselt war. Dort glückte ihr im reifen Schwimmerinnenalter ein Leistungssprung. WM-Platz zwei über 1500 Meter Freistil und dem Titel mit der Freiwasserstaffel im Sommer 2019 folgte ein Kurzbahn-Weltrekord über 1500 Meter Freistil im Winter. Als Olympia 2020 wegen der Corona-Pandemie verschoben wurde, verlegte die Jura-Studentin auch ihr Staatsexamen um ein Jahr nach hinten.

Franziska Hentke vor dem Ende ihrer Karriere

Im Gegensatz zu Köhler schaffte es die WM-Vierte Franziska Hentke (32) nicht ins Finale und steht vor dem Ende ihrer Karriere. Nach dem Halbfinal-Aus über 200 Meter Schmetterling sagte die langjährige Leistungsträgerin der deutschen Schwimmer: „Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wird das das letzte Rennen gewesen sein.“ Hentke hatte als 13. mit einer Zeit von 2:10,89 Minuten den Endlauf verpasst. „Ich würde es gerne erklären, aber ich kann es nicht.“

Hentke war 2017 WM-Zweite und 2016 Europameisterin über ihre Paradedistanz geworden. In 2:05,26 Minuten hält sie den nationalen Rekord. „Fakt ist, dass 2:10 absolut nichts ist und ich es aktuell nicht erklären kann“, sagte die Magdeburgerin niedergeschlagen und mit leiser Stimme.