Im Vorwärtsgang: Paul Dösch hat das deutsche Hockeyteam erfolgreich durch die EM geführt. Hier trifft der Berliner gegen Belgien.
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BerlinDie großen Name der Szene sind in der vergangenen Woche nach Valencia zum ersten Lehrgang im Jahr der Olympischen Spiele in Tokio aufgebrochen. Perspektiv- statt gestandener Nationalspieler wurden deshalb für die Hallenhockey-Europameisterschaft in Berlin nominiert. Und weil selbst nicht jeder Insider die Talente kennt, haben die sich in den Tagen vor dem Turnier im Horst-Korber-Sportzentrum gegenseitig vorgestellt. „Paul Dösch ist bekannt dafür, ein torgefährlicher Verteidiger zu sein, der auch oder gerade wenn es mal nicht läuft, die richtigen Worte an seine Jungs richtet“, sagte etwa Bundestrainer Valentin Altenburg über seinen Kapitän.

Als Spieler des Berliner Hockeyclubs war gerade für den 21-Jährigen die EM in der Heimat ein besonderes Erlebnis. Vor allem das Finale vor 3500 Zuschauern, das Rekordchampion Deutschland 6:3 (2:1) gegen Titelverteidiger Österreich gewann. Dösch erzielte dabei zwei Tore. „Es ist erst das zweite Mal in meiner Karriere, dass ich mit der deutschen Nationalmannschaft in Berlin spiele. Und dann ist es auch noch ein A-Kader-Turnier, und ich bin der Kapitän“, sagt Dösch.

Paul Dösch genießt das freie Spiel

Den Heimvorteil in der vergangenen Woche nutzte er gerne. Am offiziellen Anreisetag der Mannschaft hatte der Kommunikationswissenschaftsstudent noch bis 12 Uhr in der Uni gesessen und keine sechs oder mehr Stunden zum Teamhotel zu fahren. Auch das bekannte Umfeld, die Nähe zu Familie und Freunden ist etwas, das ein Spieler genießt.

Dösch hatte sich aber nicht nur deshalb auf die EM gefreut. Er gab sogar zu, dass er fast sogar noch etwas lieber in der Halle als auf dem Feld spielt. „Ich genieße am Hallenhockey das freie Spiel, dass man viel mit Auge spielen muss und Kreativität reinbringen kann. Das ist so etwas wie Freestyle-Hockey“, sagt er.

Wenn man neu dazu kommt und bei einer Hallen-EM ein gutes Turnier abliefert, ist man auch für die Feld-Mannschaft interessant.

Paul Dösch

In der Regel ist es schon so, dass die richtig guten Feldhockeyspieler technisch sehr versiert sind und deshalb auch in der Halle gut zurechtkommen. „Aber es gibt auch ein paar Ausnahmen: Spieler, die auf dem Feld richtig gut sind, aber es in der Halle nicht so richtig hinbekommen oder andersrum“, so Dösch. Der 21-jährige Berliner aber bekommt es sehr gut hin, den Spaß am Spiel unter dem Dach sieht man ihm und seinem Spiel in jeder Sekunde an. Auf dem Feld verleiht er der deutschen Abwehr die benötigte Sicherheit, setzt aber auch nach vorne Akzente. Zudem konnte man Paul Dösch bei der Heim-EM als verlängerten Arm des Trainers sehen, der auf dem aus Duisburg herbeigeschafften Boden Anweisungen gibt und die Teamkollegen antreibt. Eine Pause gönnte sich der Berliner aber auch nicht in den Momenten auf der Bank: Der Kapitän tauscht sich mit Bundestrainer Valentin Altenburg und seinen Mitspielern aus oder motiviert die Kollegen auf dem Feld.

Dass es die junge deutsche Mannschaft mit drei Siegen in drei Vorrundenspielen als Gruppenerster ins Halbfinale gegen Russland schaffte, dort souverän das Finale erreichte und am Sonntag im Endspiel gegen Österreich stand, war auch sein Verdienst. Jeweils einen Treffer erzielte der Verteidiger in den drei Vorrunden-Partien, sogar zwei Tore machte Paul Dösch beim deutlichen 6:1-Sieg gegen Russland. Der Bundestrainer hatte mit der Beschreibung seines Kapitäns also keineswegs übertrieben. Die Tore konnte jeder Zuschauer in der ausverkauften Dreifelderhalle im Horst-Korber-Sportzentrum sehen. Und wer genau darauf achtete, konnte auch erkennen, wie Paul Dösch die richtigen Worte an seine Mitspieler gefunden hatte. In den Spielen, die deutlich gewonnen wurden, aber auch beim 7:6-Erfolg gegen die Niederlande, bei dem die deutsche Mannschaft lange einem Rückstand hinterherlief, fiel er als Anführer auf.

Ist so eine Europameisterschaft in der Halle ein Sprungbrett? Kann eine gute Leistung eine Empfehlung für das deutsche Feldhockeyteam der Herren sein? „Wenn man neu dazu kommt und bei einer Hallen-EM ein gutes Turnier abliefert, ist man auch für die Feld-Mannschaft interessant“, sagt Dösch, „dazu entwickelt man sich persönlich weiter, es stärkt das Selbstbewusstsein und fördert die eigene Leistung auf dem Feld.“

Paul Dösch steht bereits auf dem Zettel von Kais al Saadi, dem Trainer der deutschen A-Feldhockey-Nationalmannschaft. Im Herbst des vergangenen Jahres wurde Dösch sogar zu einem Lehrgang eingeladen. Auch wenn es für den Berliner in diesem Jahr sicherlich noch nicht zum Ticket für die Olympischen Spiele reichen wird, gehört er als Perspektivspieler zu den deutschen Talenten, welche in den kommenden Jahren das neue Gesicht der A-Nationalmannschaft werden können.

Auf dem Feld ist das Spiel immer sehr athletisch, sehr körperbeton, es gibt viele Spielzüge und längere Laufwege, es dominiert die Taktik.

Paul Dösch

Dazu muss sich Dösch aber noch weiterentwickeln. Beim Berliner HC sieht er für sich auf diesem Weg die besten Voraussetzungen. Nach zehn Jahren bei Blau-Weiß kehrte er im Sommer des vergangenen Jahres zu dem Verein zurück, wo er das Hockeyspielen gelernt hat. Dort spielt er in der Feldsaison neben Olympiasieger Martin Häner und soll in dessen Fußstapfen treten. Neben ihm aber gibt es erst einmal viel zu lernen. „Auf dem Feld ist das Spiel immer sehr athletisch, sehr körperbetont“, sagt Dösch, „es gibt viele Spielzüge und längere Laufwege, es dominiert die Taktik.“ Jemand, der den Freestyle in der Halle mag, muss da einen Mittelweg finden, damit seine Qualitäten auch weiterhin zum Tragen kommen, er sich aber trotzdem weiterentwickelt. Dann wird auch er zukünftig zum Kreis der großen Namen der Szene gehören.