Auf den ersten Blick wirkt die Kulisse wie in einem Hochsicherheitsgefängnis. Die grauen Mauern scheinen schier unüberwindlich hoch, oben drauf wölbt sich in acht Metern Höhe noch ein Drahtzaun nach innen. Die Wachtürme sehen bedrohlich aus. Es entsteht der Eindruck, als habe da einer den Schrecken der innerdeutschen Mauer noch einmal perfektioniert.

Die Menschen haben ihr bestes gegeben, die Tristesse des architektonischen Stumpfsinns zu lindern: Spätestens die Grafitti zeigen, dass es sich zumindest um kein gewöhnliches Gefängnis handelt, in dem gestern mehr als 4371 Läufer antraten, von denen 290 die Marathon-Strecke absolvierten und der größte Teil zumindest einen Zehn-Kilometer-Lauf machte. Seit drei Jahren wird in den Straßen von Bethlehem gelaufen. Dass nirgendwo der Eindruck entsteht, die Geburtsstadt Jesu sei in Palästina aus kommerziellen Gründen auf den Erfolgszug der Städte-Marathons von Boston über New York, London, Tokio oder Berlin aufgesprungen, ist gesichert.

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