Paris - Die Inszenierung der Ankunft ist so perfekt gewesen wie die Inszenierung des Abschieds. Drei Tage lagen zwischen dem schniefnasigen, von Taschentuchwischern unterbrochenen, stockenden, öffentlichen Adiós des Fußballspielers Lionel Messi in Barcelona und dem heiteren, strahlenden Bonjour in Paris. Dazwischen lag eine Familienreise im Learjet und eine Nacht im Fünf-Sterne-Luxushotel Le Royal Monceau, nur 500 Meter vom Arc de Triomphe entfernt.

Jeder Schritt, jede Fahrt, jedes Winken in Paris wurde von Reportern, Kameras und Handybesitzern mit aktiviertem Videomodus begleitet. Ohrenbetäubender Lärm, bengalische Feuer, Fans in Ekstase: Ehrfürchtig ließ sich Messi vor dem Prinzenpark feiern. Zaghaft legte er sich einen Schal seines neuen Arbeitgebers um, lehnte sich auf die Absperrung und schaute im schicken Anzug kurz und ungläubig in die Massen.

Messi empfindet großes Glück

Was er sich für seinen Abschied vom FC Barcelona gewünscht hatte, er bekam es jetzt bei Paris Saint-Germain. „Ich danke den Parisern, es ist Wahnsinn seit meiner Ankunft. Das ist das i-Tüpfelchen“, sagte Messi – allerdings an einem durchinszenierten Tag nicht vor den euphorischen und trotz Corona dicht gedrängten Fans, sondern zuvor schon in seiner Pressekonferenz am Mittwoch. „Seit meiner Ankunft hier empfinde ich großes Glück.“

Die drei kleinen Söhne trugen das begehrte Trikot mit der Nummer 30, von draußen hallten schon vorher die „Meeessi, Meeessi, Meeessi“-Rufe. Der neue PSG-Superstar rieb sich kurz die Hände, steckte sich den Kopfhörer für den Übersetzer ein und lauschte dann artig dem Willkommens-Superlativ von Vereinspräsident Nasser Al-Khelaifi: „Das ist ein wunderbarer und historischer Tag für den Verein und die Fußballwelt. Leo macht den Fußball magisch, und er ist ein Gewinner.“

Die PSG-Verantwortlichen machten es ihm auch leicht, die Fans erst recht. „Der Floh erobert Paris, das ihn wie einen König empfängt“, schrieb Italiens Corriere della Sera. Sein Vertrag läuft über zwei Jahre, mit einer weiteren Saison als Option.

Schon eine Stunde, bevor Messi das Wort ergriff, ging PSG mit seiner Liveübertragung auf Sendung. Vor dem Shop des Pariser Clubs in der City reihten sich die Fans ebenso geduldig wie voller Vorfreude in einer langen Schlange ein, um noch ein Trikot des neuen Superstars zu kaufen. Im Online-Shop von PSG war am Freitag zunächst nur noch die Originalversion für Frauen erhältlich – für stolze fast 160 Euro.

Tragen wird Messi die Nummer, die er einst bei seinem Debüt beim FC Barcelona hatte: die 30. Die 10 von Neymar wollte er seinem einstigen und auch jetzigen kongenialen brasilianischen Sturmpartner lassen. Wann Messi sein Debüt gibt, ließ er nach seinem gerade absolvierten Urlaub offen: „Ich hoffe, es wird so früh wie möglich sein.“

Sein Trikot hing schon in der Umkleidekabine, für die Pressekonferenz hatte Messi den feinen Zwirn angelegt: Anzug, weißes Hemd, Krawatte. Auf dem Weg dahin passierte der Argentinier auch einen Slogan, der kaum besser passen könnte zu dem, was sich PSG zusammengekauft hat: „Träume größer“. Und Messi stellte gleich mal klar: „Wir wollen die Champions League gewinnen.“

Seine Ära beim FC Barcelona endete aus finanziellen Gründen. Der mit fast 490 Millionen Euro verschuldete Club hatte sich – wohl auch durch Messis üppiges Gehalt – in eine ausweglose Situation gebracht. „Wenn wir Leo verpflichten, dann, weil wir es können“, sagte Al-Khelaifi, „sonst hätten wir es nicht gemacht.“