Para-Biathlon-Weltmeisterin Klug beendet Karriere

Para-Biathletin Clara Klug beendet ihre sportliche Karriere. Sie leidet unter Depressionen. Nun stellt sich die 28-Jährig einer neuen Herausforderung.

Clara Klug mit ihrem Guide Martin Härtl bei der Siegerehrung der Paralympics 2018 in Pyeongchang.
Clara Klug mit ihrem Guide Martin Härtl bei der Siegerehrung der Paralympics 2018 in Pyeongchang.Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Berlin-Die dreifache Para-Biathlon-Weltmeisterin und zweifache Paralympics-Dritte Clara Klug beendet aufgrund von Depressionen ihre Sportkarriere. Zugleich warb die 28-Jährige für mehr psychologische Sensibilität im Para-Sport.

„Mir fehlt die Kraft zum Aufstehen - und das ist eine direkte Folge meiner Depression“, sagte die Münchnerin, die wegen einer fortschreitenden Erblindung weniger als ein Prozent Sehleistung hat, in einer Mitteilung des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS).

Wegen mehrerer Stürze verpasste sie eine WM. Weil sie sich bei einer Abfahrt in Östersund im Januar eine Fraktur am Schultergelenk zuzog, fehlte sie auch bei den Paralympics im März in Peking. Das verkraftete Klug nicht und zog nun einen Schlussstrich.

Die Athletin vom PSV München gewann mit ihrem Trainer und Guide Martin Härtl Doppel-Bronze bei den Paralympics 2018 in Pyeongchang sowie dreimal WM-Gold im Biathlon, dazu kommen insgesamt dreimal WM-Silber und zweimal WM-Bronze im Biathlon und Langlauf. Aber die Erfolge waren mehr Last als Lust. „Ich kann mich an keinen Wettkampf erinnern, mit dem ich richtig zufrieden war. Immer dachte ich: Eigentlich habe ich nur Glück gehabt. Und muss jetzt umso mehr beweisen, dass ich das alles verdient habe“, sagte Klug.

Corona-Pandemie verschärfte die Situation

Schon früher litt sie aufgrund der schleichenden Erblindung an psychischen Problemen, die wieder ausbrachen und sich während der Corona-Pandemie noch verschärften. Sie bekam Panikattacken, fühlte sich antriebslos. Je näher die Paralympics in Peking rückten, desto schlimmer wurde die Depression. Als sie ihr großes Ziel verletzungsbedingt verpasste, schottete sie sich ab und zog nun die Notbremse.

Hilfsangebote aus dem Team-Umfeld habe sie als nicht greifbar und zielgerichtet genug empfunden. „Wenn du eine Depression hast, ist die Hemmschwelle, Hilfe in Anspruch zu nehmen, sehr hoch“, sagte Klug. Viele Menschen seien mit ihrer Lage in den vergangenen Jahren überfordert gewesen.

Sie wirbt nun dafür, auf psychische Herausforderungen im Para-Sport stärker einzugehen. „Wir leben 24/7 mit unseren Einschränkungen. In der Sportwelt wird das oft übersehen. Unsere psychische Belastung ist noch mal höher als die im olympischen Leistungssport“, sagte Klug, die wegen ihrer Depressionen erneut in Behandlung ist. Als Computerlinguistin beim bayerischen Landeskriminalamt sucht sie nun eine neue Herausforderung.