Sotschi - Es gibt hier viele Menschen, die sich ihrer Sache ziemlich sicher sind. Zhanna Grigoriewa zum Beispiel. Grigoriewa ist 35 Jahre alt, arbeitet im Rathaus von Sotschi und ist die Leiterin der „Delegation Vorbereitung“ für die Olympischen Winterspiele 2014. Sie sitzt vor einer bemalten Wand, darauf sieht man das Panorama von Sotschi: Das Schwarze Meer und das Kaukasusgebirge, Palmen, Wälder, schneebedeckte Bergspitzen. Auf diesem Bild ist die Idee von Olympia 2014 in Sotschi zu sehen: Winterspiele unter Palmen. „Die Vorbereitung auf Olympia ist genau das, was Sotschi verdient hat“, sagt Grigoriewa. Das ist einer dieser Punkte, in denen sie sich sicher ist.

42.000 Hotelzimmer verlangt das Internationale Olympische Komitee (IOC) von den Städten, die die Olympischen Winterspiele austragen – in Sotschi wurden dafür rund 40 neue Hotels gebaut. Mehr als 40 Milliarden Euro kosten die Spiele 2014, zwischen 60 und 70 Prozent des Geldes sind in die Infrastruktur Sotschis geflossen. Dafür wurde in der Stadt kein Stein auf dem anderen gelassen. Hotels, Autobahnen, Spielstätten, sogar ein Freizeitpark – all das wurde in den vergangenen sechs Jahren gebaut. Für die Bevölkerung eine große Belastung, Staub und Lärm prägen das Bild der Stadt, auch noch wenige Wochen vor der Eröffnungsfeier am 7. Februar.

Gemütlich und bequem

„In den Siebzigerjahren war Sotschi eine Rentnerstadt. Durch die Infrastruktur-Maßnahmen entspricht sie jetzt den Anforderungen des modernen Menschen“, sagt Grigoriewa. Trotzdem ist sie sich sicher, dass Sotschi auch weiterhin ein beliebter Kurort bleiben wird. Auch wenn hier bald die Touristen in Massen kommen sollen, wenn in den Bergen ein neues Ski-Resort eröffnet, der Flughafen erweitert und im Olympischen Park eine Formel-1-Strecke gebaut wurde. „Sotschi wird auch nach Olympia genauso klein, gemütlich und bequem sein wie vorher“, verspricht Zhanna Grigoriewa.

Einer neuen Umfrage zufolge, sagt sie, würden 62 Prozent der Einwohner Sotschis die Veränderungen als positiv bewerten. Die restlichen 38 Prozent würden nach Beendigung der Bauarbeiten ebenfalls vom neuen Sotschi überzeugt sein, glaubt Grigoriewa.

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Rund 30 Kilometer von Zhanna Grigoriewas Arbeitsplatz entfernt liegt der Stadtteil Adler. Hier befindet sich das „Coastal Cluster“ mit den fünf Sportstätten der Winterspiele, die an der Küste liegen, und dem Olympiastadion, wo Eröffnungs- und Abschlussfeier stattfinden. Ursprünglich sollte ein Teil der Hallen nach den Spielen wieder abgebaut und in andere Städte gebracht werden, mittlerweile wird vermutet, es sei billiger, die Hallen woanders einfach neu zu bauen – Grund dafür sind Fehler und Fehlkalkulationen bei der Planung.

Nahe dem Olympiapark liegt das Olympische Dorf, wo während der Spiele vom 7. bis zum 23. Februar 2200 Athleten untergebracht werden. Auf 72 Hektar erstreckt sich das Gelände entlang der Schwarzmeerküste, die Gebäude sind zwischen drei und sechs Stockwerken hoch. Zwei weitere Olympische Dörfer befinden sich in Krasnaja Poljana, dem Spiele-Ort in den Bergen.

Beheizbare Pools

Die Zimmer für die Sportler sind großzügig angelegt, die ersten Athleten werden hier am 30. Januar erwartet. Das Organisationskomitee legt großen Wert darauf, dass die Sportler komfortabel wohnen – so gibt es im Dorf eine Halle, in der bis zu 700 Athleten gemeinsam essen können sollen, Spielezimmer und Geschäfte. Mitten im Olympischen Dorf, zwischen den kleinen Wegen, die die einzelnen Häuser miteinander verbinden, und den Palmen, die hier gepflanzt wurden, liegen beheizbare Swimming Pools.

Die Menschen, die vorher dort gelebt haben, wo jetzt das Olympische Dorf ist, wurden zwangsumgesiedelt, ihre Häuser und Wohnungen abgerissen – oft ohne Entschädigung. Nach den Spielen sollen die Athletenunterkünfte als Appartements verkauft werden, für rund 3300 Euro pro Quadratmeter. Die Preise seien nicht zu hoch, wenn man die gute Infrastruktur und das nahe gelegene Meer bedenkt. Da sind sich die Verkäufer sicher.

Auf dem Weg zu den Sportstätten in den Bergen fährt man auf Russlands teuerster Straße. Um den Olympiapark an der Küste mit Krasnaja Poljana zu verbinden, wurde eine elf Kilometer lange Autobahn gebaut. Kosten: Fast sieben Milliarden Euro – teurer als die Winterspiele in Vancouver 2010 insgesamt.

Abschussstation hinter Schleiern

Fast überall prangt hier der Schriftzug „Gazprom 2014“. Das Biathlon-Stadion „Laura“ hat der Gas-Riese im Alleingang finanziert, inklusive Lift-Schneise mitten durch den Nationalpark. „Gazprom liebt Biathlon“, sagt Andrej Markow, Leiter dieser Sportstätte.

Einige hundert Meter von der Biathlon-Anlage entfernt, am Rande einer Bergstraße, ist ein kleines Grundstück, dessen Eingang mit einem Zaun abgeriegelt und Tüchern in Camouflage-Farben verhangen ist. Von einem bestimmten Blickwinkel aus kann man erkennen, was sich hinter diesem Schleier verbirgt: Eine Abschussstation für Luftabwehrraketen. Der Grund dafür ist die geografische Lage von Sotschi, die Olympiastadt liegt nahe der Unruheregion Nordkaukasus. Wie sicher die Spiele in Sotschi wirklich sind – da können sich die Organisatoren nicht sicher sein.

Vorbeugung: Wegen erhöhter Sicherheitsbestimmungen vor Olympia dürfen Fluggäste in Russland keine Flüssigkeiten mehr im Handgepäck transportieren. „Im Luftverkehr besteht die Gefahr von Terroranschlägen mit Hilfe unkonventioneller Sprengsätze“, teilte das russische Luftfahrtamt mit. Für dringend nötige Medikamente und Pflegeprodukte sind Ausnahmen möglich.

Nummer sicher: Das amerikanische Ski- und Snowboardteam plant für die Olympia mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen. USA Today meldet, eine private Firma sei engagiert, die im Ernstfall unter anderem eine sofortige Evakuierung durchführen kann. Dafür stehen dem Unternehmen Global Rescue aus Boston in Russland fünf Flugzeuge für jeweils 200 Personen zur Verfügung .