München - Spätestens nach dem Audi Cup, hat Pep Guardiola gesagt, werde er sich mit „Kalle und Matthias“ zusammensetzen und den Kader für die Saison festlegen. Nach den beiden Stadionabenden am Mittwoch und Donnerstag mit dem AC Mailand, Manchester City und dem FC São Paulo wird der neue Trainer des FC Bayern demnach Vorstandschef Rummenigge und Sportvorstand Sammer mitteilen, auf welchen Kreis er seine Mannschaft reduzieren will.

28 Profis stehen noch im Aufgebot, mehr als 25 sollen es seiner Meinung nach aber nicht sein. Mindestens drei Spieler müssten sich also umorientieren nach dem letzten Testturnier vor dem Saisonstart, das auch dazu genutzt werden soll, das 2:4 im Supercup bei Borussia Dortmund zu kaschieren. Aber man darf wohl annehmen, dass den Streichkandidaten schon ihre Perspektive aufgezeigt worden ist.

Prominentestes Opfer könnte Luiz Gustavo, 26, werden. Der Mittelfeldspieler muss offenbar nur noch davon überzeugt werden, was ihm der Verein bereits nahegelegt hat. Anders ist jedenfalls kaum zu deuten, dass VW-Chef Martin Winterkorn, zugleich Aufsichtsrat des FC Bayern, neulich erklärte, weil Gustavo „auf dem Markt“ sei, „sollte man sich um ihn bemühen“. Nur scheint Gustavo die Gehaltseinbußen nicht ganz so schön zu finden.

Inwieweit das auch ein Hindernis ist für Emre Can und Diego Contento, allerdings einziger echter Backup für Linksverteidiger David Alaba, ist nicht bekannt. Überliefert aus Bremen ist aber die Aussage von Werders Sportdirektor Thomas Eichin, Contento sei „ein interessanter Mann“.

Witze machen

Bastian Schweinsteiger immerhin muss nicht um seinen Platz fürchten. Guardiola hat zuletzt zwar meist als nun einzige Sechs seinen Wunschspieler Thiago aufgeboten, doch der nach seiner Knöchel-OP bald wieder fitte Schweinsteiger dürfte mindestens auf der Acht eingebaut werden. Die Debatten, Schweinsteiger könne aus der Formation fliegen, hält Sammer jedenfalls für „absurd“ und „respektlos“. „Bastian ist für mich der beste Mittelfeldspieler der Welt“, sagte er der Sportbild.

Guardiola werden die Debatten weiter begleiten. Zugang Mario Götze ist gerade ins Balltraining eingestiegen, in etwa einem Monat dürfte er nach seinem Muskelbündelriss komplett hergestellt sein. Doch Platz ist eben nur für elf Spieler. So gesehen trifft es sich gut, dass die Bayern trotz Saisonstart munter weitertesten. Am 11. August, zwei Tage nach dem Ligaauftakt gegen Mönchengladbach, wird erneut der Sponsor aus Ingolstadt bedacht, mit einem Kick bei Ungarns Meister aus der Werksstadt Györ. Und zwei Tage nach dem europäischen Supercup gegen Chelsea am 30. August in Prag treten die Münchner in Passau für die Flutopfer an. Bis dahin werden die Bayern in zwei Monaten schon 20 Spiele bestritten haben, ehe die Saison so richtig losgeht, samt Champions League.

Sollten die Profis den frühen Dauerstress unpassend finden, haben sie künftig immerhin Gelegenheit, dies in der Kabine kundzutun. Guardiola, noch so eine Neuerung und Parallele zu seiner Zeit beim FC Barcelona, bezieht künftig ein eigenes Zimmer nebenan − das ehemalige Getränkelager. „In der Kabine sollen sie Witze machen, über alles reden dürfen, ohne Angst, dass ich ihnen im Nacken sitze“, sagte der Katalane, „dort dürfen sie auch schlecht über mich reden.“ Wer dazu künftig noch Gelegenheit haben wird, entscheidet er dieser Tage mit „Kalle und Matthias“.