Berlin - Nach der zum Sommer feststehenden Entlassung von Pal Dardai (43) als Cheftrainer von Hertha BSC steht jetzt auch Michael Preetz (51) gewaltig unter Druck. Der Sportchef, der seit 2009 im Amt ist, wird zur Saison 2019/20 den achten (!) Trainer vorstellen. Die Berliner Zeitung weiß, dass eine heiße Spur zu einem vereinslosen Berliner führt und nennt weitere Kandidaten.

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Nach Informationen der Berliner Zeitung hat sich Preetz auf der Präsidiumssitzung am vergangenen Mittwoch für einen Trainerwechsel zum Sommer stark gemacht. Die Mitglieder im Präsidium waren geteilter Meinung.

Einigen Mitgliedern stießen der unsouveräne Kommunikationsstil Dardais und dessen rüder Umgang mit Journalisten (bittet Reporter zum Rapport) sowie öffentliche Äußerungen („Medien betreiben sogenannten Mord“) übel auf.

Es gab aber auch im Präsidium Stimmen, die pro Dardai waren. Ein Mitglied, das anonym bleiben will, gegenüber der Berliner Zeitung: „Dardai hat uns in schwerer Lage geholfen und vier Jahre Stabilität gebracht. Das ist nicht zu unterschätzen. Dafür sind wir sehr dankbar.“

Über Trainer-Kandidaten wurde auf der Sitzung noch nicht diskutiert. Klar ist aber, dass es ein neues Gespann (Co-Trainer Rainer Widmayer geht nach der Saison zurück nach Stuttgart) geben soll, das nicht aus dem eigenen Verein kommt.

Die Zeitung weiß, dass sich Preetz unter anderem mit dem Namen Dirk Kunert beschäftigt. Der 51-Jährige ist gebürtiger Berliner. Kunert wuchs in Spandau auf, ist seit 20 Jahren Hertha-Mitglied und hat heute noch eine Eigentumswohnung in Wilmersdorf.

Er ist in Berlin kein Unbekannter, spielte von 1998 und 2000 als aktiver Fußballer für Herthas Reserve. Zwischen 2000 und 2007 trainierte Kunert die U17-Mannschaften der Blau-Weißen. 2003 und 2005 wurde er mit Spielern wie Kevin-Prince Boateng, Ashkan Dejagah und Patrick Ebert U17-Meister, 2013 U19-Champion mit Wolfsburg. Er war auch bei Bayer Leverkusen im Nachwuchs tätig und trainierte von 2016 bis 2017 die Regionalliga-Mannschaft des Hamburger SV.

Zuletzt coachte Kunert die Reserve von Mainz 05, hat dort trotz Entlassung im vergangenen Jahr noch Vertrag bis Juni 2019.

Kunert? Würde voll passen! Herthas Mister X soll nämlich von außen kommen und vor allem mit jungen Spielern arbeiten. Kunert kennt den Klub sehr gut, wurde sogar mal für den Posten als Chef des Nachwuchsleistungszentrums gehandelt.

Weitere Kandidaten für die Nachfolge von Pal Dardai

David Wagner (47): Klopp-Kumpel Wagner schaffte den Sensations-Aufstieg mit Huddersfield, führte den Premier-League-Klub zum Klassenerhalt und wurde Anfang des Jahres entlassen. Er wäre frei.

Oliver Glasner (44): Der große Unbekannte. Glasner arbeitet als Sportdirektor und Trainer bei Ösi-Klub Linzer ASK, wird von Stuttgart und Wolfsburg umworben. Gilt in der Heimat als Top-Spielerentwickler und wird mit dem erfolgreichen Eintracht-Coach und Landsmann Adi Hütter verglichen.

Jürgen Klinsmann (54): Versteht sich gut mit Michael Preetz, brachte Sohnemann Jonathan (20) im Verein als Keeper unter. Zurzeit arbeitet der Ex-Bundestrainer als TV-Experte. Dem Berliner KURIER sagte er vor kurzem, dass ein Cheftrainer-Job nur infrage käme, wenn Tochter Laila (18) die Schule beendet hat. Das ist im Sommer der Fall.

Bruno Labbadia (53): Ist nur noch bis Sommer Trainer in Wolfsburg – und wäre dann für Hertha frei. Labbadia hatte vor der Saison schon ein unterschriftsreifes Angebot aus Japan von Poldi-Klub Vissel Kobe, sagte aber ab. Auch England reizt ihn (hospierte da nach siner Zeit beim HSV). Hertha spielt in seinen Gedanken offenbar keine Rolle.

Domenico Tedesco (33): Wurde Mitte März auf Schalke gefeuert, nachdem er die Vizemeisterschaft holte.

Dieter Hecking (54): Auf ihn folgt zum Saisonende in Gladbach Marco Rose. Er wäre frei. Relativ unwahrscheinlich, dass Preetz den Pokalsieger von 2015 (mit Wolfsburg) holt.